Archiv für Juni, 2010
Soldatenmarsch und… keine Termine
Gerade eben wollte ich zu IMC (International Medical Corps), wo ich einen Termin hatte. Es sollte um eine Kooperation gehen, insbesondere in der Verbesserung im Gesundheitssektor. Aus- und Fortbildungen für medizinisches Personal. Das Büro befindet sich am Boulevard de l’UPRONA, nicht weit von unserem Büro entfernt. Ich bin pünktlich. Kurz davor jedoch werde ich von einem Polizisten angehalten. Durchfahrt derzeit verboten, grinst er. Die Soldaten müssen ihren Parademarsch einüben, um morgen, am Unabhängigkeitstag, im Gleichschritt am Präsidenten vorbeimarschieren und salutieren zu können. “Ich muss doch aber arbeiten?!” versuche ich ihn umzustimmen und die Erlaubnis zu bekommen. Schließlich geht es ja bei dem Termin nicht um mich. Keine Chance – “Befehl von den Autoritäten”. So kommt das Land voran… bei allem Respekt für den Unabhängigkeitstag und die dazugehörigen Feierlichkeiten. Ich möchte niemandem den Stolz absprechen, keine Frage. Aber das öffentliche Leben und vor allem die Arbeit dadurch lahm legen? Der Polizist lächelt, ich auch. Typisch weiß… denkt mal wieder nur ans Arbeiten…
Zum Thema Unabhängigkeit afrikanischer Staaten hier ein Artikel zur Demokratischen Republik Kongo.
Die (vorläufigen) Ergebnisse
Auf IWACU sind bereits erste Zahlen zu den Wahlen von gestern veröffentlicht: Wahlbeteiligung und Stimmen für den Präsidenten. Die unabhängige Wahlkommission äußert ihre Zufriedenheit über den ruhigen Ablauf der Wahlen.
Derweil werden die burundischen Journalisten für ihre Arbeit gelobt – zu Recht. Hier klicken!
Ich bin persönlich sehr froh, dass alles so glimpflich über die Bühne ging. Wenn man von “glimpflich” sprechen kann bei knapp zehn Toten und mehreren Verletzten aufgrund der Anschläge mit Handgranaten in den vergangenen Wochen… Aber, im Vergleich zu so manchem Szenario, das manchereiner vor einigen Monaten noch malte – wirklich “glimpflich”. Ich hoffe nun nur noch, dass es auch in den kommenden Tagen völlig ruhig wird und nicht wenige – ich entschuldige mich – Idioten meinen, sie müssten noch Granaten werfen.
Juni 29, 2010 at 5:50 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Die burundikids-Freiwilligen online
Das Magazin zur Entwicklungspolitik schreibt über zwei Freiwillige der burundikids. Hier klicken!
Juni 29, 2010 at 9:51 vormittags Hinterlasse einen Kommentar
Wahltag in Burundi
Seit 6h in der Früh gehen die Burunder in die Wahllokale. Ich sitze im Büro, die Straßen sind wie ausgestorben. Gestern Nacht waren vereinzelt wieder Granatexplosionen zu hören. Dennoch würden die Menschen wählen gehen, wie mir ein Bekannter berichtet, der in Rumonge, südlich von Bujumbura, die Wahlen beobachtet. In anderen Regionen jedoch, wie mir ein anderer Freund berichtet, wäre die Resonanz weniger zahlreich – wie auch IWACU berichtet (Französisch).
Am Wochenende sagte die CENI, die unabhängige nationale Wahlkommission, alles sei soweit in Ordnung für die Wahlen. Auf der anderen Seite wurden in Bujumbura und Gitega jedoch einige Mitglieder der Opposition verhaftet.
Hier zwischenzeitlich ein Artikel, der die komplexe Lage in Ruanda, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo sehr gut aufzeigt.
9h15: Ich bin gerade am Wahllokal in Nyakabiga, Viertel in Bujumbura, vorbeigekommen. Wie zu erwarten, sind dort mehr Polizisten als Wähler…
10h: Artikel der Agentur AFP!
11h30: Erneutes Lob an die Medien Burundis, die in Synergie arbeiten und über die aktuellen Geschehnisse berichten! Aux médias du Burundi: Vous faites un bon travail! Félicitations!
11h30 (Quelle IWACU): Einige Mitglieder der oppositionellen Partei FNL sind verhaftet worden. In mehreren Provinzen werden außerdem Schüsse vermeldet, die dazu führten, dass die Bevölkerung Angst hat, wählen zu gehen. Die Polizei habe die Situation jedoch schnell unter Kontrolle gebracht. Der Präsident der CENI (Wahlkommission) ruft im Radio zur Ruhe auf und appelliert, der Bevölkerung ihr Recht zu gewähren, wählen zu können. Die Wahlbeteiligung ist dennoch mäßig – obwohl laut Beobachtern die Sicherheit gewährleistet sei. In manchen Wahllokalen sind bislang weniger als die Hälfte der Registrierten zur Urne gegangen. Laut CENI sollen die Wahllokale bis 16h geöffnet sein. Gewählt werden kann bereits seit 6h morgens.
11h35 (Quelle IWACU): Ein Schüler wurde verhaftet, weil er eine Handgranate bei sich trug.
12h10 (Quelle IWACU): In Kamenge (Stadtteil Bujumbura) hat sich anscheinend bislang nur etwa ein Drittel der Registrierten zur Wahlurne begeben. In Cankuzo (Provinz) seien die Wahllokale leer. Die Beobachter erklären, die Leute wollten zuerst ihrer Arbeit auf den Feldern nachgehen und danach wählen gehen.
13h50 (Quelle IWACU/Synergie der Medien): Zwei TV-Journalisten wurden im Viertel Kinama (Bujumbura) verhaftet, als sie aus einem Wahllokal berichten wollten. Anscheinend sei die Einmischung der unabhängigen EU-Wahlbeobachter notwendig gewesen, um sie wieder von der Polizei frei zu bekommen. Derweil ist die Wahlbeteiligung nach wie vor sehr gering und beläuft sich vielerorts auf knapp ein Drittel der registrierten potenziellen Wähler. Die Sicherheitslage ist jedoch nach wie vor entspannt.
Ein weiterer Artikel der taz zur aktuellen Lage… Hier klicken! – Und ebenfalls Lob an die Synergie der burundischen Medien!
15h30: Die Zahlen zur Halbzeit auf IWACU (Französisch)… In Bujumbura geht die Mehrheit nicht zur Wahl. Um 16h schließen offiziell die Wahllokale.
16h15: Laut IWACU (Synergie der Medien) und den neuesten Infos aus den Wahllokalen von ca. 14h hat die Zahl der Wähler am Nachmittag deutlich zugenommen. Vielerorts über zwei Drittel der registrierten Wähler haben die Urnen aufgesucht. Grund für die späte Wahlbeteiligung sei die Arbeit auf den Feldern gewesen. Seit ca. 15 Minuten sind die Wahllokale geschlossen. Vorläufige Ergebnisse werden wohl schon heute Abend und morgen früh bekannt gegeben.
Zwischenzeitlich kommt es an der Universität von Burundi zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Studenten. Anscheinend sei am Vorabend ein Student festgenommen worden, der FNL-Anhänger sei. Heute seien zwei Polizisten zurück auf den Campus gekommen, um das Zimmer des Studenten zu durchsuchen. Dabei hätte eine große Menge von Kommilitonen die beiden Polizisten nicht mehr gehen lassen, Verantwortliche der Universität haben den Polizisten die Waffen abgenommen. Weitere Infos sind noch nicht bekannt.
Juni 28, 2010 at 8:49 vormittags Hinterlasse einen Kommentar
Doku zu “Gustave”
Angeblich hat Burundi das größte Nilkrokodil zu bieten: “Menschenfresser” Gustave, den eine Legende nach der anderen umgibt. ARTE zeigt die Dokureihe “Die Entdecker”, in der auch Burundis Krokodil Thema sein wird.
Ausstrahlungstermine: 30. Juni, 8h10 und 3. Juli, 9h30. Mehr Infos hier!
Juni 27, 2010 at 11:56 vormittags Hinterlasse einen Kommentar
Das Wochenende vor den Wahlen
Am kommenden Montag ist es soweit: die Präsidentschaftswahlen in Burundi werden wohl stattfinden – unter Protest und mit Androhung von Boykott seitens der (vereinten) Opposition. Vor dem Wochenende häufen sich die Versammlungen zur Sicherheitslage. Die belgische und die deutsche Botschaft schicken Sicherheitshinweise – kein Grund zu Panik, jedoch sollte nachts zu Hause geblieben werden. Besser so, da überall Anschläge mit Handgranaten seit einigen Wochen Gang und Gebe sind. Und am Wochenende, also unmittelbar vor der Wahl, soll die Sicherheitslage noch einmal stark strapaziert werden.
Fahrten aufs Land sind derzeit so gut wie nicht möglich. Theoretisch natürlich schon möglich, jedoch sollten sie tunlichst vermieden werden. Und auch in Bujumbura gilt eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Persönlich ist dies natürlich ein Verzicht – es bleibt, abends zu Hause zu sitzen und sich mit der WM zu begnügen. Natürlich steht das jedoch in keinem Verhältnis zu dem, was die Menschen durchmachen müssen, die in den Vierteln wohnen, wo die Granaten landen.
Wer an was schuld ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Jede Seite trägt wohl zur Situation bei, wie sie ist und sich zuspitzt. Komplex – wie so vieles in diesem Land.
Hier noch ein aktueller Artikel von heute!
Juni 25, 2010 at 3:57 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Burundi in schwieriger Lage – und Hilfe für die, die darunter leiden
Die Lage in Burundi vor den Präsidentenwahlen am kommenden Montag spitzt sich zu. Hier ein aktueller Artikel der taz.
Diejenigen, die am meisten leiden: Kids, Jugendliche, die Bevölkerung, die – auf gut Deutsch – die “Schnauze voll” haben von Krieg und Auseinandersetzung. Partner in Deutschland wissen das… und setzen sich dafür ein, dass wenigstens das Schulleben und die Versorgung in Kinderheimen gesichert wird. Und die Hoffnung der aufstrebenden Generation gestärkt bleibt. Hier ein Beispiel!
Juni 24, 2010 at 6:32 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Andere zur Situation in Burundi
Artikel zur Lage in Burundi (auf Englisch). Hier und hier!
Juni 23, 2010 at 11:21 vormittags Hinterlasse einen Kommentar
Deutsch macht Schule
Das Goethe-Institut unterstützt den Deutsch-Unterricht in einem Gymnasium in Bujumbura. Hier geht’s zum Artikel! (Französisch)
Juni 22, 2010 at 11:37 vormittags Hinterlasse einen Kommentar
Der Senf der anderen