Fußbälle aus Burundi in Bern
Mai 30, 2008
Die STIFTUNG EIGENSINN aus dem baden-württembergischen Freudenstadt sammelt Fußbälle von Straßenkindern aus aller Welt. Im Repertoire finden sich auch Exemplare aus Burundi – frisch eingetroffen aus Bujumbura. In Bern ist EIGENSINN nun mit einer Ausstellung zur Europameisterschaft vertreten. Das Fernsehen war auch dort. Wer möchte, kann sich den Beitrag auch im Internet ansehen: www.erftv.de.
Keine Entspannung bei Nahrungsmitteln
Mai 29, 2008
Im Hinblick auf die erneute Benzinpreiserhöhung in Burundi… Zum Artikel!
Es tut sich viel in Burundi
Mai 29, 2008
29. Mai. Lange war Funkstille – was nicht etwa bedeutet, dass sich nichts getan hat. Im Gegenteil. Ich habe im Moment Probleme, mich an alles zu erinnern und festzuhalten.
Gestern und heute war ich den gesamten Tag in den Projekten unterwegs. Genauer gesagt, im Mutter-Kind-Heim „Centre Nyubahiriza“. Die Mädchen und ihre Babys mussten umziehen, weil die Vermieterin im Viertel Kamenge die Miete um 50 Prozent erhöhen wollte. Grund sind nicht zuletzt die steigenden Lebenshaltungskosten, die man natürlich versucht, auf andere abzuwälzen, wo möglich. Doch erlaubt es unser Budget nicht, solche „Spielchen“ mitzumachen. Wir beschlossen, auszuziehen. Daraufhin versuchte die Vermieterin, die Miete weniger zu erhöhen, doch stand unsere Entscheidung bereits fest und auch der „Preisnachlass“ war uns noch zu hoch. Vor allem hätte die nächste Erhöhung nicht lange auf sich warten lassen, da erwartet wird, dass das Benzin auf 2.200 FBu steigen wird (ca. 1,20 Euro) – Fortsetzung folgt.
Gestern habe ich also begonnen, zusammen mit den Mitarbeitern Bienvenu, Celestine (Krankenschwester) und Apoline (Heimleiterin) den Umzug einzuleiten und zu organisieren. Kein leichtes Unterfangen, auch nervenaufreibend – da die Vermieterin wie ein Presser ständig neben uns stand –, doch wieder mal eine gute Erfahrung und gut, aus dem Büro heraus zu kommen. Der direkte Kontakt, der sehr wichtig ist, die Arbeit IN den Projekten, nicht nur für die Projekte.
Es galt, Farbe zu kaufen, ein wenig Zement für Ausbesserungen und die wütend werdende Vermieterin zu besänftigen. Sie gerät in Panik, da sie genau weiß, in den kommenden Monaten wohl keinen Mieter mehr zu finden und weniger Geld zur Verfügung zu haben. Was sie sich letztendlich selbst zuzuschreiben hat. Doch kann so etwas schnell gefährlich werden, wenn einem die Familie auf den Hals gehetzt wird. Dennoch: Man trennte sich heute mit einem Lächeln.
Kindergartenmöbel, Stockbetten, Nähmaschinen, Hausrat und die Mädchen mit ihren Kids wurden mit einem kleinen Lastwagen, einem Pick-Up, einem Jeep und einem Pkw in ein anderes Viertel, nach Kinama, gebracht. Dort wurde sich gleich ans Einrichten gemacht. Zuvor aber fungierte ich noch als Gutachter und machte Fotos von allem, insbesondere den Mängeln, falls es bei einem erneuten Umzug irgendwann nicht wieder zu Streitigkeiten kommt, sondern wir belegen können, wie wir das Häuschen vorgefunden haben. In der kommenden Zeit werden noch die fehlenden Dinge besorgt, bspw. Glühbirnen und Farbe für die Wände. Die Mädchen waren derweil guter Dinge und machten Scherze. Doch dann mussten sie mit anpacken – Schluss mit lustig. Denn immerhin sind sie für den Ablauf und das Funktionieren im Heim selbst mit verantwortlich.
Die Probleme zwischen Regierung und den Rebellen (FNL) hat sich auch wieder entspannt. Man hat einen Waffenstillstand unterzeichnet, ein Teil der Rebellenführung ist aus dem tansanischen Exil zurück nach Bujumbura gekehrt. Man verhandelt. Am Abend ihrer Ankunft bin ich regelrecht erschrocken, als ich auf die Straße heraus trat und ins Kinderheim laufen wollte. Ich hatte nicht mehr daran gedacht, dass es der Tag deren Ankunft war und wunderte mich, wieso alles voll steht von Polizisten, Militär und dazu noch südafrikanische Soldaten mit riesigen Panzerwagen, die im Auftrag der Afrikanischen Union den Verhandlungsprozess „betreuen“ sollen. An die Tatsache, sein Bier in der Bar zu trinken, während südafrikanische Soldaten mit ihren aufgereihten Maschinengewehren am Tisch nebenan sitzen, hat man sich mittlerweile gewöhnt. Zumal sich eine der Bars, die ich regelmäßig für ein Bier mit Freunden besuche, direkt gegenüber von dem Hotel liegt, in dem die Rebellenführung nächtigt.
Diese Woche gab es wieder zufriedene Gesichter im Heim. Ein Bekannter, der bei der BINUB arbeitet, dem Büro der Vereinten Nationen in Burundi, hatte mir mehrere Hundert Jogurt vorbei gebracht. Sie waren am selben Tag abgelaufen, durften daher nicht mehr im UN-Shop verkauft werden. Er brachte sie mir für die Kinder in den Heimen. Ein Teil ging an die Straßenjungs, ein anderer an die Straßenmädchen und an die Waisen. Unterwegs erntete ich einige verwunderte Blicke, weil ich mehrere Paletten Jogurt durch die Gegend fuhr. Für manche Kids in den Heimen war es das erste Mal, dass sie Jogurt schmecken konnten. Es kam gut an. Weitere Nachfragen ließen nicht lange auf sich warten, doch ich machte ihnen klar, woher sie gekommen waren und dass ich kein Geld habe, ständig Jogurt zu kaufen. „Ntaco“ – macht nichts.
Rose, 16 Jahre, geht es wieder schlechter. Ihr Mangel an Blut tritt wieder ein, wir müssen sie wohl bald wieder ins Krankenhaus für Transfusionen bringen. Wie Sisyphos mit seinem Felsen. Doch die Untersuchung, die sie braucht, um die Herkunft des ständig auftretenden Blutmangels festzustellen, ist hier nicht möglich. Wir dachten an einen Transport einer Blutprobe nach Deutschland. Doch bis das Blut dort ankommen würde, wäre eine Untersuchung nicht mehr durchzuführen. Das hat unsere Anfrage bei Medizinern ergeben. Wir können nur hoffen, dass sich diese Krankheit von selbst heilt im Laufe von Roses Wachstum.
Ornella, ich schätze fünf oder sechs Jahre, ist derzeit sehr anhänglich. Kaum betrete ich das Heimgelände springt sie mir entgegen und weicht auch nicht mehr von meiner Seite, bis ich wieder gehe. Sie wurde uns gebracht zusammen mit einer größeren Schwester aus dem Landesinnern. Die ältere Schwester haben wir jedoch gleich wieder zurück geschickt, da sie in diesem Trimester den Nationalen Test schreiben muss und es nicht sinnvoll gewesen wäre, sie genau in dieser Zeit aus ihrer dortigen Schule zu nehmen. Doch die Kleine blieb – und vermisst ihre Schwester. Auch sie wird nicht ewig bleiben. Nicht einfach, wenn man sich an ein Kind gewöhnt und es lieb gewinnt, sich mit ihm beschäftigt. Man will es nicht mehr gehen lassen. Doch das ist natürlich utopisch und führt am Ziel vorbei. Dennoch: Ornella ist ein kleiner Sonnenschein. Vor allem, wenn sie stolz wie Oskar neben einem sitzt und man gemeinsam Reis mit Bohnen zu Abend isst.
Derweil haben wir auch Nachricht bekommen, dass der Container in Bujumbura eingetroffen ist, den ich mit einigen fleißigen Helfern Ende Februar auf die Reise geschickt hatte. Die bürokratische Abwicklung ist eingeleitet, bald werden wir ihn transportieren und ausräumen.
Kommende Woche werden zwei Fernsehjournalisten eintreffen und für drei Wochen in Burundi eine Dokumentation drehen. Ich werde sie begleiten, was bedeutet, dass ich die kommende Zeit wieder viel unterwegs bin. Ich freue mich auf die Dokumentation und finde es ein spannendes Vorhaben. Zusätzlich werden eine Woche später nochmals zwei Journalistinnen kommen – ebenfalls TV. Mehr dazu aber in der kommenden Zeit.
Hilfe aus Japan
Mai 23, 2008
Japan hat sich entschlossen, Hilfe zu leisten… Zum Artikel!
Die Suche nach Arbeit
Mai 19, 2008
19. Mai. Täglich kommen vor allem junge Menschen ins Büro und fragen nach Arbeit. Ein junger Mann, der aufgrund familiärer Probleme sein Jurastudium unterbrechen musste und keinen Franc besitzt, eine junge Frau mit einem Baby auf dem Rücken, die von ihrer Familie verstoßen wurde. Sie fragen nicht nur nach Arbeit, sie sind sichtlich verzweifelt, sprechen mit zittriger Stimme, versuchen dennoch ihre Scham mit einem Lächeln zu verbergen. Sie schildern ihre Probleme und wissen oftmals keinen anderen Ausweg als bei der Fondation nach Arbeit zu fragen.
Man fühlt sich schlecht. Man sitzt ihnen gegenüber und weiß nicht, was man tun soll. Man will ihnen helfen, aber man kann nicht. Eine junge Frau mit ihrem Baby. Das Kleine schlummert auf ihrem Rücken und bekommt von der Situation seiner Mutter nichts mit. Außer in der Form, wenn es vielleicht mal nichts zu essen gibt. Der jungen Frau kommen die Tränen, die sie bislang zurückhalten konnte. Unser Mütterheim in Kamenge ist schon überbelegt. Kein Platz für sie und das Baby. Keine Arbeit. Sie bedankt sich höflich, unter Tränen geht sie weg. Ich fühle mich machtlos.
Die Zahl der Leute, die Arbeit suchen, nimmt zu. Die Geschichten, die Probleme häufen sich, anstatt dass sie weniger werden. Zumindest hat man diesen Eindruck. Man möchte mehr tun, immer mehr, möchte allen irgendwie helfen, dass sie nicht mehr aus Verzweiflung weinen müssen. Doch wie? Mit welchen Mitteln? Man kann schnell das Gefühl bekommen, dass es nicht genug ist, was man tut. Dass es nicht ausreicht. Ein Tropfen auf den heißen Stein? Nein. Denn vielen können wir helfen. Doch es ist nicht genug.
Die Arbeit vor Ort ist nicht einfach. Man muss sich manchmal zurück nehmen, sich erholen. Doch das hinzubekommen, ohne an all das zu denken, was man in dieser Zeit schon wieder für diese Menschen hätte erreichen und tun können, ist alles andere als leicht. An manchen Tagen ist es auch gar nicht möglich. Dann schießt man hoch, die Entspannung ist weg und man sitzt wieder am Computer, brütet über Berichten und grübelt darüber, was man noch tun könnte. Es gibt noch so vieles – doch die Zeit und die Mittel sind leider nicht unbegrenzt. Es ist ein Lauf gegen die Zeit. Während oben verhandelt wird, um die Gesamtsituation Burundis endlich zu verbessern, können wir an der Basis nur im Rahmen unserer Möglichkeiten agieren und versuchen, so vielen wie möglich zu helfen. Ich frage mich, ob es helfen würde, wenn die junge Frau mit ihren Tränen und dem Kind auf dem Rücken einmal vor den „hohen Damen und Herren“ vorsprechen könnte.
Das PTA-Projekt
Mai 15, 2008
Der Optimismus…
Mai 11, 2008
10. Mai. Es gibt sehr erfreuliche Momente. So wie mit den Bauern aus Musigati, einem kleinen Örtchen in der Provinz Bubanza. Wir hatten ihnen vor einiger Zeit einen Mikrokredit ermöglichen können aufgrund privater Spenden aus Deutschland. Als wir begannen, uns nach einiger Zeit zu fragen, was mit dem Projekt passiert ist, weil wir bis dato nichts gehört hatten, kam prompt die Antwort. Man schickte uns zwei Stücke der selbst produzierten Seife, die erste Rate der Rückzahlung und dazu noch zwei Fotos (zu sehen auf der Seite „Bilder“), um das Geschehen vor Ort zu dokumentieren. Der Verbund von Frauen und Männern, die nun mit ihrer kleinen Seifenfabrik ihren Lebensunterhalt wieder selbst bestreiten können, ist für uns Motivation. Besser geht es fast nicht. Und wir freuen uns über das gelungene Projekt.
Auch in Muyinga, wo ich mich in diesem Moment aufhalte, geht es voran. Das Landwirtschaftsprojekt warf die erste Ernte ab – drei Tonnen Kartoffeln. Auch haben wir mit unseren Kühen das erste Kälbchen bekommen. Weitere Kühe sind schwanger. Wenn alles gut läuft, so wie bislang, dann können wir eventuell das Landwirtschaftsprojekt ausweiten. Drei weitere Hektar Land können wir wahrscheinlich kostenlos bekommen. Und Landwirtschaft ist genau das, worauf wir in Burundi setzen sollten und müssen. Und es verstärkt auch tun. Verbunden mit Viehzucht – um gleich den notwendigen Dünger zur Verfügung zu haben.
In der Nähe unseres Projekts ist ein Transitlager für Flüchtlinge, die aus Tansania zurück kehren. Teilweise Flüchtlinge aus dem Jahr 1972. Man will Land für sie suchen, wo sie ansiedeln und das sie kultivieren können. Keine leichte Aufgabe für das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Zumal kommende Woche wieder die Preise steigen werden. Und ernten können die Flüchtlinge noch lange nichts. Man hat ja noch nicht einmal begonnen, zu kultivieren. Hinzu kommt noch die Aussage unseres Mitarbeiters in Muyinga: „Ende Juni oder Anfang Juli“ wird es die nächste Hungersnot geben.“ Grund: Der Regen setzte zu früh aus, bereits Ende April. Doch für eine gute Ernte bräuchte es noch Regen bis Ende Mai.
Neben den großen Problemen gibt es noch die „kleinen“. Die Moral der Menschen leidet unter der Lebenssituation. Stellenweise verständlich, doch die Ausmaße sind weitaus mehr als nur zu bedauern.
Im Heim lebt ein Mädchen namens Nadia. Ich kenne ihr Alter nicht genau, ich schätze es auf 15 oder 16 Jahr. Sie hat keine näheren Verwandten mehr, nur noch eine Schwester, die in einem sehr armen Viertel bei einer entfernten Verwandten – sie nennen sie Tante – wohnte. Die Schwester wurde krank und musste ins Krankenhaus. Als ihr bewusst war, dass sie sterben wird, bat sie die Tante, Nadia zu rufen, dass sie sie noch einmal sehen könne. Doch die Tante rief nicht an. Am Tag darauf war die Schwester tot. Nadia fand eine kleine Nachricht vor, dass ihr die Schwester etwas hinterlassen habe. Also ging sie in das Zimmer der Schwester im Haus der Tante und fand einen Umschlag mit fast 400.000 FBu. Als die Tante das Geld sah, riss sie es Nadia aus der Hand. Wir müssen uns in den kommenden Tagen darum bemühen, gegen diese Sache vorzugehen. Denn schließlich kann es die Existenzgrundlage und Zukunft für Nadia bedeuten.
Wechsel ins Viertel Buterere. Eines der ärmsten der Stadt, vielleicht auch das ärmste. Ein kleines Mädchen von dort ist in unserem Straßenmädchenheim „Duhinduke“. Die Mutter Alkoholikerin, der Mann, der mit im Haus lebt, nicht der Vater der Kleinen. Darüber hinaus gewalttätig, auch gegen das Mädchen. Am Wochenende hat man die Mutter im Busch gefunden. Wahrscheinlich erdrosselt. Vom Mann keine Spur.
„Burundi wird sich bessern“, sagte mir heute Abend ein optimistischer Freund. Ich dachte schon, diese Meinung existiert nicht mehr – außer in mir. Und das denke ich auch weiterhin. Es ist im Moment vielleicht ein leichtes Stocken, wieder einmal viele Probleme, die zusammen treffen. Doch trotz allem wird es aufwärts gehen. Mit kleinen Schritten. An denen wir mitarbeiten.
burundikids bei Youtube
Mai 9, 2008
Ein fleißiges Helferlein aus Deutschland hat sich die Mühe gemacht und eine kleine Diashow zu Burundi bei Youtube online gestellt. Ansehen!
Wohin soll es führen?
Mai 6, 2008
6. Mai. Die Situation in Burundi spitzt sich zu. Das globale Problem der steigenden Preise trifft auch Burundi mehr als hart. Auch unsere Arbeit. Die Mieten steigen, Nahrungsmittel werden für die Menschen teilweise unbezahlbar. Hungeraufstände wie in anderen afrikanischen Ländern gibt es – bislang – noch keine. Es liegt nicht in der Mentalität der Burunder. Was jedoch nicht bedeutet, dass alles bis ins Unermessliche ertragen wird. Im Gegenteil. Folge ist nur ein Anstieg der Unzufriedenheit, Verdruss, mehr Kriminalität und Handlungen, zu denen Menschen unter „normalen“ Umständen nicht fähig sein können. Man wird sich gegenseitig töten, um Essen zu können. Die Geschichten nehmen zu, in denen Mütter ihre Babys im Busch verhungern lassen, weil sie sie nicht ernähren können.
Seit einigen Tagen bin ich beinahe schlaflos, wenn ich zu viel nachdenke. Im Moment bahnt sich etwas an, das wir um jeden Preis vermeiden wollten und eigentlich auch immer noch wollen. Das Waisenheim „Centre Uranderera“ steht kurz vor seiner Schließung. Erste Besprechungen hierzu haben wir bereits hinter uns und seitdem fällt es mir mehr als nur schwer, entspannt zu bleiben. Die Miete wurde vor einiger Zeit um 50 Prozent erhöht, nun wird die Verpflegung der 75 Kinder teurer und teurer und schließlich so unerschwinglich, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als zu handeln, zu verändern.
Wir suchen ein anderes Gelände, ein anderes Haus, wohin wir Kinder bringen können. In erster Linie diejenigen, die keine Verwandten mehr haben, die Kranken und hauptsächlich Mädchen, die in ihren ursprünglichen Verwandtschaftskreisen unmöglich unterkommen können – aus den unterschiedlichsten Gründen. Einige der Jungen können ins Straßenkinderheim umziehen. In das Haus, in das wir umziehen werden, sollten wir eines finden, können wir jedoch nur 30 der Kinder mitnehmen. Für den Rest versuchen wir im Moment, individuelle Lösungen zu finden. Zurück zu Tanten, Onkeln, Großmüttern? Nicht immer möglich. Doch ein Muss. Andere werden wir ins Landesinnere bringen, wo sie geboren sind, und wir noch ein Heim haben – beispielsweise Gitega. Einige, die nicht so stark im Lernen sind, werden nach diesem Schuljahr die Schule abschließen oder abbrechen müssen und einen Beruf erlernen. Für wiederum andere suchen wir Internatsplätze, wo sie unterkommen können. Wir versuchen, alle Kinder und Jugendlichen zu begleiten. Doch schmerzhaft ist es.
Nach einer langen Besprechung mit Verena war ich im Heim und besprach die Situation auch gleich mit den Heimleitern Pelline und Alberic. Betroffenheit. Währenddessen saß die kleine Kiki auf meinem Schoß und kicherte vor sich hin. Sie war Ende vergangenen Jahres aus dem Heim zurück zu ihrer Mutter gegangen. Ein Erfolg, dachten wir. Doch die Situation verschlechterte sich wieder, nun ist sie zurück. Sie lacht, klatscht mit den Händen, freut sich, die altbekannten Gesichter im Heim wieder zu sehen. Sie versteht nicht, was gerade über ihrem kleinen Köpfchen besprochen wird.
Wir brauchen mehr Unterstützung. Punktum. Es lag bislang nicht in unserer Philosophie, „Bettelbriefe“ zu verfassen und an die Masse zu verteilen. Wer helfen möchte, der kann. Doch wir pressen nicht. Aber die derzeitige Situation und die sich anbahnende, weitere Verschlechterung in Burundi macht uns zu schaffen und gibt uns mehr als zu denken. Und das alles für ein paar Kilo Bohnen und Reis pro Woche.
In den kommenden Wochen soll das Benzin noch einmal teurer werden. Von 1.860 FBu auf 2.000 FBu. Das Bild von vor wenigen Wochen wird sich wiederholen. Vollgestopfte Tankstellen, sich weigernde Tankstellenbesitzer. Stillstand.
Die Rebellen FNL sind nach wie vor im Hinterland aktiv und liefern sich Auseinandersetzungen mit der Armee. Ein kurzer Abriss dazu wird kommenden Sonntag auf www.ka-news.de/burundi erscheinen. Die Machthabenden weigern sich, in Verhandlungen zu treten. Man will nicht teilen. Patriotismus: Fehlanzeige. Wer darunter leidet, sind die kleinen Fahrradtaxifahrer, oftmals ehemalige Straßenjungen, die sich so ein klein wenig über Wasser halten können. Gestern hat man sie daran gehindert, in die Innenstadt zu fahren und ihren Fahrdiensten nachzugehen. Befehl von oben, aus Angst, die FNL könnten sich so fortbewegen.
Doch kann man die FNL keinesfalls grundsätzlich auf die Seite der Bösen stellen. Sie sind teilweise in der Bevölkerung akzeptiert – weil diese unter den Rebellen nicht unbedingt mehr leidet, als unter der Situation, die die derzeitigen Machthaber verursachen. Stets im Hinblick auf die Wahlen in 2010 – sollten sie denn stattfinden.
Ich verabscheue die Liste auf meinem Schreibtisch. Die Liste mit den Namen der Kinder aus dem Heim. Mit Notizen, Gekritzel, welche Lösung man für sie finden könnte. Die wir finden müssen. Es sei denn…
An Absurdität beinahe nicht zu übertreffen: Ich finde es bezeichnend, was in dem Artikel über steigende Preise auf tagesschau.de als erstes wichtiges Thema in Deutschland angesprochen wird. Mir fehlen die Worte.