Fußball kurz vor Weihnachten
Dezember 24, 2007
23. Dezember. Fußball – in Burundi Nationalsport. Für unsere Kinder natürlich auch. Und sie spielen richtig gut. Heute stand ein Spiel an, auf dem Fußballfeld neben dem „Musée Vivante“, wo ansonsten Krokodile, Schlangen und Affen zur Schau stehen. Ein Team unseres Straßenkinderheims „Birashoboka“ spielte gegen ein reguläres Team aus dem Viertel Sororezo, das westlich liegt und sich in die Berge hinein zieht.
Birashoboka hat zwar leider mit drei zu eins verloren, doch die Jungs haben sich wacker geschlagen. Und natürlich diskutiert wie in Burundi üblich. Ein Schauspiel, wie ich es liebe. Zum Schluss waren alle gut gelaunt, schließlich ist alles nur ein Spiel – wohlgemerkt mit der entsprechend ausgeprägten Leidenschaft.
Nach dem Rückstand von eins zu null haben unsere Jungs umgehend ausgeglichen. Dann durfte ich ein Mal mehr erleben, was burundischer Freudentaumel bedeutet. Gemischt mit dem eines Kongolesen, denn Heimleiter und an diesem Tag Trainer Bienvenu kommt aus dem Nachbarland. Zum Spiel habe ich einige der Kinder aus dem Waisenhaus mitgenommen, die unbedingt das Spiel sehen wollten, als ich davon erzählte. Anfangs waren es vier, zum Schluss konnten wir ein ganzes Bustaxi füllen. Epiphanie ist derzeit krank, ihr schmerzen die Beine. Mit wollte sie dennoch. Auf dem Rückweg durfte sie dann Motorrad fahren – hinten drauf bei Nadine. Der Rest der Truppe marschierte vom einen Ende der Stadt mit Kerstin, Ruth, Luisa und mir bis zum Heim zurück. Zum Abendessen spendierte ich den Kids noch Avocados – dafür, dass ich bereits zum wiederholten Male Maisbrei und Sombé (Maniogemüse) teilen durfte.
Bereits gestern fand wieder das Weihnachtsfest von UNICEF statt, auf dem kleinen Festplatz im „Musée Vivante“. Verena war aufgrund eines anderen Termins verhindert, deshalb schickte sie mich hin – was sich gut traf, denn ich wollte unsere Jungs ohnehin beim Trommeln und Tanzen sehen. Das Fest – organisiert für die Aufmerksamkeit der Kinderrechte und insbesondere die Situation der Straßenkinder in Burundi – hatte ich bereits letztes Jahr schon besucht. Und immer wieder muss ich mir sagen: Unsere Trommler sind einfach gut. Ich denke und sage das nicht nur, weil sie zur Fondation Stamm gehören. Wir hatten gestern den direkten Vergleich. Und sie sind es wirklich. Sowohl im Tanz, wie auch im Trommeln. Kleine Stars, das Publikum (hauptsächlich Kinder und Jugendliche, aber auch UNICEF-Mitarbeiter und andere wichtige Leute) tobte. Nicht zuletzt als Kevin in die Mitte trat, unser jüngster Trommler, sechs Jahre alt.
Meine Gedanken klingen ausschließlich euphorisch. Das liegt daran, dass ich mich so sehr freue, in Burundi zu sein und alle wieder zu sehen. Ich fühle mich wohl. Was jedoch nicht heißt, dass ich nicht nachdenklich bin. Denn auch die Straßenjungs in den zerfledderten, braunen T-Shirts in der Stadt sind noch immer da und betteln um Geld. Und auch die süßen Babyzwillinge, die derzeit mit einer Pflegemutter im Waisenheim untergebracht sind, haben in den wenigen Monaten ihres Lebens schon eine traurige Geschichte. Nachzulesen ist die im Tagebuch der Freiwilligen der vergangenen Wochen. Wenn ich die Kleinen sehe, wird mir die drastische Situation im Land immer wieder bewusst. Ich werde hoffentlich in nächster Zeit noch aufs Land kommen. Nach Gitega, in die Landesmitte. Spätestens auf dieser Fahrt wird mir wieder voll und ganz bewusst, wo ich mich befinde.
Doch morgen ist erst einmal Weihnachten angesagt – im Straßenkinderheim.