Gedanken…

März 22, 2007

Donnerstag, 22. März 2007. 18 Uhr. Ich sitze auf dem Balkon Verenas, rauche eine Feierabendzigarette, bevor ich mich auf den Weg ins Heim mache. Durch das kleine, scheibenlose Fenster am anderen Ende des Balkons scheint die untergehende Sonne. Die Farbe ist unglaublich. Vieles geht mir durch den Kopf. Was alles, das kann ich an dieser Stelle noch nicht schreiben. Ich werde das Rätsel aber bald lösen, die Spannung aufheben. Ist jedenfalls nichts Schlimmes. Ich nenne es mal Bewahrung der inneren, privaten Sicherheit.

 

Mittlerweile bin ich aufgrund meiner Konsequenz beim Schreiben auf Seite 174 meines Word-Dokuments. Von vielen Seiten erreicht mich die Ermutigung: „Schreib doch ein Buch!“ Ich muss sagen, der Gedanke an sich gefällt mir, das Schreiben macht mir Spaß und liegt mir. Dennoch: Ein Buch würde so vieles mit sich bringen. Viel Arbeit, viel Zeit, viel Aufwand. Und dann ist immer noch nicht gesagt, dass es veröffentlicht wird. Und danach immer noch nicht, ob es auch jemand liest. Beziehungsweise, ob es jemanden interessiert. Außer diejenigen, die involviert sind, versteht sich. Sicherlich ein Gedanke, den ich behalten sollte, aber natürlich auch ganz genau durchdenken.

 

Ich mache mir derzeit viele Gedanken über die Zukunft der Fondation Stamm, Burundis, der Kids. Das Land wird mit Sicherheit in den kommenden Jahren aus dem schlimmsten Sumpf heraus kommen. Fortschritt wird sich nach und nach einstellen, die Standards gehoben. Wie als Hilfsorganisation mithalten? Es ist wichtig, dass wir mit der Zeit gehen. Ständig beobachten, wie sich das Umfeld entwickelt, welche Ansprüche bestehen, die befriedigt werden wollen. Langfristigkeit. Mit „bloßen“ Heimen und direkter Nothilfe, wie ich es mal nenne, wird es nicht für immer getan sein. Man muss weiter denken. Verenas großer Traum ist es, einmal ein Krankenhaus zu bauen. Mit dem Zentrum, das burundikids e. V. und die Fondation Stamm zusammen mit vielen anderen Unterstützern gerade bauen, ist schon mal ein großer Schritt in diese Richtung getan. Internat, Schule, Labor, medizinische Station, Ausbildung, Sportstätte, Kulturzentrum. Ein Gebilde, das sich weiterentwickeln kann, sich den Maßstäben der Gesellschaft in Burundi anpassen. Auf Dauer gilt es auch, darauf zu achten, dass man Einrichtungen schafft, die sich nach und nach mehr und mehr selbst tragen können. Die auch erwirtschaften, nicht immer nur von äußerer Hilfe abhängig sind. Dahin sollte alle Arbeit abzielen.

 

Das ist noch ein langer Weg. Aber, so denke ich, der richtige. Im Moment gilt es natürlich noch, die Folgen des Kriegs zu bewältigen. Kindern eine Chance zu geben, wie es so schön heißt. Aber dann, irgendwann, sollte der Sprung aus dieser „Ersten Hilfe“ gemacht und geschafft werden. Das sollte immer im Gedächtnis bleiben. Verenas Traum von einem Krankenhaus beispielsweise. Im Moment noch Hilfe für die Armen. Danach ohne Weiteres eine Einrichtung, die wirtschaftlich mithalten kann. Immer den Umständen angepasst.

 

Anderes Projekt, gleicher Gedanke. Was, wenn man eine Provinz Burundis als „Prototyp“ schaffen würde. Kooperationen mit Universitäten, Schulen, Vereinen, Clubs aller Art, vielleicht auch deutschen Bundesländern eingehen. Arbeitsgruppen, Projektgruppen bilden für Landwirtschaft, Wasserbau, Schulwesen, Ausbildungen, Nutzung von Bodenschätzen. Kooperationen mit Einrichtungen und Institutionen aller Art. Ist die Provinz dann so heraus- und ausgebildet, wie man es sich vorgenommen hat, finden sich Nachahmer in weiteren Provinzen. Ich finde, deutsche Universitäten hätten hierfür großes Potenzial. Forschung, Entwicklung, Lehre. Steht das nicht auf all deren Fahnen? Wieso nicht in Zusammenarbeit mit einem afrikanischen, in diesem Fall burundischen Partner(projekt)?

 

Viel strömt durch meinen Kopf. Große Dinge, die mit kleinen Schritten erreicht werden können. Aber man muss anfangen. Die Frage ist nur oft: wie? Und wie überhaupt andere dazu bewegen? Interesse wecken. „Was springt für mich dabei heraus?“ Genau darauf gilt es eine passende Antwort zu finden. Eine sinnvolle, von allen Seiten akzeptable Antwort. Muss denn immer alles über die Politik gehen? Ich meine nicht. Aber wer bin ich schon, ein kleiner Freiwilliger in Burundi. Ja, genau das. Und was ist die Fondation Stamm im entfernten Burundi, was burundikids? Aber soll man nicht klein anfangen? Mit kleinen Schritten voran kommen. Mit kleinen, bedachten Schritten vorwärts, anstatt schnell und unüberlegt hin und her zu springen, um sich danach die Frage zu stellen: Machte das jetzt Sinn? Haben wir erreicht, was wir wollten? Wie lange hält es? Man sollte immer zufrieden und nickend zurück schauen können. Aber da muss ich gleich bei mir selbst anfangen, bei meinem Jahr, einer auf den ersten Blick langen, aber doch so kurzen Zeit hier in Burundi.

Eine Antwort hinterlassen