Kongo

April 5, 2007

Änderungen in der Planung. Ich werde schon morgen, Freitag, in den Kongo fahren - zusammen mit Marco. Am Samstag werde ich dann zurück sein - pünktlich zur Ankunft von Vorstand Martina, Fotografin Ursula und dem Rest der Besuchertruppe. Einträge folgen…

Mittwoch, 4. April 2007. 19.40 Uhr. Verena staunte gerade, als sie mich ins Restaurant kommen sah und ich sagte: „Ich muss noch ein bisschen was tun.“ „Was tun? Dachte, du kommst auf ein Bier vorbei…“ – danach und gleich, gerne. Jetzt musste ich jedoch erst noch ein wenig etwas abarbeiten, was heute Mittag liegen blieb. Ich hatte den Mädels aus dem Heim versprochen, auch mal mit ihnen Basketball spielen zu gehen. Nur mit den Mädchen. Das tat ich heute Nachmittag, gegen 15 Uhr. Dabei waren Espérance (17 Jahre), Languide (16 Jahre), Dorine (14), Amida (13), Florette und Evelyne (jeweils zwölf), Salma und Pamela (14). Großes Gelächter – bei den Mädels, mir und den umstehenden Zuschauern, natürlich hauptsächlich Jungs und Männer. Dass jedoch Mädchen Basketball spielen, ist nichts besonders Ungewöhnliches. Auf dem Platz im Viertel Mutanga Süd, wohin auch ich immer gehe, spiele des Öfteren Mädels.

Ich ließ Espérance, die Älteste, die Mannschaften machen. Ich bekam Florette, Evelyne und Pamela zugeteilt, waren also zu viert. Gegen den Rest – fünf. Fair war es immer noch nicht, aber das spielte ja auch keine Rolle. Ich hielt mich aktiv zurück, ließ die Mädels machen. Nur ab und zu machte ich eben den Spaß mit, die Körbe für meine Mannschaft trafen aber hauptsächlich Pamela und Florette. Natürlich stolz über beide Ohren. Salma kicherte die meiste Zeit. Alle scheinen sie gut drauf gewesen zu sein. Ist ja auch klar, es war ein kleiner Ausflug aus dem Heim.

Im Heim angekommen, war ich richtig platt. Die Kids auch. Allesamt. Und schon kamen andere auf mich zu und sagte, dass sie das nächste Mal auch mitspielen wollten. Flora, Epiphanie, Ephemie und Diane. Also gut, sagte ich. In den kommenden Tagen. Sehr gerne. Ich bin für jeden Spaß zu haben. Das Bild war am späten Nachmittag wieder eines fürs Bilderbuch. Unsere beiden Mütter, Flora und Diane, saßen mit ihren Kleinen auf unserer Terrasse. Im Hintergrund färbte die untergehende Sonne den gesamten Himmel orange. Ein tolles Bild, optimales Licht zum Fotografieren. Die dunkle Haut wirkt in diesem Licht beinahe golden. Richtig edel. Auf jeden Fall schön. Ich bin sowieso der Meinung, dass es hier unzählig viele schöne Menschen gibt. Unsere Kids sowieso.

Maries Eltern sind derzeit gut angekommen. Heute brachte Marie sie schon zum Markt. Aufgrund ihres Berufs kann sich Brigitte, Maries Mutter, um die kleinen Verletzten kümmern. Vor allem Ornella, die eine Wunde am rechten großen Zeh hat, die schon seit – ja, Monaten behandelt und einfach nicht besser wird. Und dann noch die kleine Claudine mit ihren schlimmen Wunden an den Beinen. Die Wunden sind übel, eitern und treten immer wieder auf. Es wurde schon alles mit ihr versucht. Die Psyche spielt bei ihr mit. Maries Mutter meint aber, das kann nicht alles sein. Abwarten, was ihre Art der Behandlung bringt.

Donnerstag, 5. April 2007. 8.56 Uhr. Gestern Abend war ich bei Verena. Ich war abends noch mal ins Büro gegangen, weil vom Mittag einiges liegen geblieben war. Danach trank ich mit Verena und Benoit ein Bier. Wir unterhielten uns lange – Verena und ich über ihren Tag in Gitega und das Treffen mit dem dortigen Gouverneur, Benoit und ich wegen einer Geschichte, die ich für kommende Woche vorbereiten muss. Es war ein netter Abend – wenn auch hauptsächlich „Geschäftliches“ Thema der Gespräche war. Ich habe es genossen.

Als ich ins Heim zurück kam, so gegen 21.30 Uhr, schauten die Kids fern. Chelsea spielte gegen Valencia in der Fußball Champions-League. Wie es der Geräuschpegel beim Ausgleich der Engländer zum eins zu eins verriet, standen unsere Jungs und Mädels hinter Chelsea. Am Abend zuvor hatte Bayern gegen den AC aus Mailand gespielt. Hier waren die Meinungen gespalten. Die Hälfte freute sich über die Tore der Italiener, die andere Hälfte jubelte beide Male beim Ausgleich (Endergebnis: zwei zu zwei) für die Bayern. Auf jeden Fall ist Fußball schauen in dieser kleinen Gesellschaft mehr als lustig. Die Mädels fiebern beinahe mehr mit als die Jungs. Gestern saß ich hinter Dorine (14), die unruhig auf dem Stuhl hin und her rutschte und sich am liebsten die Haare gerauft hätte – wenn sie nicht zu kurz dafür wären.

Simba, unser Hund, spielte derweil mit den beiden jungen Ziegen. Wie ein Ziegenbock stemmt er sich mit dem Kopf gegen sie. Dann jagt er sie über das gesamte Gelände. Languide (16) trägt Kleinkind Colise (1 ½) auf den Rücken gebunden durch die Gegend. Die Kleine weint. Dann streichle ich sie ein wenig und wenige Minuten ist sie entschwunden ins Reich der Träume. Noch ein Mal öffnet sie kurz die Augen – vielleicht um abzuklären, ob ich noch da bin –, dann schläft sie aber tief und fest ein. Der Fußball ist aus, alle gehen allmählich schlafen. Ich rauche eine letzte Zigarette und schaue mir den burundischen Sternenhimmel an. Immer wieder unglaublich.