Neues aus Bdi

Oktober 1, 2008 at 5:29 pm Hinterlasse einen Kommentar

1. Oktober. Wieder ist viel passiert. In der Zwischenzeit war ich wieder im Landesinnern, dieses Mal Ngozi und Gitega. An beiden Orten wird noch gebaut. In Ngozi, im Norden, besteht bereits das Ausbildungsprojekt der Fondation Stamm in Landwirtschaft und Viehzucht, Baumschule inbegriffen. Gerade wird dort eine Lagerhalle gebaut, wo die Ernten der umliegenden Bauern eingelagert werden sollen – im Zuge eines Mikrokreditprojekts, das baldmöglichst nach Fertigstellung des Lagers begonnen werden soll. Die fünf Hektar Land, die die Administration zur Verfügung stellt, werden eifrig bewirtschaftet. Darüber hinaus Ziegen und Kühe gezüchtet – und Jugendliche in Landwirtschaft/Viehzucht ausgebildet.

In Gitega wird wohl noch in diesem Monat die Berufsschule für Handwerk fertiggestellt. Verena und ich trafen uns dort mit einer Mitarbeiterin von Unicef. Ein Antrag beim Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen ist bereits gestellt. Wir warten auf die Genehmigung, um auch hier mit den entsprechenden Ausbildungen beginnen zu können. Egal, mit wem ich über dieses Projekt spreche, jeder befindet es für gut. Insbesondere natürlich die Einheimischen aus der Umgebung Gitegas. Eine solche professionelle Berufsschule sei dort mehr als überfällig – und bislang nicht vorhanden.

Apropos Berufsschule. Auch in Ngozi würden wir gerne eine solche bauen. Für Veterinäre. Denn in ganz Burundi gibt es nur eine einzige Schule, wo Tiermediziner ausgebildet werden. Die befindet sich in der südlichen Provinz Bururi und muss das gesamte Land mit den Experten versorgen. In der Provinz Ngozi, wo wir eine solche Schule gerne bauen würden, gibt es sage und schreibe einen einzigen Veterinär – den, der bei uns ausbildet.

Mitte September hat in Burundi die Schule und das neue Ausbildungsjahr begonnen. Dementsprechend viel wird wieder gelernt. Für uns hieß es wieder: Schulmaterial kaufen – für alle, die in unseren Einrichtungen leben, wohnen oder extern unterstützt werden. In der Regel versuchen wir, Projekte zu schaffen, die sich irgendwann selbst tragen können, zumindest einen Teil der Kosten decken. Doch Grundbildung wird sich nie selbst finanzieren können. Vor allem nicht in den Schichten, für die wir letztendlich alle Projekte betreiben.

Rose, aus dem „Centre Uranderera“ ist aufs Neue ins Krankenhaus, um Blutkonserven zu bekommen. Es war ihr zwischenzeitlich wieder sehr schlecht ergangen, dass sie nicht mehr in die Schule konnte. Blutarmut. Im Moment geht es ihr wieder besser. Voraussichtlich wieder monatsweise, bis der Blutmangel erneut eintritt.

Cédric, der kleine behinderte Junge, entwickelt sich derweil prächtig. Ein befreundeter Burunder, der in Deutschland wohnt und in der Zwischenzeit zu Besuch in seiner Heimat war, besuchte ihn. Es war er, der mich damals per e-Mail um Hilfe bat, den Jungen aufzunehmen, von dem er mitbekommen hatte. Von damals bis heute, so sagt er, habe Cédric wirklich eine gute Besserung durchlaufen. Wenn ich ins Heim komme – leider viel zu selten –, ist er immer zur Stelle und lacht.

Simba, die Wachhündin des Heims, hat Junge bekommen. Unser Nachtwächter bemühte sich, einen geeigneten Unterschlupf für die Hundebabys zu bauen. Denn in den kommenden Tagen soll die Regenzeit beginnen. Einige Vorboten gab es schon.

Am gestrigen Dienstag gab es – halbwegs überraschend – einen Feiertag. Die Muslime feierten das Endes des Fastenmonats Ramadan. Die Volontäre und ich waren eingeladen bei Bienvenu, Heimleiter des Straßenkinderheims „Birashoboka“, dessen kleiner Bruder dem muslimischen Glauben angehört. Zu Gast waren viele Kongolesen, demnach spielten sie auch ihre Musik und tanzten nach kongolesischem Stil: sehr extrovertiert, unbeschreiblich. Eine Feier, die Spaß machte. Allzu lange konnten wir jedoch nicht bleiben. Die Feier fand statt im Viertel Kamenge, eines der ärmsten Viertel, wo sich bei Dunkelheit aufzuhalten nicht besonders ratsam scheint.

Seit einigen Wochen arbeitet auch Rüdiger Kilian, ein Pharmazeut, ehrenamtlich bei uns im Projekt mit, der über den Senior Expert Service (SES) entsandt wurde. Er kümmert sich in der „Ecole Polyvalente Carolus Magnus“ (EPCM) um die weitere Ausgestaltung der Labors und Ausbildung zum PTA (pharmazeutisch-technischer Assistent).

Die Preise in Burundi sind nach wie vor hoch – für alle Güter. Der Euro sinkt zeitgleich im Wert. Hinzu kommen Preiserhöhungen durch Spekulationen, wie aktuell durch verseuchte Milch, die aus China unter anderem nach Burundi exportiert wurde. In so einem Fall steigen sofort die Preise für Milchprodukte, die aus anderen Ländern stammen. In den Medien liest man, wie viele Tausend Kinder in China krank wurden durch schädliche Stoffe in der Milch. Was in Burundi ausgelöst wurde, kann man natürlich nicht wissen. Statistiken dazu gibt es nicht. Wie sollte es auch bemerkt werden?

Gespannt verfolge ich Zeitungsartikel, die sich mit den Wahlen 2010 in Burundi befassen. Die Politik formiert sich, das Thema wird immer mehr, intensiver behandelt. Zumal der Ausgang offen ist. Im Moment aber scheint es, dass die Parteien noch ziemlich mit sich selbst beschäftigt sind. Ich denke, zu den richtigen Kampagnen wird es ab dem kommenden Jahr kommen.

Eine sehr erfreuliche Nachricht bekam ich vergangene Woche. Wir haben durch einen großzügigen Spender wieder einen Seecontainer zur Verfügung gestellt bekommen. Der Zeitpunkt ist recht gut, denn an einigen Ecken in Deutschland stehen Dinge, die darauf warten, den Weg nach Burundi zu finden. Darunter Material für unsere Medizinstation im Schul- und Ausbildungszentrum EPCM. Gedanken machen müssen wir uns nun im Folgenden über die Transportkosten. Ich freue mich sehr, Leute an der Seite zu haben, die sich für die burundikids einsetzen und die Beladung des Containers übernehmen. Aber einmal mehr zeigt sich: Wenn man nur zusammen arbeitet, dann bleibt für jeden einzelnen nicht mehr viel Arbeit – und man kann vieles erreichen.

Gespannt warte ich auch auf das Filmergebnis (http://lost-kids-of-burundi.filmboard-karlsruhe.de). Filmemacher Oli dürfte noch schwitzen beim Schneiden des 25-stündigen Filmmaterials (alleine aus Burundi), hinzu kamen noch einige Drehs in Deutschland. Doch verspreche ich mir sehr viel von der Dokumentation. Seine persönlichen Eindrücke hat er ja schon über ka-news.de mitgeteilt (http://www.ka-news.de/karlsruhe/news.php4?show=de2008729-3612I).

Die vier neuen Volontäre haben sich allesamt gut eingelebt. Auch hat jeder von ihnen nun seine Aufgabenbereiche gefunden und geht frisch ans Werk. Ich versuche, sie regelmäßig zusammen zu trommeln, um auf ihrem aktuellen Stand zu sein. Zum einen bekommen wir dadurch noch besser mit, wie und was in den Projekten vor sich geht. Zum anderen tauschen wir uns aus über neue Ideen, Vorgehensweisen – und auch Fehler. Denn ausgelernt hat man nie. Schon gar nicht in dem, was wir tun.

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