Weihnachtsbilder
Dezember 30, 2007
Unter „Aktuelles“ auf den Internetseiten von burundikids e.V. ist die Diashow der Weihnachtsfeten in Burundi zu sehen.
Höhen und Tiefen
Dezember 30, 2007
30. Dezember, abends. Um 9 Uhr heute morgen setzte sich unser kleiner Bus voll mit Kindern in Bewegung in Richtung Kirche. Soleil, eine junge Mitarbeiterin des „Chez André“, hat mit den Kids in den vergangenen Tagen ein Lied einstudiert, das sie heute – natürlich ganz stolz – in der Anglikanischen Kirche singen durften. (Fast) alle waren dabei. Der Gottesdienst wurde im neuen, halb fertigen Kirchenbau abgehalten. Mir war es recht. Liebe nehme ich Sandboden und einen halben Rohbau in Kauf, als dass ich auf engsten Raum gequetscht schwitze. Es war nun schön luftig. Beeindruckend übrigens, das neue Kirchenschiff. 500 Millionen FBu hat es gekostet. Da sind wir mit unserer Schule in Kajaga noch weit hinterher. Die Kids jedenfalls genossen den Ausflug. Chic bis zur Nasenspitze waren sie allesamt. Stolz auf die neuen Klamotten, die es zu Weihnachten gab.
Heute erreichte uns aber auch eine erschütternde Nachricht. Ein Mädchen, Chantal, 20 Jahre, die mit ihrem kleinen Sohn Kenny im Mutter-Kind-Heim lebte, ist im Krankenhaus „Prince Regent“ in Bujumbura verstorben. Sie war bereits seit einiger Zeit schwer Krank, verursacht durch AIDS. Im Krankenhaus hatten wir eine erste Therapie mit ihr begonnen, die sie jedoch nicht verkraftete. Bevor die Ärzte nun eine andere versuchen konnten, hinterließ sie ihren Jungen, mit dem wir gestern noch Weihnachten im Heim „Centre Nyubahiriza“ feierten. Er war gut gelaunt, spielte Fußball mit den anderen, strahlte uns allesamt an und freute sich über die neue kleine Hose, die er überreicht bekam. Das Weihnachtspäckchen für Chantal liegt noch auf einem wackligen Holztisch im Mütterheim. Als Überraschung für ihre Rückkehr aus dem Krankenhaus…
Morgen steht wahrscheinlich die Beerdigung an. 150.000 FBu (95 Euro) für ein halb anständiges, einfaches Grab. Plus 11.000 FBu für die Leichenhalle. Ein Preis, der sehr schmerzt. Nicht aber des Geldes wegen.
Burundi – es geht voran
Dezember 30, 2007
Burundi – eines der kleinsten Länder Afrikas. Keiner weiß, wo es liegt. Keiner? Nicht ganz. Langsam aber sicher ändert sich das, was mich als Journalisten besonders freut. Insbesondere in meiner Heimat Eggenstein bis hin in die Stadt Karlsruhe, ja allmählich in viele kleine Inseln in Baden-Württemberg und sogar der gesamten Bundesrepublik scheint sich etwas zu bewegen. Burundi rückt mehr in den Mittelpunkt. Zwar schleppend und langsam, aber sicher und permanent. Nicht zuletzt – in meinen Augen – eine moralische Verpflichtung aufgrund der Partnerschaft zwischen dem „Herzen Afrikas“ mit dem Land Baden-Württemberg.
Der Wille zur Unterstützung ist groß. Das zeigen mir all die schönen Nachrichten und Neuigkeiten, die mich beinahe täglich erreichen. Hier ein wenig, da ein wenig, manchmal sogar mehr. Zusammen genommen eine große Hilfe. Wie schon Hermann Gmeiner, Gründer der SOS-Kinderdörfer einmal sagte: „Gutes tun ist leicht, wenn viele helfen“. Das trifft auch insbesondere für Burundi zu. Und die Projekte von burundikids e.V. und der Fondation Stamm.
Viele Kleidungsspenden von Privatleuten und auch von Sportvereinen haben uns bereits erreicht. Mit im Boot: Der Karlsruher Sportclub und der FC Alemannia Eggenstein. Und aktuell wurde wieder eine große Spende an Trikots und vielen anderen Kleidungsstücken burundikids e.V. zur Verfügung gestellt. In den vergangenen Tagen durfte sogar Ede Becker, Trainer des KSC, einen Straßenkinderfußball aus Burundi in den Händen halten (Bilder). Genäht von einem unserer Jungs aus dem „Centre Birashoboka“ in Kanyosha. Fußball ist hier Nationalsport. Mehr als das. Er kommt gleich nach dem Gebet für Imana – Gott. Was die gespendeten Kleidungsstücke demnach für die Kinder und Jugendlichen hier bedeuten, kann man sich vorstellen. Für viele Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten in unseren Projekten auf dem Land darüber hinaus die lebensnotwendige Kleidung zum Leben. Abgelegt auf der einen Seite – zum Leben gebraucht in Burundi. Global denken, lokal handeln. Eine Floskel, die so viel Wahrheit in sich birgt.
Mit einem ganzen Satz Trikots spielt bereits eine Mannschaft von Straßen- und Waisenmädchen in Bujumbura. Eine kleine Liga, die den Mädchen im Leben ein wenig Abwechslung bringt. Und Selbstbewusstsein. Nicht zuletzt: ein Stück mehr Kindheit.
Weihnachten bei der Fondation
Dezember 28, 2007
28. Dezember. So schnell wie Weihnachten anrückte, so schnell ging es wieder vorbei. Mit dem Unterschied, dass die Gesichter zufriedener, glücklicher, strahlender aussehen. Da sich die Freiwilligen im Vorfeld mächtig ins Zeug gelegt hatten, Plätzchen gebacken, Spenden gesammelt und alles vorbereitet, wurden die kleinen Feste im Straßenkinder- und Waisenheim mehr als nur ein weiterer Erfolg. Für alle Beteiligten. Kids, Betreuer, Freiwillige, Mitarbeiter.
Bereits am Montag besuchte die gesamte Truppe die Straßenkinder im „Centre Birashoboka“ in Kanyosha. Im Gepäck: große Kisten mit Hosen, Shirts, Mützen und neuen Sandalen für jedes Kind und Jugendlichen. Mit zwei Taxis mussten wir anreisen – und wurden natürlich sofort umringt, als wir uns dem grauen Stahltor näherten. Nicht nur unsere Kids, die gesamte Nachbarschaft machte große Augen.
Drinnen, im neuen Heim, ging dann die Post ab. Die Straßenkinder mussten bereits vor einiger Zeit hierher umziehen, da im alten Heim die Miete erhöht und für die Fondation nicht mehr finanzierbar wurde. Auf dem neuen Gelände ist nun alles bestens – bis auf die langen Schulwege derer, die noch keinen Platz in einer anderen Schule finden konnten. Viele beklagen sich, sie müssten bis ans andere Ende der Stadt zu Fuß gehen und könnten somit tagsüber nichts essen. Ein Umstand, den wir noch ändern müssen. Soweit möglich. Es kam sehr schnell die Frage nach Fahrrädern auf. Doch die Frage ist: wie finanzieren? Es ist nicht möglich, 140 Kindern ein Fahrrad zu kaufen. Eines kostet 80.000 bis 90.000 FBu. Und nur einzelnen ein Fahrrad zu kaufen, wäre nicht richtig.
Am Weihnachtsfest jedoch waren alle Sorgen vergessen. Einzeln konnten die Jungs in den Unterstand, um sich aus den Kisten neue Kleidung und Schuhe auszusuchen. Fast wie auf einem Trödelmarkt. Begleitet natürlich von lautstarken Diskussionen. Zum Abschluss bekam jeder noch etwas Süßes – kleine Ritter Sport oder Bonbons. Beim Essen konnten wir leider nicht mehr dabei sein, da wir selbst abends bei Verena und Benoit eingeladen waren. Es wurde uns aber berichtet, dass die Straßenjungs allesamt glücklich und zufrieden gewesen seien. Mit dicken Bäuchen hätten sie sich abends nicht mehr bewegen können. Krönung natürlich: Fleisch!
Dienstags, 25. Dezember, stand dann das Weihnachtsfest im „Centre Uranderera“, dem Waisenheim an. 70 Kids warteten ungeduldig auf diesen Tag – nun war er da. Bereits vormittags wurde mit den Vorbereitungen begonnen, alles wuselte aufgeregt durch die Gegend. Schließlich versammelte sich die gesamte Mannschaft auf der Terrasse, brav auf den Stühlen und neugierig dreinblickend, wann es endlich losgeht. Kerstin, Ruth und Nadine hatten sich die Idee ausgedacht, dass sich die Kinder gegenseitig beschenken sollten. Alle waren in den Tagen zuvor einmal ins Chez André gekommen, um für einen Auserwählten neue Kleidung zusammen zu stellen und ein Päckchen zu packen. Zusammen mit einer selbst gestalteten Weihnachtskarte, musste jeder dann seinem „Geschenkpartner“ sein Weihnachtspräsent überreichen. Ein Prozedere, das natürlich von schallendem Gelächter begleitet wurde, insbesondere, wenn ein Mädchen einem Jungen ein Päckchen überreichte. Die Stimmung war ausgelassen und gut. Die Bäuche voll, die Gemüter zufrieden.
Zum Abschluss tanzten die Mädchen, zuerst die großen, dann die kleinen. Traditionell burundisch in den zugehörigen Gewändern. Ein Anblick und ein Gesang, dem ich tage- bzw. nächtelang zusehen und zuhören könnte. Ich fühlte mich wohl. Im Kreis der großen, kleinen Familie.
Die Gesichter an diesem Tag und schon bei den Straßenjungs sind die größte, nur denkbare Motivation für uns alle. Diese Kinder glücklich zu machen, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ein Gefühl, das ich allen Helfern, Unterstützern und Spendern in Deutschland wünsche, es einmal miterleben zu können. Denn mit Worten, auch mit Bildern, lässt sich das, was in so einem Moment in einem vorgeht, nicht vermitteln. Man muss es gesehen, erlebt haben.
Morgen, Samstag, steht dann noch der weihnachtliche Besuch bei den Mädchen im Mutter-Kind-Heim in Kamenge an. Päckchen werden bereits zusammen gestellt. Ich freue mich.
In den kommenden Tagen werden auch auf www.burundikids.org Bilder der einzelnen Weihnachtsfeiern zu sehen sein. Also: einfach mal wieder ab und an reinklicken. Wir beeilen uns mit dem Onlinestellen.
Betrübt werden wir in diesen Tagen jedoch auch wieder. Ein Mal mehr die Mischung, die Burundi ausmacht. Im neuen Projekt für Straßenmädchen, in dem die ehemalige Waisenheimleiterin Clotilde zusammen mit Nadine arbeitet, gibt es Probleme. Ein Zwölfjähriges Mädchen steht in Konflikt mit seiner Mutter, die Alkoholikerin ist. Bereits früher hat sie das Mädchen betrunken gemacht und vergewaltigen lassen. Die Mutter trinkt weiter. Die neuen Schuhe, die das Mädchen zu Weihnachten bekommen hat, wollte sie ihm abnehmen und verkaufen, als die Zwölfjährige sie besuchen wollte – zum Weihnachtsfest.
Fußball kurz vor Weihnachten
Dezember 24, 2007
23. Dezember. Fußball – in Burundi Nationalsport. Für unsere Kinder natürlich auch. Und sie spielen richtig gut. Heute stand ein Spiel an, auf dem Fußballfeld neben dem „Musée Vivante“, wo ansonsten Krokodile, Schlangen und Affen zur Schau stehen. Ein Team unseres Straßenkinderheims „Birashoboka“ spielte gegen ein reguläres Team aus dem Viertel Sororezo, das westlich liegt und sich in die Berge hinein zieht.
Birashoboka hat zwar leider mit drei zu eins verloren, doch die Jungs haben sich wacker geschlagen. Und natürlich diskutiert wie in Burundi üblich. Ein Schauspiel, wie ich es liebe. Zum Schluss waren alle gut gelaunt, schließlich ist alles nur ein Spiel – wohlgemerkt mit der entsprechend ausgeprägten Leidenschaft.
Nach dem Rückstand von eins zu null haben unsere Jungs umgehend ausgeglichen. Dann durfte ich ein Mal mehr erleben, was burundischer Freudentaumel bedeutet. Gemischt mit dem eines Kongolesen, denn Heimleiter und an diesem Tag Trainer Bienvenu kommt aus dem Nachbarland. Zum Spiel habe ich einige der Kinder aus dem Waisenhaus mitgenommen, die unbedingt das Spiel sehen wollten, als ich davon erzählte. Anfangs waren es vier, zum Schluss konnten wir ein ganzes Bustaxi füllen. Epiphanie ist derzeit krank, ihr schmerzen die Beine. Mit wollte sie dennoch. Auf dem Rückweg durfte sie dann Motorrad fahren – hinten drauf bei Nadine. Der Rest der Truppe marschierte vom einen Ende der Stadt mit Kerstin, Ruth, Luisa und mir bis zum Heim zurück. Zum Abendessen spendierte ich den Kids noch Avocados – dafür, dass ich bereits zum wiederholten Male Maisbrei und Sombé (Maniogemüse) teilen durfte.
Bereits gestern fand wieder das Weihnachtsfest von UNICEF statt, auf dem kleinen Festplatz im „Musée Vivante“. Verena war aufgrund eines anderen Termins verhindert, deshalb schickte sie mich hin – was sich gut traf, denn ich wollte unsere Jungs ohnehin beim Trommeln und Tanzen sehen. Das Fest – organisiert für die Aufmerksamkeit der Kinderrechte und insbesondere die Situation der Straßenkinder in Burundi – hatte ich bereits letztes Jahr schon besucht. Und immer wieder muss ich mir sagen: Unsere Trommler sind einfach gut. Ich denke und sage das nicht nur, weil sie zur Fondation Stamm gehören. Wir hatten gestern den direkten Vergleich. Und sie sind es wirklich. Sowohl im Tanz, wie auch im Trommeln. Kleine Stars, das Publikum (hauptsächlich Kinder und Jugendliche, aber auch UNICEF-Mitarbeiter und andere wichtige Leute) tobte. Nicht zuletzt als Kevin in die Mitte trat, unser jüngster Trommler, sechs Jahre alt.
Meine Gedanken klingen ausschließlich euphorisch. Das liegt daran, dass ich mich so sehr freue, in Burundi zu sein und alle wieder zu sehen. Ich fühle mich wohl. Was jedoch nicht heißt, dass ich nicht nachdenklich bin. Denn auch die Straßenjungs in den zerfledderten, braunen T-Shirts in der Stadt sind noch immer da und betteln um Geld. Und auch die süßen Babyzwillinge, die derzeit mit einer Pflegemutter im Waisenheim untergebracht sind, haben in den wenigen Monaten ihres Lebens schon eine traurige Geschichte. Nachzulesen ist die im Tagebuch der Freiwilligen der vergangenen Wochen. Wenn ich die Kleinen sehe, wird mir die drastische Situation im Land immer wieder bewusst. Ich werde hoffentlich in nächster Zeit noch aufs Land kommen. Nach Gitega, in die Landesmitte. Spätestens auf dieser Fahrt wird mir wieder voll und ganz bewusst, wo ich mich befinde.
Doch morgen ist erst einmal Weihnachten angesagt – im Straßenkinderheim.
Die Jungs in Jabe
Dezember 20, 2007
19. Dezember. Heute Nachmittag war ich im Viertel Jabe, etwa 30 Minuten Fußmarsch vom Kinderheim entfernt. Einige der älteren Jungs, die im Straßenkinderheim wohnten, haben sich zusammen geschlossen und sind in ein eigenes, kleines Häuschen gezogen, wo sie von der Fondation weiter unterstützt werden – eben in Jabe und raus aus dem „Centre Birashoboka“ in Kanyosha am Südende der Stadt Bujumbura.
Ich bin zusammen mit Longin gegangen, der früher im Straßenkinderheim, jetzt im Waisenhaus wohnt. Nach dem Umzug des Kinderheims von Kabondo nach Kanyosha wurde sein Schulweg zu weit, daher packte er seine Sachen und wohnt nun im „Centre Uranderera“. Er weiß, wo das kleine Häuschen in Jabe steht und begleitete mich.
Zu sechst wohnen die Jungs in einem Häuschen, das zwei Zimmer und eine extra Dusche ausmachen. Allesamt strahlen sie glücklich und laut ihrer Aussage sind sie das auch. „Turanezerewe“, einstimmig. Ich freue mich sehr, auch sie wieder zu sehen. Es sind einige aus meinem Englischkurs von damals mit dabei. Ich bin zufrieden zu sehen, dass das Leben für die Jungs weiter geht. Dass es einen erkennbaren Fortschritt gibt. Sie wohnen nun alleine. Ohne Aufpasser. Und daher aber auch eigenverantwortlich und pflichtbewusster. Bislang wohnen sie einen Monat in Jabe. In ihrem kleinen, roten Häuschen. Und bislang scheint alles prima zu laufen. Es ist zwar alles sehr einfach, aber es reicht zum Leben. Sie könnten in Ruhe für die Schule lernen, das sei am Wichtigsten. Und Basketball würden sie auch noch spielen, wie sie mir auf Nachfrage versichern.
Jabe ist ein einfaches, staubiges, aber ebenso lebendiges und nettes Viertel, in dem ich mich fast schon wohl fühle, als ich auf der sandigen Piste hindurch laufe. Viele Kinder und Jugendliche, kaum Erwachsene. Longin und ich halten noch kurz bei Christophe, einem Lehrer der Fondation Stamm, der im angrenzenden Viertel mit seiner kleinen Familie wohnt. Auch er freut sich sichtlich, obwohl – oder gerade deswegen – weil unser Besuch so spontan und zufällig kam. Christophes Sohn war es, der mir irgendwann einmal die Hand schüttelte und danach schaute, ob seine etwa weiß geworden sei. Dieses Mal sitzt er nur da und schaut mich interessiert an, in dem kleinen Hinterhof, wo seine Mama gerade Wäsche versorgt.
Im Kinderheim war ich heute nicht. Zuerst hatte ich zu viel Arbeit, dann habe ich die Jungs in Jabe besucht. Ich habe aber einige der Kids den Berg hinunter laufen sehen, wo sie mir entgegen kamen, als sie in Richtung „Chez André“ zu Nadine, Kerstin, Luisa und Ruth unterwegs waren, um bei den Weihnachtsvorbereitungen zu helfen.
Das Schwierige für mich derzeit ist, einen Spagat zu schaffen. Auf der einen Seite möchte ich meine Arbeit machen und auch schaffen, die ich mir vorgenommen habe. Ich habe eine Liste, die arbeite ich ab. Aber auf der anderen Seite möchte ich auch so viel Zeit wie möglich mit den Kindern verbringen können. Gespräche mit ihnen führen, fühlen (können), wie es ihnen geht. Ein nicht ganz leichter Spagat, aber bislang klappt es ganz gut. Ich freue mich nun auf Weihnachten in Burundi. Aber zuvor steht noch ein wenig Arbeit an…
Linktipp…
Dezember 19, 2007
…in eigener Sache:
Burundi – Ankunft und erste Tage
Dezember 16, 2007
13. Dezember 2007 – Ankunft in Burundi. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, Burundi zu riechen, zu schmecken. Lange habe ich die Tage rückwärts gezählt, bis ich wieder hier sein kann, dann ging plötzlich alles ganz schnell und ich stand wieder am Flughafen von Bujumbura. Der Zwischenstopp in Kigali, Ruanda, wollte jedoch nicht vorüber gehen, er dauerte viel zu lange. In dieser Zeit unterhielt ich mich mit einer älteren Burunderin, die zufällig noch eine entfernte Verwandte von Benoit, Verenas Mann, ist. Die Welt ist klein. Burundi sowieso.
Benoit holte mich vom Flughafen ab. Alles ging schnell und problemlos. Im schwarzen Mercedes ging es dann durch die Stadt. Bujumbura. Ich fühlte mich sofort heimisch. Im „Chez André“ begrüßte ich dann die ersten Angestellten der Fondation und des Restaurants. Strahlen beiderseits.
Am Nachmittag habe ich mich gleich auf den Weg nach oben ins Heim gemacht – zu Fuß, wie immer. Schon auf der Straße begrüßten mich einige, die mich noch von vergangenem Jahr kannten. Es war unglaublich. „Philippo!“ Ich bin zurück. Der Junge mit dem kleinen Straßenstand, die Nachtwächter, der Sicherheitsdienst vor dem kleinen Supermarkt – und dann kam die Straße, die zum Heim führt. Ich konnte es nicht glauben, hier entlang zu gehen. Wie in einem Schwebezustand. Doch noch weniger habe ich realisieren können, was abging, nachdem ich den Kopf durch das große, rote Tor gesteckt hatte.
Ich warf nur vorsichtig einen Blick hinein und sah sofort, dass die ganze Mädchenmannschaft auf der Terrasse gegenüber versammelt war und – mal wieder – heftig diskutierte. Es war die große Claudine, die mich zuerst entdeckte: „Ni Philippo?!??!“ streckte sie den Kopf in die Länge und alle anderen drehten ihre Köpfe blitzschnell in dieselbe Richtung. Geschrei.
Ich habe noch nie in meinem Leben 70 Menschen nacheinander so herzlich begrüßen, drücken müssen wie an diesem Tag. Ein Moment, in dem mir die Sprache schlichtweg fehlte. Und den Kids auch. Wie lange die Begrüßung aller dauerte, kann ich nicht mehr sagen. Ich konnte es nicht fassen und stand wie neben mir. Viele neue Gesichter entdeckte ich aber zwischen den Altbekannten. Ich fragte gleich nach ihrem Namen und drückte sie nicht weniger als die anderen. Und auch Mutama, unseren Torwächter des „Centre Uranderera“. Eine der ersten Fragen, die mir gestellt wurden: „Bleibst du wieder ein Jahr?“
Am Abend saßen wir dann zusammen – Ruth, Kerstin, Nadine, Verena, Luisa (eine neue Freiwillige) und ich. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, gleich einen Brochette (Fleischspieß vom Rind) mit Pommes zu essen. Selbstverständlich mit dem scharfen Pili Pili. Dazu Primus, das einheimische Bier. Es ist schön, alle zu sehen.
Am zweiten Tag begann ich, etwas zu arbeiten. Ich will mich zwar langsam eingewöhnen, doch allzu viel Zeit verstreichen lassen will und kann ich auch nicht. Vier Wochen sind keine lange Zeit. Und da kommendes Wochenende die Ferien in Burundi beginnen, will ich auch dann wieder etwas mehr Zeit für die Kids haben. Demnach muss ich mich vorher ranhalten.
Ich bekam auch gleich wieder die andere Seite Burundis zu sehen und zu hören. Ein 16-jähriges Mädchen hat Zwillinge bekommen und stößt sie ab. Ärzte ohne Grenzen fragte an, ob wir sie in unserem Mütterheim aufnehmen könnten. Verena und ich begleiteten sie nach Kamenge. Dort stand dann die nächste, herzliche Begrüßung an.
Auch die Jungs im Straßenkinderheim habe ich besucht. Allen geht es gut, strahlen, wie immer. Sie wohnen nun in Kanyosha, im Süden der Stadt, weil im vorherigen Heim die Miete erhöht und zu teuer wurde. Es sieht wohnlich aus. Einiges hat sich verändert in den vergangenen drei Monaten, in denen ich nicht hier war. „C’est la vie“, wie sie alle sagen. Und ja, sie haben Recht. Es geht voran in Burundi. Auch wenn noch sehr viel Arbeit ansteht. Aber genau diese Mischung aus schönsten Gefühlen und traurigsten Erlebnissen und Geschichten macht diese Arbeit, dieses Leben aus. Ich freue mich auf die Zukunft. Weil man etwas bewegen kann. Das beweisen auch die Freiwilligen. Ich freue mich, dass alles so gut läuft.
Mehr in den kommenden Tagen.
Interview im Radio
Dezember 15, 2007
Hörtipp fürs Wochenende:
Sonntag, 16. Dezember, von 8 bis 12 Uhr, „Frühstück bei Liz“ auf Meine Neue Welle. Entweder Radio einschalten oder online mithören!
Zurück
Dezember 12, 2007
In weniger als 24 Stunden werde ich wieder zurück in Bujumbura sein. Vier Wochen Arbeitseinsatz stehen an, einiges ist zu besprechen und vorzubereiten. Ich werde dann auch wieder mehr in der Lage sein, aktuelle Geschehnisse und Neuigkeiten von vor Ort ins Tagebuch einzustellen.
Ich freue mich auf die kleine, große Familie…