Mittwoch, 20. Juni 2007. 10.49 Uhr. Als ich zur Kreuzung hinunter komme, stehen wieder Hunderte von Polizisten in Reih und Glied mit ihren Kalaschnikows auf der Straße – soweit das Auge nur reicht. Ich erschrecke nicht besonders, das selbe Schauspiel hatte ich am Montag bereits gesehen. Sie üben anscheinend die Parade für den 1. Juli, den Unabhängigkeitstag Burundis, der mit einem großen Aufmarsch begangen wird: Polizei, Militär, Schüler, Firmen, einfach alle. Soll ein ziemliches Spektakel sein. Ich bin zu diesem Zeitpunkt leider nicht da – sondern weile noch in Tansania, wohin ich voraussichtlich am Freitag zusammen mit Lena aufbrechen werde.

 

Ein Meer blau Uniformierter. Die Stimmung scheint heiter, viele lachen, andere gucken nur cool mit Grashalm im Mundwinkel. Was all diese heutigen „Ordnungshüter“ noch vor zwei, drei Jahren gemacht haben, weiß man auch nicht so genau. Da gibt es mehrere Möglichkeiten, die man sich denken kann. Besser, man weiß nicht jede Einzelheit. Fest steht nur, dass hier gerade keine Autos durch dürfen. Nicht einmal die weißen Jeeps der UN und auch nicht die riesigen Panzerwagen der Afrikanischen Union, die ich weiter unten die Straße überqueren sehe. Auf den weißen Riesen ist noch das abgebleichte „UN“ zu lesen. Vorne blitzt der neue Aufdruck: „Union Africaine“. Der Bulle mit dem grünen Barett grinst  und winkt mir.

 

Gestern Morgen als ich den Weg zur Arbeit lief, sprach mich ein Jugendlicher an. Einfach so, Geld wollte er keins. Kongolese sei er. Seiner Kluft nach scheint er Maler zu sein, vielleicht ein Azubi. In der Hand trägt er einen kleinen, gelben Kanister. Er erzählt mir von seiner Leidenschaft: Rap. Eine Kostprobe gibt er mir auch gleich. Nicht schlecht. Zum großartig Fragen stellen komme ich nicht, er redet schnell und viel. Aber keineswegs unsympathisch oder aufdringlich. Einfach nur gesellig. Dann biege ich ab und er geht weiter seines Wegs, nicht aber ohne mir noch „Schönen Tag und gute Arbeit“ zu wünschen. Ein netter Arbeitsweg.

 

Am Freitag werden Lena und ich in Richtung Tansania starten. Ein Reisebericht wird folgen, nehme ich einmal schwer an. In dieser Zeit werden im Tagebuch keine Texte erscheinen – man möge es mir verzeihen. Mitte Juli geht es dann wieder weiter. Ich freue mich auf die Tour – vor allem, weil wir nicht in die Tourismusmühle fahren werden, sondern das „echte“ Tansania kennen lernen werden. So erhoffe ich mir das zumindest. Keine Handtücher um 5 Uhr morgens, wie die Ölsardinen am Poolrand, die die Liegen noch vor dem Frühstück im all inclusive-Hotelrestaurant reservieren, dass sich auch ja kein anderer auf den gewohnten Stammplatz wagt. Keine Dinner in Bermudashorts, kein Gemecker, dass es kein Wiener Schnitzel gibt. Einfach nur einheimisch, Suaheli, Staub, Busse (die Dalla Dallas) und auch ein bisschen Wildnis. Ich bin gespannt.

 

Am morgigen Donnerstag soll in den deutschen Kinos ein Film starten: „Fährte des Grauens“. Ein Film, der – man höre und staune – in Burundi spielt. Doch leider, das flüsterte mir ein renommierter Schreiber und Kritiker, sei der Film für die Mülltonne. Absolute Dritt-, wenn nicht gar Viertklassigkeit. Ein „Polit-Horror“ soll es sein. Der Völkermord wird thematisiert, aber anscheinend so schlecht, dass die Botschaft auf der Strecke bleibt. Wenn denn überhaupt eine transportiert werden sollte. Hauptsächlich geht es aber um das „Monster des Tanganyikasees“, das sagenumwobene Krokodil Gustave, auf den nun auch Hollywood aufmerksam geworden ist. Alles animiert – würde mich nicht wundern, wenn keine einzige Sekunde dieses Films in Burundi gedreht worden ist. Daher kann dem Film auch nicht der notwendige politische Hintergrund zur Verfügung stehen, um das Thema des ethnischen Konflikts richtig aufzugreifen. Ich werde mir den Film besorgen, wenn ich wieder in Deutschland bin. Das muss ich sehen, sei er noch so schlecht, wie überall gesagt.

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