Freitag, 22. Dezember

Dezember 22, 2006

Donnerstag, 21. Dezember 2006. 22.33 Uhr im regnerischen Burundi. Es regnet seit etwa 20 Uhr ununterbrochen. Und recht stark. Fatal für dieses Land. Die restlichen Ernten dürften wohl jetzt gerade die schlammigen Hänge hinunter rutschen. Hungernot wird ja erwartet. Ich bin gespannt, ob die Regierung und die Verantwortlichen (auch international!) entsprechend handeln und vorsorgen. Immerhin wissen sie es nun lange vorher genug. Von „überraschender“ Hungersnot kann man dann nicht mehr sprechen, wenn es so weit sein wird.

 

Weihnachtsgeschenke für alle 63 Kinder sind fertig gepackt. Jeder bekommt Kleider – darunter super moderne Jeans, Shirts und Blusen – und dazu nagelneue Schuhe, die ich von einer großzügigen Spende, die mir überwiesen worden war, besorgen konnte. Das erfreuliche dran ist, dass unsere einheimische Mitarbeiterin (Celestine, die Krankenschwester) so gut gehandelt hat, dass das Geld nicht nur für Schuhe für die 63 Kids in „unserem“ Heim gereicht hat. Viel besser. Wir können mit dem restlichen Geld noch Schuhe für alle Straßenkinder besorgen – wenn auch einfachere als die bisherigen, aber immerhin. Und außerdem noch einige Paar Schuhe für unsere jungen Mütter im dritten Heim. Wir konnten also mit dem überwiesenen Spendengeld weitaus mehr Kinder versorgen als ursprünglich geplant. Die Kids im „Centre Uranderera“ bekommen zwar eine bessere Qualität als die anderen. Aber für das, dass das Geld zuerst ausschließlich für sie gedacht war, finde ich das eine sehr gute, ökonomische Leistung. Ich freue mich schon wahnsinnig auf Montag, den 25. Dezember, wenn wir endlich mit den Kindern Weihnachten feiern.

 

Das Fest ist hier im Heim geplant. Es gibt feines Essen mit Fleisch und eine schön dekorierte Terrasse. Die Geschenke fürs Straßenkinderheim werden wir in den Tagen darauf verteilen. Leider können wir ja an Heilig Abend nicht in allen Einrichtungen gleichzeitig sein. Mit Geschenken versorgt werden aber alle. Doch genügend Arbeit ist es allemal. Heute Vormittag waren wir mit Verena im Kindergarten (integriert im Heim für junge Mütter). Dort war gerade Zeugnisausgabe – ja, im Kindergarten. Hier gibt es Noten fürs Singen, Malen und so weiter. Wir verteilten kleine, handgroße Kuscheltiere an alle Kleinkinder. Die strahlenden Gesichter kannten kein Ende. Die Freude war groß – wohlbemerkt auf beiden Seiten. Es sind Kinder aus dem Viertel „Kamenge“, in dem das Heim liegt. Die Geschenke sind auch eine Geste dafür, dass man sich nicht aus dem Viertel abkapseln möchte, sondern eben integrieren, man baut auf gute Nachbarschaft. Der kleine Eddy – ich schätze mal nicht älter als anderthalb oder zwei Jahre – war richtig aufgeschlossen und neugierig. Bei unserem letzten Besuch lief er noch ängstlich vor uns weg. Dieses Mal aber lachte er unentwegt, kam zu uns und plapperte mit uns. Das kleine Stofftier, das er in der Hand hielt, wollte er ständig Julia schenken. Und auch Abdallah, der beim vergangenen Besuch nur fragend dreinschaute – er ist schätzungsweise drei Jahre – lachte dieses Mal permanent. Er stellt sich vor mich und zeigt auf meine Kamera, als wolle er mir sagen, ich solle ihn fotografieren. Sobald ich ihn jedoch ins Visier nehme, lacht er und haut ab. Ich habe ihn dennoch ein paar Mal erwischt. Julia kuschelt ein Mal mehr mit einem Baby und Lena spielt mit einem jungen Mädchen ein Ballspiel. Zum Schluss des Besuchs noch ein Gruppenfoto mit unseren Müttern zusammen mit Verena und dann stehen schon Melchiade und der Geländewagen vor dem Stahltor wieder bereit zu Abfahrt.

 

Morgen Vormittag, 9 Uhr, geht es in die Schule der Fondation. Dort ist ebenfalls Zeugnisausgabe, wo wir erwartet werden. Ich muss zudem noch einige Fotos für Verena machen. Unglaublich ist jedoch die Zeremonie, wie uns Verena erzählte: Alle Klassen der Schule versammeln sich im Hof – dem Gelände vor der Schule –, dann wird jeder einzelne vor versammelter Mannschaft (inklusive Eltern) aufgerufen, um das Zeugnis in Empfang zu nehmen. Nicht, dass das schon schlimm genug wäre, das Ganze passiert schön gestaffelt – nach Noten. Der Beste der Schule zuerst, wer sitzen bleibt, kommt zum Schluss. Erinnert mich an unseren Kirchenbesuch vergangenen Sonntag. Wer heiraten möchte, muss sich einige Wochen vorher in der Kirche vorstellen. Mann und Frau. Die Frau muss sich dann auch vor voller Kirche drehen, dass jeder sehen kann, dass sie nicht etwa schwanger ist. Was ich davon halte, braucht an dieser Stelle nicht vieler Worte. Ich finde es einfach nur unglaublich.

 

Heute hatte ich wieder allen Grund zur Freude. Ich erhielt drei superliebe Mails, die weitere Unterstützung für die burundikids zusagten – beziehungsweise schon in Auftrag gegeben sind. Kaum war ich zu Hause, kam ein Paket von weiteren lieben Unterstützern aus der Heimat – tolle Jeans, Shirts und Gesellschaftsspiele. Ich war ein Mal mehr sprachlos und freute mich über dieses Engagement. Ich kann es manchmal kaum fassen, wie viel Mühe sich die Leute daheim machen. DANKE!!!

 

WEIHNACHTSGRÜSSE

 

An dieser Stelle möchte ich allen interessierten Lesern, meinen lieben Freunden, Bekannten und meinen treuen Verwandten ein schönes Weihnachtsfest wünschen. Ich danke an dieser Stelle nochmals ganz herzlich für die uns entgegengebrachte Unterstützung und kann nur sagen: bitte weiter so. Die Hilfe wird nach wie vor benötigt. Danke! Jetzt aber erst einmal ein schönes Fest und eine ruhige Zeit mit den Freunden und Familien. Ich bitte zu entschuldigen, dass mir die Zeit für Mails an jeden einzelnen leider komplett fehlt. Ich hoffe, man kann darüber hinweg sehen – die Arbeit für die Kinder ist derzeit aber sehr viel und hat meiner Meinung nach Priorität. Was nicht heißen mag, dass meine Gedanken nicht etwa auch daheim wären…