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Die Suche nach Arbeit

19. Mai. Täglich kommen vor allem junge Menschen ins Büro und fragen nach Arbeit. Ein junger Mann, der aufgrund familiärer Probleme sein Jurastudium unterbrechen musste und keinen Franc besitzt, eine junge Frau mit einem Baby auf dem Rücken, die von ihrer Familie verstoßen wurde. Sie fragen nicht nur nach Arbeit, sie sind sichtlich verzweifelt, sprechen mit zittriger Stimme, versuchen dennoch ihre Scham mit einem Lächeln zu verbergen. Sie schildern ihre Probleme und wissen oftmals keinen anderen Ausweg als bei der Fondation nach Arbeit zu fragen.

Man fühlt sich schlecht. Man sitzt ihnen gegenüber und weiß nicht, was man tun soll. Man will ihnen helfen, aber man kann nicht. Eine junge Frau mit ihrem Baby. Das Kleine schlummert auf ihrem Rücken und bekommt von der Situation seiner Mutter nichts mit. Außer in der Form, wenn es vielleicht mal nichts zu essen gibt. Der jungen Frau kommen die Tränen, die sie bislang zurückhalten konnte. Unser Mütterheim in Kamenge ist schon überbelegt. Kein Platz für sie und das Baby. Keine Arbeit. Sie bedankt sich höflich, unter Tränen geht sie weg. Ich fühle mich machtlos.

Die Zahl der Leute, die Arbeit suchen, nimmt zu. Die Geschichten, die Probleme häufen sich, anstatt dass sie weniger werden. Zumindest hat man diesen Eindruck. Man möchte mehr tun, immer mehr, möchte allen irgendwie helfen, dass sie nicht mehr aus Verzweiflung weinen müssen. Doch wie? Mit welchen Mitteln? Man kann schnell das Gefühl bekommen, dass es nicht genug ist, was man tut. Dass es nicht ausreicht. Ein Tropfen auf den heißen Stein? Nein. Denn vielen können wir helfen. Doch es ist nicht genug.

Die Arbeit vor Ort ist nicht einfach. Man muss sich manchmal zurück nehmen, sich erholen. Doch das hinzubekommen, ohne an all das zu denken, was man in dieser Zeit schon wieder für diese Menschen hätte erreichen und tun können, ist alles andere als leicht. An manchen Tagen ist es auch gar nicht möglich. Dann schießt man hoch, die Entspannung ist weg und man sitzt wieder am Computer, brütet über Berichten und grübelt darüber, was man noch tun könnte. Es gibt noch so vieles – doch die Zeit und die Mittel sind leider nicht unbegrenzt. Es ist ein Lauf gegen die Zeit. Während oben verhandelt wird, um die Gesamtsituation Burundis endlich zu verbessern, können wir an der Basis nur im Rahmen unserer Möglichkeiten agieren und versuchen, so vielen wie möglich zu helfen. Ich frage mich, ob es helfen würde, wenn die junge Frau mit ihren Tränen und dem Kind auf dem Rücken einmal vor den „hohen Damen und Herren“ vorsprechen könnte.

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