Ein (All-)Tag in Bujumbura

Februar 10, 2010 at 3:35 pm Hinterlasse einen Kommentar

7h, ich bin der erste im Büro. Verena fällt seit einer Woche aus, das bedeutet wesentlich mehr Arbeit, Koordination … und auch Verantwortung. Werde ich allem gerecht? Bislang, die erste Woche ist nun vorbei, glaube ich: ja. Ich habe alles Dringende und Notwendige erledigt, was so anstand. Das Team vor Ort ist sich der Lage bewusst, ich verlange noch mehr Selbständigkeit als sonst. Die Aufgaben sind verteilt, die Projekte laufen weiter – und gut.

Auf dem Weg zur Schule, gegenüber dem Arbeitsplatz des Präsidenten sehe ich eine große Menschenmenge, die meisten sind Motorradfahrer, aber auch Soldaten und Polizei. Unzählige Motorräder sind am Straßenrand geparkt. Auf der Straße sehe ich nur kurz einen jungen Mann liegen. Er liegt auf dem Bau und bewegt sich nicht. Um ihn herum, eine große Blutlache. Es sah in diesem Moment nicht so aus, als könnte noch etwas für ihn getan werden. Dennoch wünsche ich es ihm.

Zurück von der Schule, kommt Krankenschwester Celestine zu mir ins Büro. Ein Mädchen, das bei uns im Mütterheim lebte und vor einigen Wochen ins Krankenhaus eingeliefert wurde, hat den Lebenswillen verloren. Sie ist aidskrank – und weigert sich, entsprechende Medikamente zu nehmen. Krankenschwester Celestine, Psychologin Clothilde und Heimleiterin Apoline sprachen mehrmals und eingehend mit dem Mädchen. Doch sie weigert sich weiterhin, die Medikamente gegen ihre schwere Krankheit zu nehmen. Sie möchte nicht mehr. Sie will gehen.

Derweil möchte ihre Familie – anscheinend Onkel, Schwester und Tanten -, dass das Mädchen zu ihnen nach Hause kommt. Ins Viertel Cibitoke, Bujumbura. Sie bestehen darauf. Dem müssen wir Folge leisten. Die Familie sagt, sie seien müde aufgrund der Sturheit des Mädchens. Selbst das Argument, sie müsse für ihre kleine, sechs Monate alte Tochter sorgen, stimmt sie nicht um.

Ich bat Celestine, es noch einmal zu versuchen. Dem Mädchen und auch der Familie muss klar sein, dass sie für die Zukunft dieses Kindes verantwortlich sind.

Als ich am Mittag kurz für 20 Minuten nach Hause gehe und mein Mittagessen verschlinge, höre ich ein kleines Kind auf der Straße schreien. „Mamaaa“… irgendwo. Kurz überlege ich, ob ich rausgehen und ihm helfen soll. Doch ich lasse es. Wahrscheinlich wäre es ohnehin nur weggerannt, aus Angst vor dem „Muzungu“, dem weißen Mann. Kurz darauf höre ich nichts mehr. Und beruhige mich damit, dass das Kind seine Mutter gefunden hat.

Dann muss ich schon wieder ins Büro. Finanzen klären für den restlichen Februar. Und Celestine und unseren Mitarbeiter Thierry auf Mission nach Maramvya schicken, wo die Bevölkerung bereits auf sie wartet. Sie werden Moskitonetze verteilen, die wir besorgt haben und die die Bevölkerung zu einem Teil selbst finanziert hat.

Ich bin froh, schon länger hier zu sein. Und den entsprechenden, wenigstens mittleren Durchblick zu haben. Um diesen Aufgaben gerecht zu werden.

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Verena Stamm – Update Einige allgemeine Infos aus Bujumbura

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