Chefin im Ausland
Juni 4, 2007
Montag, 4. Juni 2007. 11.36 Uhr. Das Fernsehteam ist am gestrigen Sonntag nach Deutschland abgereist. Zusammen mit Verena, die nun einen Monat lang in Deutschland touren wird, um Termine wahr zu nehmen, Menschen zu treffen – und, wie ich für sie hoffe, auch ein wenig auszuspannen. Auf der Gala „Sommernachtsfrauen“ (www.sommernachtsfrauen.de), die kommenden Freitag in Köln zugunsten der burundikids steigen wird, ist sie ebenfalls anwesend. Ich denke, für das Publikum besonders interessant, die Frau vor sich zu haben, die vor Ort in Burundi alles leistet, lenkt und leitet.
Am Tag darauf, Samstag, 9. Juni, wird um 11.50 Uhr im ersten Programm (ARD) die Sendung „neuneinhalb“ ausgestrahlt – aus Burundi. Eine weitere Geschichte wird am Samstag, 23. Juni, gleiche Uhrzeit, zu sehen sein. Ich kann es von Burundi aus leider nicht mitverfolgen, bin aber gespannt auf die Reaktionen. Verena wird die Sendungen auf DVD für uns mitbringen, worauf ich mich sehr freue. Anscheinend funktioniert es auch im Internet: http://www.wdr.de/tv/neuneinhalb/.
Ich bin sehr gespannt, was die beiden Journalistinnen, Ute und Malin – im Übrigens zwei super Frauen, mit denen Lena und ich uns die gesamte Woche über super verstanden haben, auch außerhalb des „Geschäftlichen“ –, aus dem Drehmaterial letztendlich zaubern. Da es sich um Nachrichten für Kinder und Jugendliche handelt, werden sie mit Sicherheit nicht alle Bilder zeigen können. Eine nicht leichte Aufgabe. Denn teilweise sahen wir Bilder, die reif sind für die Abendnachrichten, um es einmal krass auszudrücken. Auch bei manchen Fragen, die mir vor der Kamera gestellt wurden, fehlten mir nicht nur ein Mal die Worte. Ich kannte die Bilder von den Tausend Kindern vor der Schule, die mit Nahrung versorgt werden, von der Ernährungsstation mit den mageren Müttern und Babys, von denen wir beim nächsten Besuch mit Sicherheit nicht alle wieder sehen werden. Doch jedes Mal aufs Neue ist es eine Aufgabe, diese Dinge zu verarbeiten. Malin und Ute ging es ebenfalls so.
Ich bin mir jedoch sicher, dass aus dem sehr interessanten und inforeichen Material schöne Beiträge entstehen werden. Ich freue mich sehr auf das Ergebnis. Auch ich bin wieder eine Erfahrung reicher, nämlich um die, wie es ist, als Akteur vor der Kamera zu stehen – anstatt wie sonst immer dahinter. Dennoch: Dahinter ist mir immer noch lieber, auch wenn es großen Spaß gemacht hat, diese Woche, mit dem Fernsehteam.
Im Heim ist auch wieder was los. Vianney versuchte wieder abzuhauen, klammerte sich am Tor fest und wimmerte. Mehrmals am Tag. Epiphanie, meine liebe Epiphanie, hat schlechte Nachrichten von ihrer Familie bekommen. Die Großmutter sei krank und auch ihre kleinere Schwester müsse ins Krankenhaus. Epi ist gestern in Begleitung in den Süden gefahren, provinz Makamba, um das Mädchen zu holen und hier in Bujumbura ins Krankenhaus zu bringen. Es setzt ihr sehr zu. Als hätte Epiphanie nicht schon eine Geschichte, die schlimm genug ist. Jetzt auch noch das. Ich rede viel mit ihr. Bin einfach nur bei ihr. Doch abends, wenn die Welt schon dunkel ist und schläft, steht sie auf der Terrasse der Mädchen, den Kopf in die Hände gestützt. Allein. Ich lasse sie. Ich fühle mich hilflos.