Freitag, 28. März
März 28, 2008
28. März. Freitag in Bujumbura. Wir warten auf die endgültige Freigabe des Containers, in dem sich die Ausstattung für das Labor des Ausbildungszentrums in Kajaga (Ecole Polyvalente Carolus Magnus) befindet. Er steht im Hafen, wir benötigen nur noch eine Unterschrift des Ministers. Dann wird er direkt auf das Schulgelände gefahren und entsprechend gelagert. Wir rechnen am Montag damit. Eine gute Übung, denn Ende April wird ja schon der nächste Container eintreffen – der aus Karlsruhe.
Martinas Besuch war gut – doch ging er wieder viel zu schnell vorbei. In den wenigen Tagen war das Programm voll. Wir fuhren nach Gitega, wo wir allesamt sehr positiv überrascht waren, wie schnell der Bau des neuen Ausbildungszentrums für Handwerk doch voran geht. Seit zehn Tagen herrscht reger Betrieb auf der Baustelle dort, die Grundrisse der Schule sind schon zu sehen. Frauen und Männer schleppen Steine auf Kopf, Schultern und Händen vom Lagerplatz zur jeweiligen Baustelle, zwei Männer mischen mit Schaufeln den Zement, eine Kolonne von Frauen bringt große Wasserkanister auf dem Kopf herbei, Maurer bringen die Steinbrocken in die richtige Position und festigen sie mit Zement. Martina und Verena besprechen mit dem verantwortlichen Bauleiter die weitere Vorgehensweise und eventuelle Verbesserungsvorschläge, sowie weitere Ideen für die Zukunft des Projekts: Twubakire kazoza keza – Wir bauen (für) eine bessere Zukunft!
Auch der Bau in Kajaga (EPCM) des zweiten Gebäudes geht stetig voran. Das Obergeschoss nimmt ebenfalls schon erste Formen an, im Erdgeschoss wird derzeit der Innenausbau vorgenommen, Tür- und Fensterrahmen sind gesetzt.
Freitags vor Ostern war noch die Zeugnisausgabe in der Schule. Verena verteilte Schulhefte und Kugelschreiber für die jeweils drei Klassenbesten. Besonders erfreulich für uns war, dass die Mädchen in vielen Klassen mit zu den Besten gehören, in einer Oberstufenklasse waren sogar alle drei Erstplatzierten weiblich. Insgesamt ist bei den Schulergebnissen ein Fortschritt und eine deutliche Verbesserung festzustellen. Zurückzuführen ist das wohl nicht zuletzt auf die Nachhilfe und zusätzlichen Lerngruppen, die wir für nachmittags eingerichtet haben. Die Schüler (und Lehrer) bekommen Verpflegung und setzen sich nach Schulende nochmals zusammen, um für Tests zu lernen, Fragen zu klären und ordentlich zu lernen. Das trägt nun Früchte. Wie der schuleigene Garten. Dort baumeln Orangen, Papaya und Chilischoten.
Im Mütterheim in Kamenge wurde für Martina getanzt. „Mama aus Deutschland“. Die Mädchen sahen zufrieden aus, auch wenn die spendierte Cola ein wenig zu warm war. Die Kleinen waren auch ziemlich aufgeweckt, rannten herum und lachten viel. Dieses Mal kein einziges weinendes Kind. Extra für den Besuch aus „Allemagne“.
Wir besuchten außerdem noch drei weitere Projekte. Eine Ausbildungsstätte zum Automechaniker im Viertel Buyenzi, ein kleines Restaurant im Viertel Bwiza und einen Frisörsalon in Kanyosha. Alle drei zählen zu den armen Vierteln. Der Salon und das kleine Restaurant werden betrieben von Jungen, die in unserem Straßenkinderheim lebten und nun eine kleine selbständige Existenz aufgebaut haben, bzw. noch dabei sind. Beides scheint gut zu laufen, wie sie uns berichten. Sie können verdienen. Und leben. Dann ärgert es einen umso mehr, wenn man Probleme mit dem „Chef de Quartier“, so etwas wie der örtliche Viertelverwalter, bekommt. Geld wolle der eine haben, sonst werde er das kleine Restaurant schließen. Wir überlegen uns, ob wir uns an den Gouverneur wenden, um dem Abhilfe zu schaffen.
In dem kleinen Restaurant „Amani“ (Kisuaheli, „Friede“) haben wir auch eine Kostprobe vom täglichen Angebot bekommen. Reis, Kohl, Lengalenga, Kartoffeln und Kochbanane. Außerordentlich lecker. Und als wir fertig waren, lud Martina einige Kinder ein, die auf der Straße sich vor den kleinen Eingang drängten. Eins nach dem anderen schlüpfte durch den orangenen Vorhang, der den Raum abtrennt und setzte sich gespannt und vorfreudig auf eine der niedrigen Holzbänke. Festschmaus nach Ostern.
An Ostersonntag selbst besuchten wir die Straßenkinder im „Centre Birashoboka“. Sie hatten sich tierisch gefreut und sogar ein kleines Programm vorbereitet, trugen Gedichte vor, spielten Gitarre und sangen. Tafeln hatten sie aufgestellt mit schönen Zeichnungen und dem Schriftzug „Our Mothers“ – für Verena und Martina. Dann gab es Reis, Sombé (Gemüse aus Maniokblättern) und Rindfleisch. Die Bäuche voll, die Gesichter glücklich.
Die Kids im „Centre Uranderera“, dem Waisenhaus, liegen derzeit ein wenig faul herum, genießen die Ferien. Manche aber müssen schon wieder in die Schule, andere lernen und bereiten sich darauf vor. Nach den Prüfungen vor Ostern war eine gewisse allgemeine Erleichterung bei ihnen zu spüren. Jetzt geht es aber nochmals ran – bis zu den großen Ferien im Juli.
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