13. Dezember 2007 – Ankunft in Burundi. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, Burundi zu riechen, zu schmecken. Lange habe ich die Tage rückwärts gezählt, bis ich wieder hier sein kann, dann ging plötzlich alles ganz schnell und ich stand wieder am Flughafen von Bujumbura. Der Zwischenstopp in Kigali, Ruanda, wollte jedoch nicht vorüber gehen, er dauerte viel zu lange. In dieser Zeit unterhielt ich mich mit einer älteren Burunderin, die zufällig noch eine entfernte Verwandte von Benoit, Verenas Mann, ist. Die Welt ist klein. Burundi sowieso.

 

Benoit holte mich vom Flughafen ab. Alles ging schnell und problemlos. Im schwarzen Mercedes ging es dann durch die Stadt. Bujumbura. Ich fühlte mich sofort heimisch. Im „Chez André“ begrüßte ich dann die ersten Angestellten der Fondation und des Restaurants. Strahlen beiderseits.

 

Am Nachmittag habe ich mich gleich auf den Weg nach oben ins Heim gemacht – zu Fuß, wie immer. Schon auf der Straße begrüßten mich einige, die mich noch von vergangenem Jahr kannten. Es war unglaublich. „Philippo!“ Ich bin zurück. Der Junge mit dem kleinen Straßenstand, die Nachtwächter, der Sicherheitsdienst vor dem kleinen Supermarkt – und dann kam die Straße, die zum Heim führt. Ich konnte es nicht glauben, hier entlang zu gehen. Wie in einem Schwebezustand. Doch noch weniger habe ich realisieren können, was abging, nachdem ich den Kopf durch das große, rote Tor gesteckt hatte.

 

Ich warf nur vorsichtig einen Blick hinein und sah sofort, dass die ganze Mädchenmannschaft auf der Terrasse gegenüber versammelt war und – mal wieder – heftig diskutierte. Es war die große Claudine, die mich zuerst entdeckte: „Ni Philippo?!??!“ streckte sie den Kopf in die Länge und alle anderen drehten ihre Köpfe blitzschnell in dieselbe Richtung. Geschrei.

 

Ich habe noch nie in meinem Leben 70 Menschen nacheinander so herzlich begrüßen, drücken müssen wie an diesem Tag. Ein Moment, in dem mir die Sprache schlichtweg fehlte. Und den Kids auch. Wie lange die Begrüßung aller dauerte, kann ich nicht mehr sagen. Ich konnte es nicht fassen und stand wie neben mir. Viele neue Gesichter entdeckte ich aber zwischen den Altbekannten. Ich fragte gleich nach ihrem Namen und drückte sie nicht weniger als die anderen. Und auch Mutama, unseren Torwächter des „Centre Uranderera“. Eine der ersten Fragen, die mir gestellt wurden: „Bleibst du wieder ein Jahr?“

 

Am Abend saßen wir dann zusammen – Ruth, Kerstin, Nadine, Verena, Luisa (eine neue Freiwillige) und ich. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, gleich einen Brochette (Fleischspieß vom Rind) mit Pommes zu essen. Selbstverständlich mit dem scharfen Pili Pili. Dazu Primus, das einheimische Bier. Es ist schön, alle zu sehen.

 

Am zweiten Tag begann ich, etwas zu arbeiten. Ich will mich zwar langsam eingewöhnen, doch allzu viel Zeit verstreichen lassen will und kann ich auch nicht. Vier Wochen sind keine lange Zeit. Und da kommendes Wochenende die Ferien in Burundi beginnen, will ich auch dann wieder etwas mehr Zeit für die Kids haben. Demnach muss ich mich vorher ranhalten.

 

Ich bekam auch gleich wieder die andere Seite Burundis zu sehen und zu hören. Ein 16-jähriges Mädchen hat Zwillinge bekommen und stößt sie ab. Ärzte ohne Grenzen fragte an, ob wir sie in unserem Mütterheim aufnehmen könnten. Verena und ich begleiteten sie nach Kamenge. Dort stand dann die nächste, herzliche Begrüßung an.

 

Auch die Jungs im Straßenkinderheim habe ich besucht. Allen geht es gut, strahlen, wie immer. Sie wohnen nun in Kanyosha, im Süden der Stadt, weil im vorherigen Heim die Miete erhöht und zu teuer wurde. Es sieht wohnlich aus. Einiges hat sich verändert in den vergangenen drei Monaten, in denen ich nicht hier war. „C’est la vie“, wie sie alle sagen. Und ja, sie haben Recht. Es geht voran in Burundi. Auch wenn noch sehr viel Arbeit ansteht. Aber genau diese Mischung aus schönsten Gefühlen und traurigsten Erlebnissen und Geschichten macht diese Arbeit, dieses Leben aus. Ich freue mich auf die Zukunft. Weil man etwas bewegen kann. Das beweisen auch die Freiwilligen. Ich freue mich, dass alles so gut läuft.

 

Mehr in den kommenden Tagen.

Eine Antwort zu “Burundi - Ankunft und erste Tage”

  1. Beate Sagt:

    Lieber Philipp,
    Es freut mich zu lesen, dass du wieder da bist, wo du dich wohl fühlst. Eine schöne ereignisreiche Zeit in Burundi wünscht Dir Beate.

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