Dienstag, 14. August 2007. 9.08 Uhr. Gestern Abend, das hatte ich versprochen, zeigte ich den Kindern den Animationsfilm „Ice Age“. Die Vorfreude war größer als alles andere, ich weiß nicht, wie oft ich gefragt wurde, ob wir abends wirklich den Film schauen würden. Immer wieder gab ich dieselbe Antwort: Ja, aber nach dem Abendessen. Doriane, neun Jahre, war dann mit dem Essen besonders schnell fertig und kam wieder zu mir gerannt. Ich musste lachen als sie mit großen Augen wieder unter der Tür stand. Sie schmunzelte, weil sie sehr wohl verstand. Also setzte sie sich neben mich und spielte mit ihrem Tennisball, den sie über alles liebt und eigentlich nie aus der Hand gibt. Außer mir.

 

Doriane, ein sehr aktives kleines Mädchen, kommt in der letzten Zeit wieder öfter zu mir, sucht Nähe und will kuscheln. Ganz am Anfang unseres Burundijahrs war sie ähnlich. Dann zog sie sich abrupt zurück als der kleine Jimmy starb. Doriane ließ sich kaum noch bei uns blicken. Sie hatte damals in der Folgezeit auch zwei, drei Mal einen Aussetzer als sie nur noch wild um sich schlug. Mittlerweile ist sie wieder ganz ruhig, kommt oft zu mir. In den vergangenen Abenden immer. Ein Mal setzte sie sich neben mir, lehnte sich an und schlummerte langsam ein. Der Kopf sank immer weiter runter, bis ich sie weckte und ins Bett schickte. Gestern jedoch war sie hellwach. Sie wollte endlich den Film sehen.

 

Es geht einem das Herz auf, wenn man die Kids lachen sicht. Ich teile mir meinen Stuhl mit Claudine, die vorher die ganze Zeit stehen musste. Vianney hatte mich an der Hand in den Aufenthaltsraum der Jungs gezogen, dass ich mich schneller bewege. Jetzt saß er mit großen Augen und kichernd vor dem Bildschirm, während die animierten Tiere an ihm vorbei rennen und Faxen treiben.

 

Ich werde in der kommenden Zeit meine Arbeit im Büro ziemlich stark herunter fahren und mehr Zeit im Heim verbringen. Tagebuch werde ich weiter schreiben – offline. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich mir in den Kopf gesetzt, das alles (mit Ergänzungen und Bildern) in ein Buch umzusetzen. Es zumindest zu versuchen. Denn erst einmal muss ich einen Verlag finden. Geschweige denn Menschen, die sich dann auch für dieses Buch interessieren. Aber ich bin optimistisch. Wie immer, seit ich in Burundi bin.