Besuch in Burundi

Februar 25, 2007

Samstag, 24. Februar 2007. 10 Uhr. Heute Morgen habe ich mit Gaston (vier Jahre) gefrühstückt. Ich bin um kurz nach 7 Uhr aufgestanden, machte Kaffee und richtete mir ein Brot. Kurz nachdem ich in der Küche Platz  genommen hatte, kommt der kleine Gaston angewackelt und drückt mich zur morgendlichen Begrüßung. Ich setze ihn auf den Stuhl neben mich und teile mit ihm ein Stück der Salami, die mir meine Mutter aus Deutschland (auf Bestellung) mitgebracht hatte. Es schmeckte ihm sichtlich, sein Schmatzen war kaum zu überhören. Danach gab es noch ein kleines Marmeladenbrot und ein Glas Wasser. Hände waschen war am Ende bitter notwendig, aber gemeinsam haben wir das hinbekommen.

 

Gestern waren wir zur Eingewöhnung und Erholung von der langen Reise mit meiner Mutter und Julias Eltern am Strand. Zuvor besuchten wir noch unsere Schule im Stadtteil Kajaga, wo Julia, Marie und Lena Musik- und Deutschunterricht geben. Danach sind wir per Anhalter – wie das in Burundi so üblich ist – ein Stück zurück in Richtung Stadtmitte gefahren und ließen uns am „Saga Plage“, einem Strandhotel, absetzen, wo wir es uns im Schatten eines kleinen Baums gemütlich machten. Es ist in diesen Tagen sehr heiß in Burundi. So auch gestern. Im Anschluss sind Marie und Julia mit unseren Müttern in die Innenstadt zum Geld tauschen. Nach Erzählung meiner Mutter waren sie und Julias Mutter etwas überfordert. Die Wechselstelle liegt direkt gegenüber des Markts, dem Hexenkessel der Stadt mit unzähligen Menschen. Also das erste aufregende Erlebnis – einmal von der Strapaze mit Werners Pass am Flughafen abgesehen.

 

Am Ankunftstag am Donnerstag holten Benoit, Verena, Lena, Julia, Chauffeur Melchiade und ich die Neuankömmlinge am Flughafen ab. Es war recht viel los, auch viel UN war zu sehen. Viele ihrer getarnten Militärmaschinen fliegen ab und kommen derzeit an. Trubel am kleinen Flughafen. Mit einer kleinen Verspätung kamen die neuen „Muzungus“ schließlich an. Normalerweise darf nur eine Person in den hinteren Bereich des Flughafens, wo die Passagiere ankommen. Benoit besorgte Julia und mir jedoch eine „V.I.P.“-Karte, die uns den Zutritt erlaubte. Schon wieder „V.I.P.“. Dafür mussten wir lediglich unsere Reisepässe an einem Schalter abgeben, die wir nach Rückgabe der Karte wieder zurück erhielten.

 

Meiner Mutter war noch etwas die Anspannung anzumerken, weil es ja mit Werners Anreise nicht klappte. Im Flugzeug habe sie neben einer älteren Dame gesessen, die nach Äthiopien zum – anscheinend – Wanderurlaub unterwegs war. Da meine Mutter entsprechend entnervt und Fertig aussah, bestellte ihr die Frau umgehend einen kleinen Rotwein. Dann setzte sich der Schock etwas. Mein Onkel und Werner versuchten am Mittwoch Abend, noch schnell vom Frankfurter Flughafen zurück nach Karlsruhe zu fahren, um den richtigen, gültigen Reisepass zu holen. Doch für eine erneute Fahrt nach Frankfurt hat es dann nicht mehr gereicht. Werner wird – dank einer schnellen Umbuchungsmöglichkeit – heute Mittag in Bujumbura eintreffen. Zusammen mit ihm ein Gerät und Werkzeug für die „Optik-Woche“.

 

Nach Ankunft im „Chez André“ tranken wir erst einmal Wasser und Kaffee, quatschten und packten die mitgebrachten Spenden aus. Der Rest folgt ja erst heute. Im Anschluss fuhren wir gleich ins Kinderheim, wo unsere Besucher unsere kleine, große Familie kennen lernte. Viele waren noch in der Schule, kamen jedoch nach und nach ins Heim. Sie freuten sich sichtlich – und meine Mutter und Julias Eltern auch. Nach einem kurzen Rundgang durch die Gebäude, dem ersten burundischen Sonnenuntergang und einer wohltuenden Dusche ging es wieder zurück ins „Chez André“, wo wir alle zusammen zu Abend aßen. Ich lief zusammen mit meiner Mutter schon vor, da ja Julias Eltern bei uns im Heim untergebracht sind – weil sie es so wollten – und dort noch duschen mussten. Meine Mutter wohnt im „Chez André“. Auf dem Weg hinunter treffen wir Julie, der Burunder indischer Herkunft, den wir schon einige Zeit kennen. Er war gerade im kleinen Geschäftchen „Belladone“ einkaufen und fragte, ob er uns mitnehmen solle.

 

Heute wird nun die heiß erwartete „Optik-Woche“ starten. 3.500 Brillen wurden mittlerweile bislang ins Geschäft meiner Mutter geliefert. Starke, schwache, kleine, große, Sonnenbrillen und normale Gläser, Etuis und auch teure Marken. Von überall her. Einige sind nun hier in Burundi – teils mit Paketen, teils mit dem Koffer meiner Mutter. Etwa 1.000 Brillen, etikettiert, gesäubert und sortiert. Dank den vielen fleißigen Helferlein zu Hause, die selbst an den Wochenenden nicht still saßen. Plan ist, ein wenig Optiker-Know How hier in Burundi zu lassen, dass das Projekt nicht nur auf ein, zwei Wochen beschränkt bleibt, sondern langfristig und nachhaltig Wirkung zeigt. Vorerst wird voraussichtlich Lena angelernt, wie man kleinere Reparaturen und Anpassungen vornimmt. Das Wissen wird dann irgendwann in der kommenden Zeit auch an einen Burunder vermittelt, der das Projekt weiterführen kann, wenn wir nicht mehr in Burundi sein werden. Die restlichen Brillenspenden, die derzeit noch in Deutschland bearbeitet werden, kommen in den nächsten Wochen per Paket.

 

Heute startet also die „Optik-Woche“ im Straßenkinderheim der Fondation. Gegen Mittag werden wir dann Werner vom Flughafen abholen, danach gleich wieder ins Straßenkinderheim zurück kehren, um den Trommlern zuzuschauen und eine kleine Fete mit ihnen zu feiern. Mal sehen, was der Abend dann so bringt. Morgen sind wir um 13 Uhr bei Thomas, dem Sicherheitsbeamten der EU (aus Östringen), und seinen Jungs zu Hause eingeladen. Ein kleines Grillfest. Sein Kollege, der die burundischen Jugendlichen im Judo trainiert, war mit seinem kleinen Team anscheinend bei Wettkämpfen in Kenia recht erfolgreich. Das muss gefeiert werden. Und wir sind eingeladen.

 

Sonntag, 25. Februar 2007. 12 Uhr in Burundi. Das Programm ist voll, deshalb nur eine kurze Meldung. Der erste Tag der „Optik-Woche“ lief sehr gut an. Wir waren im Straßenkinderheim, unzählige Sehtests wurden durchgeführt, 15 Jungen haben bereits eine passende Brille verpasst bekommen und können nun endlich wieder scharf sehen. Die Sonnenbrillen ohne Stärke haben reißenden Absatz gefunden. Bilder vom ersten Tag der Aktion werden bald online gestellt. Weitere Details folgen ebenfalls. Jetzt müssen wir uns auf den Weg machen zu unserer Einladung bei Thomas und seinen Kollegen vom EU-Sicherheitsdienst. Werner, der gestern Mittag angekommen ist, hat sich schon sehr gut eingelebt und ist ebenfalls mit von der Partie.