Dienstag, 27. Februar 2007. 11.10 Uhr burundische Zeit. Ich sitze auf dem Balkon bei Verena und arbeite am Notebook. Mit gegenüber: Werner. Ebenfalls am Notebook. Die Situation erinnert mich gerade an unsere gemeinsamen Tage im Redaktionsbüro, wo wir uns auch gegenüber saßen. Auch die Arbeit erinnert mich stark daran. Zwei Stunden am Platz und nichts Wesentliches geschafft, außer Mails beantwortet. Nicht, dass diese Arbeit nicht wichtig wäre – doch sie nimmt Zeit in Anspruch und auf der Agenda steht so einiges.

 

Gestern Mittag waren wir in unserem Heim für junge Mütter. Auch dort gab es einige Kandidatinnen für eine Brille. „Spezielle Fälle“, wie meine Mutter bemerkte. Alle haben sie seltene Stärken. Hinzu kommt, dass Sehtests hier etwas schwierig sind. Die BurunderInnen sind manchmal etwas überfordert damit – verständlich. Dennoch konnten wir gestern schon einige Brillen mehr verteilen. Bei den „speziellen Fällen“ haben wir nur Maß genommen, die passenden Brillen sucht meine Mutter gerade heraus. In den kommenden Tagen werden wir dann nochmals ins Heim fahren, um die Brillen zu testen – mit welchen die Mädchen am besten zurecht kommen.

 

Reißenden Absatz fanden ein Mal mehr die Sonnebrillen. Jede junge Frau konnte eine bekommen – und auf ihren hübschen Gesichtern sieht beinahe jedes Modell modisch aus. Auch einige Kindersonnenbrillen hatten wir dabei – die für ordentlich Gelächter sorgten. Als es dunkel wurde, mussten wir den Testplatz ins Freie verlegen, denn Strom gibt es im Viertel Kamenge keinen. Als es dann jedoch zu dunkel wurde, mussten wir einpacken. Die „Optik-Woche“ im Mütterheim war ebenfalls ein voller Erfolg. Leiterinnen und Mädchen sind versorgt. Die restlichen Brillen werden – wie bereits erwähnt – in den kommenden Tagen an die Frau gebracht.

 

Für Aufregung sorgte auch wieder Werner mit seinen langen Haaren. Zwei Mal hätte ich gutes Geld machen können. Aber ich kann ja nicht meinen Freund an Burunderinnen verkaufen. *schmunzel* Immer wieder wird uns mulmig zumute, wenn wir Babys und Kinder angeboten, „geschenkt“ bekommen. Sie wollen sie uns geben, dass sie in Deutschland ein besseres Leben haben. Ihnen klar zu machen, dass das jedoch nicht möglich ist, ist nicht immer einfach. Ich muss aber sagen, dass ich immer sehr gerne in das Mütterheim komme. Die Atmosphäre ist ruhiger und entspannter als anderswo.

 

Mittags kam noch Sibylle vorbei, eine Frau, die bei der EU hier in Burundi arbeitet. Sie lud uns ein, am Mittwoch aufs Land zu fahren. In den Norden, nach Kayanza. Wir werden dort die Schreinerei besuchen, die früher ein von Baden-Württemberg unterstütztes Projekt war. An der Wiederbelebung der Partnerschaft mit dem Bundesland arbeite ich derzeit. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen, doch ich sehe einige Möglichkeiten. Mal sehen, was dabei herauskommt. Von der Fahrt nach Kayanza werden wir am selben Abend wieder zurück kehren. Am Donnerstag fahren wir dann zusammen mit Verena zu unseren Projekten aufs Land. Voraussichtlich Muyinga, ganz im Nordosten Burundis. Eventuell auch mit Übernachtung, sodass wir Freitag wieder in Bujumbura sein werden.

 

Am 1. März werden in Burundi die Telefone und Internetverbindungen umgestellt. Ich schätze, dass es dadurch zu einigen Verzögerungen, ja sogar Ausfällen kommen wird. Ich weiß demnach nicht, wann ich wieder Gelegenheit haben werde, ins Tagebuch zu schreiben. Sicherlich jedoch sobald die Technik wieder bereit ist und funktioniert.

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