Archiv für Juli, 2010
Die Angst vor somalischen Attentaten
Nach den Anschlägen in Uganda wächst in Burundi die Sorge vor Attentaten durch somalische Terroristen. Polizei und Militär haben schon ihre Präsenz verstärkt. Schon seit Anfang des Jahres dürfen nur noch Reisende in den Flughafen Bujumburas – wer jemanden dorthin begleitet oder von dort abholen möchte, muss draußen bleiben. Auch die große Straße wurde beim Abschnitt vor dem Arbeitsplatz des Präsidenten (Boulevard de l’UPRONA) weiträumig abgesperrt – mit Beton, Stacheldraht, Metallschranken und Polizei- oder Militärposten. Die umliegenden Straßen sind jedoch nicht als Umleitung für starken Verkehr geeignet. In den “Rush-Hours” zwängen sich alle, v.a. Busse, durch die kleinen Kopfsteinpflastergassen.
Nach den Wahlen ist es in Burundi wieder ruhig geworden – doch nun konzentrieren sich die Sicherheitsmaßnahmen auf die “Gefahr von außen”.
Juli 27, 2010 at 3:46 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Aktuelles aus der (Online-)Presse
STERN.de zu den burundischen Wahlen!
NZZ online: hier klicken!
Juli 24, 2010 at 5:04 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Wahlen, somalischer Terror und die Korruptionshitliste
Heute werden in Burundi die Parlamentswahlen abgehalten. Die Situation in Bujumbura ist ruhig – im Vorfeld gab es jedoch Befürchtungen, einige Spannungen und auch Tote. Nach wie vor ist jedoch die künftige politische Landschaft nicht klar… auch kursieren viele Gerüchte um Ex-Rebellenchef und FNL-Präsident Agathon Rwasa.
Hier geht’s zur Deutschen Welle. Weitere Eindrücke und aktuelle Meldungen zu jeder Stunde gibt es auf Französisch bei IWACU.
Vor Ort machen jedoch derzeit mehr die Drohungen des somalischen Terrornetzwerks Bedenken als die landesinneren Probleme… Polizei und Militär haben ihre Präsenz verstärkt, um besonders “bedrohte” und potenzielle Angriffsziele zu schützen, Straßenkontrollen nehmen zu. Somalische Terroristen hatten Anschläge auf Uganda und Burundi angedroht – in Uganda sind bereits bei zwei Bombenexplosionen ca. 70 Menschen ums Leben gekommen. Die beiden Länder stehen im Visier der Radikalen, weil sie Soldaten für die Friedenstruppe in Somalia zur Verfügung stellen.
Darüber hinaus ist gerade eine Hitliste mit den korruptesten Staaten in Ostafrika veröffentlicht worden – von Transparency International. Demnach ist Burundi – im Vergleich zu den anderen Staaten der ostafrikanischen Gemeinschaft – das korrupteste Land und hat Kenia auf dem ersten Platz abgelöst. Hier geht’s zur Meldung.
Rose in der FR
Die Frankfurter Rundschau hatte Rose unterstützt – mit Artikeln über ihr Schicksal. Viele Leser hatten reagiert. Hier ein aktueller Artikel.
Juli 19, 2010 at 11:08 vormittags Hinterlasse einen Kommentar
Eindrücke vom Vormittag
Heute Vormittag wurde Rose beerdigt. Unter Palmen – und direkt unter einem großen, schönen Kaktus. Viele Kids aus den Heimen waren dabei. Auch Roses Schwestern und Cousins. Hier einige Eindrücke…
Gedenkfeier
Rose hatte viele Freunde – von Burundi bis nach Deutschland. In Bujumbura wird morgen, Freitag, die Beerdigung stattfinden. Um 9h fahren wir gemeinsam mit den Kindern des Heims zum Friedhof. Auch Alphonse, ein burundischer Priester und guter Freund von mir (der erste Burunder, den ich überhaupt kennengelernt hatte!), wird dabei sein – er wird am Grab eine kleine Messe abhalten. Er kannte Rose schon seit einiger Zeit – er besuchte das Kinderheim als Rose noch nicht nach Deutschland gegangen war und sang mit den Kids.
Die Freunde in Deutschland werden am kommenden Sonntag, 18. Juli, um 16h in der Pfarrkirche St. Albert (Sundgauallee 9, Freiburg) eine Gedenkfeier für Rose abhalten… Wer kommen möchte, ist eingeladen.
Rose – Trauer um ein starkes Mädchen
Rose – ein Name mit einer langen Geschichte. Die Geschichte eines Kampfs. Ein Kampf gegen den eigenen Körper. Als wir ihre Krankheit erkannten, war sie schon sehr fortgeschritten. Ein ausländischer Experte hatte damals die richtige Spur aufgenommen. Ein Zufall?
Rose kam nach Deutschland. Viele Kontakte, Telefonate, Mails und Aufregung von Burundi bis nach Deutschland – um Rose zu retten. Schüler rannten, um Spenden zu sammeln, freiwillige Helfer transportierten Blutproben im Gepäck, Mitarbeiter begleiteten Rose täglich zu den Ärzten. Es sollte ihr besser gehen. Die deutschen Ärzte konnten ihr ein Stück weit helfen – eine große Leistung bei einer Krankheit, die nur ein Mensch unter einer Millionen Menschen hat.
Es ging ihr besser. Sie konnte nicht geheilt werden, das stand fest. Aber mit Medikamenten und Bluttransfusionen in einmonatigen Abständen ging es ihr gut. Sie lebte wieder im Heim, mit den anderen und ihrer kleinen Schwester Claudine. Sie konnte lachen, machte sich schick, wenn Besuch anstand. Sie feierte Weihnachten mit ihren Freunden.
Doch ihre Krankheit war stärker. Rose hatte lange gekämpft. Aber heute Vormittag hat sie den Kampf endgültig verloren. Sie starb im Krankenhaus “Prince Regent Charles” in Buyenzi. Wir konnten nichts mehr für sie tun. Bis zur letzten Stunde war ich in Kontakt mit den Ärzten in Freiburg, sie schickten Tipps und bereiteten noch in den vergangenen Tagen eine weitere Medikamentenlieferung vor, die für die kommenden Monate ausreichen sollte. Pünktlich, bevor die jetzigen Medikamente ausgehen… Wir planten. Mit Rose.
Celestine, unsere Krankenschwester, war die ganze Zeit bei Rose. Im Heim, im Krankenhaus, im anderen Krankenhaus, wohin man sie geschickt hatte. Gemeinsam mit Marie, der Heimleiterin. Heute Vormittag kam Celestine ins Büro, um über die aktuelle Situation zu berichten, welche Untersuchungen man gemacht habe. Da kam der Anruf von Marie aus der Klinik: Rose ist der Krankheit erlegen.
Ich fahre mit Celestine ins Krankenhaus. Dort treffe ich Claudine, Roses kleine Schwester, die schrecklich weint und auf eine Liege neben der von Rose liegt. Das Gesicht abgewendet. Und Nadine, eine Freundin aus dem Waisenheim. Sie sitzt da, still, regt sich nicht. Drückt mich nur fest zur Begrüßung, um dann wieder still auf der Liege zu sitzen. Ich setze mich daneben, lege die Hand auf Claudines Rücken. Das Schluchzen beruhigt sich ein wenig. Aber nur ein wenig.
Ich schaue mich um. Und werde wütend. Je mehr man darüber nachdenkt und je länger man sich in einem dieser Krankenhäuser in Burundi aufhält, desto wütender wird man. Wütend, auf seine eigene Machtlosigkeit. Oder einfach auf alles.
Zwanzig Menschen oder mehr auf Liegen nebeneinander. Die Matratzen kann man gar nicht mehr beschreiben. Die Wände schmutzig. Der Fuß einer der Liegen ist zu kurz, korrigiert und in Waage gebracht mit einem einfachen Stein. Gestrichen wurde hier seit dem Neubau der Klinik vor zig Jahren nicht mehr. Eine ältere Frau, die gegenüber auf einer Liege sitzt, schaut mir kurz in die Augen, dann senkt sie den Kopf. Ein Blick, der mir mehr sagte als alle Worte. Es tat ihr leid um dieses Kind.
Hier, in Burundi, sterben Menschen an weitaus leichteren Krankheiten. “Kleinigkeiten”, würde man bei uns sagen. Aber nicht hier. In Burundi. Wo es so gut wie keine medizinische Versorgung gibt.
Ich schaute gerade in meinen Mailordner. Unterordner “ROSE”. 671 e-Mails. 672, wenn man die letzte Korrespondenz aus der Uniklinik Freiburg von gestern Abend, 18h44, noch dazuzählt, die sich aber noch im Posteingang zur Bearbeitung befindet. Ich will den Ordner nicht löschen. Es fällt schwer, es zu verstehen und damit abzuschließen. Ich hatte alles versucht, was in meiner Macht stand. Wir alle taten das – Chefs, Kollegen, Bekannte, Ärzte, Presse…
Rose ist weg. Claudine, ihre Schwester, bleibt im Heim. Wir werden für sie da sein.
Fußball in der Region der Großen Seen
Ein schöner Beitrag, der die (Fußball-)Lebenssituation in einigen der Länder der “Großen Seen” (Uganda, Ruanda und Burundi) beschreibt. Sehr nett geschrieben – und so wahr! Hier geht’s zum Beitrag!
Bestätigen kann ich das ebenfalls. Nach der Niederlage der Deutschen Elf bei der aktuellen Weltmeisterschaft erreichten mich zahlreiche SMS und Anrufe mit Beileidsbekundungen, Erschrockenheit und Unverständnis. Ebenso stark war schon die Anteilnahme beim hohen Sieg über Argentinien zuvor… Die “Mannschaft” (wie hier alle das deutsche Team nennen), ist in Burundi bestens bekannt – vielen wahrscheinlich besser als mir selbst…
Juli 9, 2010 at 3:21 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Ausstellung in Stuttgart
Eine kleine Ausstellung zu Burundi in Stuttgart – gestaltet vom Partner Kerschensteinerschule. Mehr Infos hier!
Juli 8, 2010 at 2:24 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar







Der Senf der anderen