Neuigkeiten aus Burundi (XII)

November 30, 2006

Mittwoch, 29. November 2006. 15.48 Uhr in Burundi. Der Himmel ist nördlich in Richtung Ruanda ganz schwarz, sieht aus, als würde sich bald ein Wolkenbruch über uns entladen. Über dem Kongo scheint aber noch die Sonne. Und Burundi zwischendrin.

 

Heute Vormittag waren Lena und ich im Büro, nur leider trafen wir Verena nicht an. Sie war einer Einladung der UNICEF gefolgt. Ich beschäftigte mich also mit einigen wichtigen Mails, teils den herzkranken Jimmy betreffend, teils eine Spende für Weihnachten. Verenas Idee, die ich bereits erwähnte, muss also bis morgen warten. Morgen Vormittag wird sie zu Papier und womöglich noch zur Post gebracht. Apropos. Heute habe ich außerdem erfahren, dass man hier für das Erhalten eines Pakets nochmals bezahlen darf. Es ist unglaublich. 10.000 FB für den Zoll (etwa acht Euro) und rund 7.000 FB für die burundische Post. Ganz egal, wie viel Porto das Paket in Deutschland kostete. Ein weiteres Zeichen dafür, dass der burundische Staat Geld braucht – da bleibt keine Einnahmequelle ungenutzt.

 

Gestern Nachmittag hat Michael, der Elektriker und Klempner, zwei Fahrräder vorbei gebracht. Er sollte sie besorgen, da er sagte, er wisse, wo es die besten gebe. Nun, die Räder sehen nicht schlecht aus. Gangschaltung ist sogar auch dran. Nur ist in dem Hinterreifen des einen heute schon keine Luft mehr drin (wenn denn welche drin war) und das Hinterrad des anderen wackelt – ob nun verdreht oder nicht richtig verschraubt, das sei nun dahin gestellt. Jedenfalls müssen wir nochmals nach den Fahrrädern schauen. Mit dem einen sind Julia und Marie heute ins Straßenkinderheim gefahren. Drei Jungs aus dem Heim haben einige tolle Rapsongs auf Kisuaheli und Kirundi geschrieben. Als wir vergangenen Samstag dort waren, führten sie sie uns vor – nicht schlecht, muss ich sagen. In der Nähe des Straßenkinderheims soll ein Belgier wohnen, der ein Tonstudio besitzt. Kinder könnten dort anscheinend kostenlos üben und manchmal sogar etwas aufnehmen. Und das wollen die drei heute versuchen. Ich wünsche ihnen, dass sie den richtigen Beat bekommen und eine Chance, sich zu beweisen. Es gibt viele Wege aus der Misere – nicht selten auch die Musik.

 

Tour ins Landesinnere

 

Den Nachmittag gestern lagen Lena und ich im Bett und haben geschlafen. Es ging uns beiden nicht gut, irgendwas stimmte mit unseren Mägen nicht. Verena erzählte heute, dass es ihr auch nicht richtig gut ginge. In der Regenzeit seien Magen-Darm-Geschichten keine Seltenheit. Heute geht es uns schon besser. Hundertprozentig fit sind wir aber noch nicht, deshalb machen wir noch etwas langsam. Am Montag wollen wir zu unserer dreitägigen Tour aufs Land starten, dafür müssen wir fit, gesund und ausgeruht sein. In Gitega, einer großen Stadt im Landesinnern, und Muyinga, eine Provinz im Nordosten Burundis, wollen wir weitere Projekte der Fondation Stamm besuchen, „nach dem rechten“ sehen und Spenden bringen. Dann sehen wir auch die Ärmsten der Armen – die Pygmäen der Volksgruppe der Twa (etwa 1 bis 2 Prozent der burundischen Bevölkerung), die ihre Siedlungen hauptsächlich in den Bergen haben. Ihre Einnahmequelle war einst – geringer Maßen auch noch heute – die Produktion von tönernen Töpfen und Krügen. Schöne Handwerkskunst, leider viel zu wenig beachtet und gewürdigt, meiner Meinung nach. Verena hat einige dieser Töpfe bei sich zu Hause. Ich bin gespannt auf die Tour, habe aber schon jetzt Respekt vor dem, was wir vielleicht sehen werden.

 

Eine kleine Enttäuschung

 

Heute bekam ich eine Mail, die mich ehrlich gesagt etwas enttäuschte. Eine Nachricht, die mir zeigte, dass Unterstützung für Arme und Bedürftige nicht allseits gegeben, nicht grenzenlos und für die, die sie betreiben, ein hartes Geschäft ist. Mein Hinweis auf die Kinder hier in Burundi ist nun zum ersten Mal auf etwas Unbehagen gestoßen. „Gehört nicht auf so eine Veranstaltung“, waren anscheinend die Kommentare, wie an mich herangetragen wurde. „Gehört nicht hier her“. Tja. Fünf Minuten waren es. Wenn überhaupt. Ich wünsche all denen, die den Mund am weitesten aufrissen, eine Reise hierher. Nur einen Tag hier mit den Kindern. Das würde schon reichen, um viele zum Schweigen zu bringen. Nein, nicht schweigen, sagen wir umdenken. Aber zum Glück – und das relativierte meine Enttäuschung wieder etwas – gibt es noch genug Leute, die dafür waren, es gut fanden und es ohne Widerspruch oder gar Protest zur Kenntnis nahmen. Alles in allem bringt mich diese Sache aber zum Nachdenken. Ein hartes Geschäft, auf das man sich einlässt, wenn man helfen will. Aber diejenigen, die zu einem halten, einen weiter unterstützen, die geben einem die Kraft, die man hier vor Ort unbedingt braucht. Die einem zur Seite stehen, Rückhalt geben und einem – durchaus auch ohne Worte – zeigen, dass man das Richtige tut. Diesen Menschen danke ich an dieser Stelle. Bei den anderen, die sich durch meinen Beitrag gestört fühlten, entschuldige ich mich hiermit vielmals, sie vielleicht peinlich berührt zu haben.

 

19.07 Uhr. Die Idee, Jimmy zu helfen, wird hier schon weiter gesponnen, während die Befunde nach Deutschland unterwegs sind. Wir hoffen alle auf die (positiven?) Nachrichten, dass wir aus unseren Startlöchern herausschießen und die Aktion endlich ins Rollen bringen können. Von einigen Seiten wurde nun schon an uns heran getragen, dass „die Sache mit Jimmy“ den Leuten nicht mehr aus dem Kopf ginge, sie etwas unternehmen wollen. Prozentsätze von Geschäftsumsätzen, Einnahmen von Weihnachtsmärkten, Benefizkonzerte und und und – teils schon verwirklichte, teils mit großem Elan geplante Vorhaben, um das Leben Jimmys zu retten. Ich wüsste nicht, woran das noch scheitern sollte. Es heißt jedoch weiterhin: Daumen drücken. Und auch auf Mithilfe sind wir angewiesen. Noch haben wir keine genauen Zahlen, was diese Aktion mit Jimmy betrifft. Ich bin mir aber sicher, dass es Kosten werden, die wir uns im Moment noch nicht vorstellen können.

 

Donnerstag, 30. November 2006. 10.30 Uhr in Burundi. Vergangene Nacht saßen wir in der Küche und hatten gerade unser letztes Stückchen vom Abendbrot in den Mund geschoben, da klopfte es an der Tür. Es war Clothilde, die junge Heimleiterin. Sie habe ein Problem, sagte sie. Ihr Problem war eine junge Mutter, die draußen im Regen stand und ihren Sohn hier im Heim abgeben wollte. Wir sagten ihr, sie solle die beiden herein bringen, setzten uns zusammen hin und unterhielten uns mit der Frau. Immer über zwei Ecken – auf Französisch mit Clothilde, die dann für die Frau auf Kirundi übersetzen musste. Ihr sechsjähriger Sohn sitzt neben ihr auf dem Holzstuhl, ganz auf die Seite seiner Mutter gerutscht, die Hände gefaltet, als bete er, dass ihm nichts Schlimmes passiert. Die Augen permanent auf den Boden gerichtet.

 

Die junge Frau habe ihre Arbeit verloren und nun Unterschlupf bei einem Bekannten gefunden. Der sagte aber, dass zwar sie, nicht aber ihr Kind im Haus bleiben könne. Und so will sie ihren Spross im „Centre Uranderera“ unterbringen. In einer schwarzen Plastiktüte übergibt sie uns den Besitz ihres Sohnes, des kleinen Sahidi: eine kurze Hose, drei Schulhefte und ein paar Stifte. Sie war schon ein paar Mal hergekommen und hatte angefragt, ob wir ihren Sohn aufnehmen könnten. Verena meinte, dass man die Leute, die kämen, erst noch einmal vertrösten solle, sie sollten morgen oder in ein paar Tagen wieder kommen. So könnte man herausfinden, ob es den Leuten wirklich wichtig sei. Viele kämen nach dem ersten Versuch nämlich nicht mehr. Diese Frau jedoch schon. Und somit stehen wir, bzw. in erster Linie Clothilde vor der Entscheidung: aufnehmen oder wieder raus in den Regen schicken. Ich halte mich von diesen Entscheidungen fern. Ich kann und möchte sie nicht fällen müssen. Letzten Endes liegt das in Verenas Hand – und ich bewundere sie, dass sie das kann. Können muss, denn andernfalls würde das nicht lange gut gehen.

 

Aufnahme, Abschied und Rückkehr

 

Ich frage mich sowieso, wie viele Kinder wir im Heim noch aufnehmen können. Denn gerade gestern Nachmittag haben wir noch einen Jungen einquartiert. Seit wir hier wohnen sind es bestimmt schon fünf oder sechs. Verena meint, dass das an uns liege. Nachrichten verbreiteten sich hier in Bujumbura sowieso wie ein Lauffeuer. Und wenn da Weiße in einem Heim wohnen, wollen die Leute ihre Kids hin bringen, dass sie „erzogen“ werden und eine gute Schulbildung bekommen. Alles verständlich, aber Härte ist dennoch manchmal angesagt, wenn es gilt, eine Ablehnung auszusprechen. Die Kinder schlafen größtenteils schon zu zweit auf einer Matratze. Viel freie Kapazität ist nicht mehr vorhanden. Wie gesagt, ich möchte nicht derjenige sein, der eine Frau mit ihrem Kind in der Nacht wieder in den Regen zurück schicken muss, weil die Häuser im Heim aus allen Nähten platzen.

 

Sahidi sitzt in der Küche neben Julia, auf deren Schoß es sich der dreijährige Gaston bequem gemacht hatte, Lena und Marie. Ich stehe. Mit Klatschspielchen und kleinen Handpuppen versuchen die drei, Sahidi zum Lachen zu bringen, ihn etwas abzulenken. Mit kleinem Erfolg, ein Schmunzeln können wir ihm entlocken. Seine braunen Augen sind groß und wachsam, besonders als ich mich ihm vorstelle: „Nitwa Philipp“, grinse ich ihn an und er schüttelt meine Hand. Die traurigste Szene war, als sich seine Mutter von Sahidi verabschiedete. Es war nicht einmal ein Handschlag, es war eine blitzschnelle, zögerliche Berührung ihrer beiden Hände. Dann stand sie auf, schlug das große, bunte Tuch wieder um ihren Kopf und ging nach draußen. Clothilde mit ihr, sie wollte sie noch ein Stück begleiten und mehr Informationen aus ihr herausbringen. Sahidi saß nun bei uns in der Küche, bis Salma, die Schwester des kleinen Gaston kam, ihren Bruder zum Essen zu holen. Marie nahm Sahidi an der Hand und brachte ihn ebenfalls zum Essen zu den anderen Jungs, wo er auch schlafen würde.

 

Er wird wahrscheinlich das Heim wieder verlassen müssen. Unterhielt mich gerade mit Verena, die genauer wissen wollte, was da gestern Abend gelaufen ist. Die Tatsache, dass das Kind noch eine Mutter hat, ist mit ausschlaggebend für die zwar harte, aber notwendige Entscheidung. Je mehr Kinder aufgenommen werden, als Kapazitäten da sind, desto schlechter werden die Zustände und Bedingungen für alle Heimbewohner. Die Mutter des kleinen Sahidi kenne anscheinend Christoph, ein Lehrer, der im „Centre Uranderera“ unterrichtet. Von ihm habe sie den Tipp bekommen. Es sei nicht die erste, die Christoph hier her schickte, sagt Verena. Es hätte sowieso schon viele – zu viele – Fälle gegeben, in denen Heimangestellte ihre verwandten Kinder in den Heimen der Fondation unterbringen wollten. Die Schulbildung und die Lebensbedingungen sind einfach besser. Jedoch wirklich bedürftig sind diese Kinder nicht. Und somit würden sie den Platz denen nehmen, die es wirklich nötig hätten. Die Unterscheidung, wer ist wirklich bedürftig, wer „passt“ in das Heim oder ins Straßenkinderheim, ist mehr als schwierig und kann oft nur getroffen werden, wenn man den „Falschen“ auf die Spur gekommen ist – und zwar, wenn sie bereits einige Wochen aufgenommen sind. „Die Angestellten verdienen mehr als anderswo, dann sollen sie doch mit ihrem überschüssigen Gehalt für ihre verwandten Kinder sorgen, anstatt sie der Fondation unterzuschieben“, sagt Verena. Hart. Aber verständlich. Denn nur so funktioniert die Hilfe richtig.

 

Kinder sind in Burundi nicht viel wert. Das zeigte wieder die Geschichte mit der jungen Mutter gestern Abend, die es vorzieht, mit einem neuen Mann zusammen zu leben, ihn vielleicht zu heiraten und dafür ihr Kind abgibt. Es sei eine neue „Mode“ in Burundi. Durch Krieg, Aids und Malaria gebe es mehr Witwen als jemals zuvor. Und diese sehen als ihr oberstes Ziel, wieder zu heiraten. Selbst wenn sie dafür ihre Kinder aufgeben müssen. Adoption gibt es in Burundi nicht. Blutsverwandtschaft ist das einzige, was zählt. Daher nehmen in den meisten Fällen Männer fremde Kinder nicht an. Der Grund, warum Frauen nach einer neuen Ehe streben, ist schnell erklärt: Alleinstehende Frauen zählen in der Gesellschaft nicht viel bis gar nichts. Schlimmstenfalls gelten sie als „Huren“. Zum anderen und auch eine Folge dessen ist ein Mann eine soziale Absicherung. Es wäre ein eigenes, jedoch riesiges Projekt, für die Rechte der Frauen zu kämpfen, dass sie auch selbständige, eigene Existenzen gründen und für sich selbst sorgen können und dabei akzeptiert werden. Wohl jedoch ein zu großes Projekt für die Fondation.

 

Gerade erfuhr ich auch, dass es eine Patenschaft zwischen Burundi und Baden-Württemberg gibt. Sie stünde noch auf dem Papier, sei jedoch „eingeschlafen“ aufgrund des Embargos Mitte der Neunziger. Ich muss mir einige Infos hierzu zusammen suchen und mich da mal genauer informieren. Wäre ja ein Ding, wenn man diese Patenschaft wieder zum Leben erwecken könnte.

Neuigkeiten aus Burundi (XI)

November 29, 2006

Montag, 27. November 2006. 21.43 Uhr burundische Zeit. Heute war wieder Bürotag bei Verena. Habe eine Liste von allen Kindern hier im Heim („Centre Uranderera“) in den Computer eingetippt – der Anfang für die Steckbriefe, die wir von jedem kleinen Bewohner hier erstellen wollen. Lena brütete weiter über Jahresabrechnungen der einzelnen Projekte. Michael, der Elektriker, Klempner und was weiß ich noch alles zugleich, beschaffte uns einige Pötte Farbe, um die Gemeinschaftsräume der Kids zu neu zu streichen. Außerdem suchte er zusammen mit Julia und Marie zwei Fahrräder aus, die wir eventuell schon morgen, Dienstag, bekommen sollen. Unsere Flexibilität wäre dann etwas vielfältiger, wir wären schneller beim Markt, in den Geschäften der Stadt und bei Verena. Ich bin nur gespannt auf die Fahrten bergauf.

 

Heute erhielt ich auch die sehr erfreuliche Nachricht, dass die CD, die ich vor einer Woche weg schickte, rechtzeitig bei den Organisatoren des Herbst-Balls der Turngemeinde Eggenstein angekommen war. Ich hatte Bilder darauf gepackt und einen Text, den ich eigens eingesprochen hatte. Quasi ein eigener Programmpunkt für die burundikids! Ich habe täglich gehofft und gebetet, dass die CD noch rechtzeitig ihren Weg nach Eggenstein findet. Und siehe da – es hat geklappt. Danke vielmals auch für das super Engagement und den Platz im Programm des Ball-Abends!!! Ich freue mich immer wahnsinnig über das Interesse, die Anteilnahme und die Unterstützung, die mir entgegengebracht wird.

 

Schüsse in Bujumbura

 

Themenwechsel. Vorletzte Nacht bin ich aufgewacht, kurz darauf hörte ich drei Schüsse – und nach wenigen Sekunden noch einen. Ich wusste nicht, was los war, überlegte, warum ich überhaupt wach geworden war. Höchst wahrscheinlich wurde zuvor auch schon geschossen. Am Morgen darauf glaubte mir keine der drei hier, was ich erzählte. Ich wurde nur angeschmunzelt. Beim Essen gestern Abend jedoch, erzählte Verena, dass sie die Schüsse ebenfalls gehört habe. Und heute erfahren wir, dass es in der Innenstadt eine Schießerei gab, bei der ein burundischer Rapper – versehentlich – ums Leben kam. Anscheinend war er mit einigen Leuten unterwegs, als plötzlich ein Dieb ihn bestehlen wollte. Irgendwie kam es dann dazu, dass einer eine Waffe zog und abdrückte. Soldaten, die in der Nähe standen, schossen zurück – und erlegten den Dieb, aber auch den Rapper. Ich bin froh, dass es „nur“ so etwas war – ein Diebstahl mit unglücklichem Ende. Aber welche Gedanken durch einen fahren, wenn man in solch einem Land Schüsse hört, braucht an dieser Stelle nicht vieler Worte.

 

Das Essen im Heim mit Verena und Benoit

 

Das Abendessen mit Verena und Benoit war übrigens sehr lecker und lustig – eigentlich wie immer, wenn wir alle zusammensitzen. Benoit war etwas ruhiger als sonst, das lag daran, dass er die ganze Zeit auf einen wichtigen Anruf wartete. Aber dennoch war er in der Lage, burundische Witze zu erzählen. Unser Essen schmeckte allen. Sodass wir anschließend mit dicken Bäuchen da saßen und uns beklagten. Selbst schuld. Nach dem Nachtisch gab ich Verena und Benoit eine Kostprobe eines Schnapses, den es nur in Eggenstein gibt – der berüchtigte „Fünfer-Tropfen“, ein Schnäpschen, dessen Rezept nur ein guter Freund meines Onkels kennt. Ich denke, wir waren die ersten Menschen überhaupt, die einen „Fünfer-Tropfen“ in Burundi zu sich nahmen.

 

Bevor ich mich mit Lena heute Abend auf den Rückweg ins Heim machte, unterhielt ich mich mit Verena über die Vorhaben in den kommenden Tagen. Einiges wollen wir neu angehen und planen für 2007. Verena unterbreitete mir eine sehr gute Idee, bei der ich ihr helfen solle, sie vorzubereiten. Es klingt alles sehr gut und ich denke, dass das ein großer Fortschritt für die Fondation – und somit für ihre Schützlinge – sein wird, wenn es denn funktioniert. Ich wüsste aber nicht, warum es nicht klappen sollte. An dieser Stelle möchte ich noch nicht zuviel vorwegnehmen. Mehr dazu zur passenden Zeit.

 

Vor dem Abendessen kamen Doriane (neun Jahre) und Chanelle (zehn Jahre) zu mir. Chanelle – das Mädchen, das auf dem Bild zwinkert – hatte sich am Ellenbogen aufgeschürft. Was diese Kids immer treiben, weiß ich auch nicht. Dass Jungs toben, ist mir bekannt, aber Mädchen?! Nun ja, am Ende haben sie Lena, Marie und ich verarztet – abgewaschen, desinfiziert und Pflaster drauf. Dann war die Welt wieder in Ordnung.

 

So langsam fühle ich mich richtig, wie in einem – zwar etwas karg eingerichteten, aber immerhin – Büro. Ein einfacher Holztisch in der Mitte des Zimmers, davor ein Holzstuhl. Auf dem Tisch sind Notizblöcke, Zettel, Taschenrechner und Kugelschreiber um den Laptop herum drapiert. Es lässt sich gut arbeiten – und ab und zu mal auch über den Bildschirm hinweg aus dem Fenster schauen, wo sich tagsüber einige Nähschüler tummeln. Morgen steht wieder Basketball an. Hoffe, das Wetter hält…

 

Dienstag, 28. November 2006. 9.03 Uhr in Burundi. Heute bin ich schon seit 5 Uhr wach. Lena hat Bauchschmerzen und ihr ist schlecht. Ich denke, sie hat irgendetwas Falsches gegessen. Auch mein Magen kämpft mit etwas, wie ich merke. Habe dann Frühstück für die anderen gerichtet und Lena einen Tee ans Bett gestellt. Nach dem Frühstück wasche ich nun die Wäsche, die sich in der vergangenen Tagen wieder angesammelt hat. Der rote Sandstaub hier dringt wirklich durch alles hindurch – ob das nun Zimmerecken sind oder Schuhe, Hemden oder Socken. Überall dieser rote, knirschende Film.

 

Gegen 15 Uhr möchte ich mit den Jungs Basketball spielen gehen. Danach, wenn die Zeit noch reicht, werde ich zu Verena hinunter laufen, um einige wichtige Mails abzurufen, auf die ich noch warte und um einige andere wichtigen Mails zu versenden. Vielleicht ist auch Verenas Idee, von der ich gestern Abend kurz erzählte, auch schon etwas konkreter geworden, sprich, aufs Papier gewandert. Dann werde ich mir auch das noch anschauen. Aber jetzt erst einmal Wasser heiß machen für die Wäsche…

Neuigkeiten aus Burundi (X)

November 27, 2006

Sonntag, 26. November 2006. 17.41 Uhr in Burundi. Heute Abend erwarten wir Verena und Benoit hier in unserem trauten Heim zum Abendessen. Das Gemüse und Obst ist schon geschnippelt, der Tisch gedeckt, mit Tischdecke, Blümchen, Wasser- und Weinglas. Es wird ein Gericht aus dem Wok geben, Karotten, Lauch, Zwiebeln, Kokos und Ananas mit Reis. Zum Nachtisch servieren wir den beiden ein wenig Milchreis mit frischen Früchten – Ananas, Mango, Orange, Banane und Zitrone.

 

In Schale haben wir uns auch schon geworfen, beginnen in den nächsten Minuten mit dem Kochen und dann können die beiden kommen. Auf 19 Uhr sind sie bestellt. Ich glaube, sie werden Augen machen, denn ich denke nicht, dass sie mit solch einem Aufwand rechnen. Gerade eben war ich noch draußen im Hof und habe die Kids gebeten, das Gelände ein wenig zu säubern. Papier, Batterien und aller möglicher Schrott liegen durcheinander. Ohne lange zu zögern, machen sie sich an die Arbeit. Diejenigen, die neu dazu kommen und sehen, was ich da mache, packen ohne viele Fragen sofort mit an. Es sieht beinahe so aus wie eine riesige Dampfwalze mit Staubsauger und im Nu ist das Gelände sauber. Eines der größeren Mädchen, Espérence, schnappt sich sogar den Besen und säubert unseren Eingang. Ich bedanke mich höflich, was ein verkichertes Schmunzeln verursacht.

 

Martinas Wunsch ist es ja, dass die Kids lernen, von selbst darauf zu achten, dass alles sauber bleibt. Sobald man es ihnen sagt und selbst mit anpackt, ist das überhaupt kein Problem. Nur sieht es am nächsten Tag wieder aus wie vorher. Den Kids beizubringen, selbst für Ordnung zu sorgen, wird, denke ich, ein schwieriges Unternehmen, ein täglicher Kampf. Aber wir geben nicht auf.

 

Julia und Marie waren heute auf dem Markt, die Zutaten fürs Abendessen besorgen. Lena und ich haben derweil Geschirr gesäubert, Gläser poliert und alles gerichtet. Ich fand zudem noch die Zeit, einen weiteren Teil für die „Burundi-Serie“ auf ka-news zu schreiben. Abermals der Tipp: jeden Sonntag, Top-Meldung auf www.ka-news.de, live aus Burundi. Wer es bei „Google-News“ versuchen möchte, findet die Meldung auch dort. Macht ja schon ein bisschen stolz, auch wenn nicht viel dazu gehört. Aber immerhin. Ich freue mich darüber. Und noch ein Tipp: www.burundikids.de. Die Seite wurde nach der Rückkehr von Martina und Ursula überarbeitet. Auf der Startseite sind nun Bilder von uns vieren hier zu sehen. Außerdem erweitern wir auf den Internetseiten des Vereins unseren Service. Für mehr Transparenz bei unserer Arbeit in den Projekten vor Ort soll das Online-Fenster dienen, in das alle Mitarbeiter und Besucher hier in Burundi von ihren Erlebnissen und ihrer Arbeit berichten können und sollen. Ziel ist es, irgendwann auch die Kinder selbst dort zu Wort kommen zu lassen. Es bestehen lediglich noch die Sprachschwierigkeiten, nicht jeder kann das Französisch der Kinder verstehen. Wir werden aber an diesem Service arbeiten. Unser Techniker von burundikids e.V. wird in den kommenden Tagen die Seite online stellen. Darüber hinaus ist auf burundikids.de auch der Link zu meinem Online-Tagebuch.

 

Weihnachten nähert sich in großen Schritten und auch hier in Burundi steckt beinahe alles langsam aber sicher in den Vorbereitungen. Wir wollen den Kindern ein schönes Weihnachtsfest mit Essen und Geschenken bereiten. Hierfür werden auch in den kommenden Tagen Spendengelder aus Deutschland eintreffen. Wir möchten von diesem Geld für alle – mittlerweile 59 – Kinder ein paar (einfache) Schuhe kaufen, da die meisten barfüßig laufen oder, wenn überhaupt, nur ein Paar Schuhe besitzen. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an die Spender! Ich freue mich schon jetzt auf die strahlenden Gesichter dieser 59 kleinen Schätze, die allesamt eine Zukunft verdienen. Wir arbeiten daran…

 

Noch ein kleiner Hinweis: Am Samstag, 2. Dezember, wird das Humboldt-Gymnasium Karlsruhe – die ehemalige Schule von Lena und mir – den traditionellen Weihnachtsmarkt ausrichten. Es wird einen kleinen Stand für burundikids e.V. geben, mit einigen Infos und Bildern. An dieser Stelle auch ganz herzlichen Dank an die fleißigen Helfer dort! Das Geld, das wir von dort erhalten werden, möchten wir als erstes in den Topf tun, den wir für den kleinen Jimmy anlegen, um möglichst schnell die Gelder zusammen zu bekommen, die wir für seine Herzoperation in Deutschland benötigen. Die Befunde der burundischen Ärzte sind bereits per Post an meinen befreundeten Chirurgen unterwegs, der sich über die Möglichkeiten erkundigen möchte. Danke auch dir, S.T.!!!

Neuigkeiten aus Burundi (IX)

November 25, 2006

Freitag, 24. November 2006. 17.40 burundische Zeit. Heute waren Julia und Marie wie jeden Freitag in der Schule am anderen Ende der Stadt, um dort Gesangsunterricht zu geben. Die Schule liegt direkt am Tanganyikasee, was sich die beiden natürlich nicht entgehen lassen. Wir wollen zusammen mal einen Ausflug an den Strand machen. Sonntags irgendwann, zum Ausspannen.

 

Lena und ich gingen auf den Markt, Lebensmittel für die folgenden Tage besorgen. Am kommenden Sonntag wollen wir nämlich für Verena und Benoit hier im Heim kochen. Der Termin für die Einladung abends ist bereits ausgemacht. Zuerst wollten wir es schon morgen, Samstag, machen, da geht es aber leider nicht, weil sich Gäste im „Chez André“ angemeldet haben, bei denen die Chefs anwesend sein müssen. Auch heute Abend ist dort hoher Besuch: der belgische und der burundische Verteidigungsminister treffen sich zum Essen und mit ihnen ein Stab von mehr als 20 Leuten.

 

Der Markt war heute sehr anstrengend, freitags sind doppelt so viele Menschen dort wie sonst. Ein Gedränge, von dem ich eigentlich bisher dachte, dass es nicht mehr schlimmer ginge. Aber es geht tatsächlich – nämlich freitags. Es haben auch gleich vier Jugendliche hintereinander versucht, Lena in die Hosentasche zu greifen und ihr das Geld zu stehlen. Aber sie hat sich gut zur Wehr gesetzt, ihnen eine an den Arm verpasst und sie angeschrieen. „Kubita amakofi?!“ – „Willst du eine Ohrfeige?!“. Die Drohung auf Kirundi hat die Jungs mehr erschreckt als der Schlag. Eine „muzungu“, die sich wehren kann? Auch noch in der Landessprache?! Die älteren Händler um uns herum lobten Lenas Reaktion, sie sagten, man solle nicht lange androhen, sondern gleich drauf hauen. Sie gaben uns Recht und schämten und ärgerten sich zugleich über die Taschendiebe. Unser Geld ist nach wie vor alles vollständig vorhanden. Aber eine wertvolle Erfahrung.

 

Auf dem Rückweg begleitet uns ein junger Student, Christian. Er studiert englisch und spricht sehr gut. Er hatte mitbekommen, wie der letzte Dieb Lena an die Tasche ging und erkundigte sich, ob alles in Ordnung sei. Er entschuldigte sich fast für seine Landsleute, schüttelte den Kopf und versuchte uns zu versichern, dass das nicht Burundi sei, sondern die Ausnahme. Diese Ausnahmen gibt es oft, aber dennoch hat sich mein Bild von den Menschen hier nicht verändert. Taschendiebe gibt es bei unserem Karlsruher Weihnachtsmarkt genauso. Insofern war Christians Sorge unbegründet. Aber nett gemeint.

 

Wir unterhalten uns die gesamte Strecke. Er ist interessiert, angenehm, nicht aufdringlich. Wir sprechen über sein Land, die Menschen hier, Politik. Keine Jobs, unsichere und fragwürdige Demokratie und die Studierten verlassen das Land. „Es gibt hier keine Jobs, was soll die Jugend hier, wenn sie doch die Chance bekommt, in Europa und Amerika Geld zu verdienen?“ schaut mich Christian fragend an. Ich sage ihm, ich verstehe seine Situation. Seine und die der vielen tausend anderen in seinem Alter. Keine Jobs, keine Aussichten, keine Zukunft. Die studierte Elite verlässt das Land, sobald sie kann. Der Aufbau Burundis bleibt auf der Strecke oder tröpfelt langsam vor sich hin. Meiner Meinung nach ist das erste, das hier in Burundi passieren muss, dass eine stabile Regierung, sprich eine gefestigte Demokratie geschaffen werden muss. Eine Demokratie, die auch von denen wirklich gewollt wird, die sie an den Verhandlungstischen und in den hohen Reihen vertreten sollen. Dann kommen Investitionen, dann gibt es eine Wirtschaft, dann gibt es Jobs, dann bleibt auch die junge Elite hier im Land. Aber wenn alles so einfach wäre, wie es hier geschrieben steht. Auf der anderen Seite…wäre es denn wirklich so abartig schwer?! Auf jeden Fall will uns Christian einmal besuchen kommen.

 

Heute wurden auf der Straße vor dem Markt die riesigen Schlaglöcher geteert. Benoit hatte sich dafür eingesetzt und mehrere Telefonate geführt. „Das sieht doch peinlich aus, wenn Gäste und Politiker hier her nach Burundi kommen und sehen so was!!?!“ regt er sich immer noch auf. Ich finde, zu Recht. Ich halte mich an dieser Stelle mit weiteren politischen Äußerungen meinerseits zurück – aus guten Gründen. Mir gehen aber keine Infos verloren, so viel sei gesagt.

 

So langsam haben wir es raus mit den burundischen Preisen. Wir kaufen so günstig ein, wie die Einheimischen. Macht richtig Spaß. Erst fragt man nach einem Preis, die Antwort ist natürlich Grund zum ausgiebigen Schmunzeln. Bleibt der Händler hart, läuft man eben weiter. Er kommt nach ein paar Minuten zu einem gerannt und gibt die seine Ware zu dem Preis, den du geben wolltest. Eigentlich ganz einfach. Am besten kauft man seine Ware dort, wo sich mehrere Händler mit der gleichen Ware hin gesetzt haben. So kann man sie gegeneinander ausspielen und die Preise senken. Klingt vielleicht im ersten Moment hart, aber so läuft der Hase hier. So machen es die Einheimischen, so sollen wir es auch tun. Alles andere würde uns zum Gespött machen – und uns unnötig Geld kosten, das wir sinnvoller an anderer Stelle einsetzen können.

 

Nachdem wir ein Mal Kaffee auf dem Markt gekauft hatten, lassen wir es dabei. Der Kaffee war gestreckt mit Erde, Sand, Steinen oder was auch immer, jedenfalls war er richtig grobkörnig und schmeckte nach nichts. In Zukunft muss der Kaffee eben aus dem Geschäft her. Verena bestätigte uns, dass man auf dem Markt nicht alles kaufen sollte. Die Kaffeetüten würden vorsichtig geöffnet, „behandelt“ und weiter verkauft. Ähnlich ist es mit Wein. Mit Spritzen wird der gute Wein durch den Korken heraus geholt, getrunken und mit Essig oder ähnlichen Substanzen aufgefüllt. Unglaublich, dieser Einfallsreichtum!!!

 

Auf dem Rückweg vom Markt kehren Lena und ich noch kurz im „Chez André“ ein, trinken eine Cola zur Abkühlung und plaudern mit Verena und Benoit, der gerade Mittagspause macht. Zwei Angestellte pflücken uns vier Kokosnüsse von den hohen Palmen vor dem Haus. Lustig, so etwas mal live zu sehen. Dann klopfen sie noch die äußere Schale weg und da ist sie, so groß wie zwei Fäuste, die Kokosnuss. Zurück im Heim bohren wir ein kleines Loch hinein, trinken das Kokoswasser, ehe wir sie mit dem Hammer spalten und das Kokosfleisch heraus schneiden. Eine nicht zu unterschätzende Arbeit!!! Aber verdammt lecker.

 

Morgen, Samstag, sind wir um 14 Uhr zusammen mit Verena im Straßenkinderheim eingeladen. Es steht ein großes Fest an mit leckerem Essen für alle 120 Jungs. Quasi ein fest zur Rückkehr der Trommler aus Äthiopien ins Heim. Und, dass die anderen, die keine Trommler sind, auch etwas davon haben. Da fällt mir noch etwas ein, was ich sehr witzig, aber beachtenswert finde. Einige Jungs aus dem Straßenkinderheim haben sich bei Verena beschwert, dass wir erst ein Mal bei ihnen waren – die Kids im Waisenheim hätten es so gut und sie selbst wollten doch auch Englisch und Deutsch lernen. Wir werden wahrscheinlich ab kommender Woche einen festen Tag einrichten, an dem wir ins Straßenkinderheim gehen und dort arbeiten. War sowieso von Anfang an geplant, blieb aber leider bislang auf der Strecke.

 

Eine Drei-Tages-Tour aufs burundische Land steht auch noch an. Verena möchte und muss ihre Projekte im Landesinnern und im Norden besuchen, Spenden bringen und nach dem rechten sehen. Wir fahren mit, das wird bestimmt ein wahnsinniges Abenteuer. Mit dem „Buschtaxi“ (so nennt man eine bestimmte „Sorte“ von Toyota-Geländewagen) durch Burundi. Freuen uns alle tierisch darauf.

 

Gerade erzählte Flora – die Schwangere, die wir spontan übergangsweise hier aufnahmen –, dass ihr gesagt wurde, sie solle das Zimmer räumen, weil dort rein ein Friseursalon käme. Müssen das gleich klären, von Verena stammt diese Idee nämlich nicht – sonst wüssten wir davon. Es ist doch immer etwas anderes, was es zu regeln gibt. Unglaublich…

Samstag, 25. November 2006. 11.23 Uhr in Burundi. Versuche verzweifelt, ins Internet zu kommen, aber die Leitungen sind besetzt. Telefon ist frei und funktioniert, nur der Draht ins Internet scheint verstopft. Verena und ich sind ratlos, vielleicht surfen zu viele Burunder gerade im Netz. Eigentlich unwahrscheinlich, aber wir kommen nicht durch. Jetzt funktioniert es!!! Stelle gleich den Text online…

Mittwoch, 22. November 2006. 21.42 burundische Zeit. Nachdem der Strom nun permanent zu fließen scheint, kann ich mich wieder an das Notebook setzen und ein bisschen schreiben. In den vergangenen Tagen musste ich das leider aufgrund anderer Arbeit vernachlässigen. Vorhin haben Clothilde, die Heimleiterin für die Mädchen, Fulgence und Thérence einige Lampen ausgetauscht. Unser kleines Häuschen ist nun etwas heller – vorausgesetzt, der Strom fließt. Der Sicherungskasten hat einen kleinen Wackelkontakt. Ich wollte in den vergangenen Tagen schon einmal danach schauen, sah das Ding, das mich an einen alten, hölzernen Taubenschlag erinnerte, und ließ die Finger davon. Der ganze Clou war „nur“, das kleine, hölzerne Türchen des Kastens fest an das restliche Gehäuse zu pressen – dann war es hell. Ließ man davon ab, Dunkelheit. Da kein Mensch die ganze Zeit am Sicherungskasten drücken kann, haben wir einen kleinen Holzkeil unter das Türchen geschoben. Eine Übergangslösung. In einem Flügel unseres Gebäudes haben wir nach wie vor keinen Strom. Denke aber, das liegt auch wieder „nur“ an einer Sicherung. Michael, der Elektriker und Klempner zugleich von Verena, wollte sich dessen in den folgenden Tagen mal annehmen. Lernte ihn vor einigen Wochen schon kennen, da brachte er mir gleich die Zahlen von eins bis zehn in Kisuaheli bei.

 

Also, Strom fließt jetzt – eigentlich ungewöhnlich, denn normalerweise ist unser Viertel heute nicht an der Reihe. Aber es hat wieder fast den gesamten Tag geregnet, deshalb wahrscheinlich. Zu viel Regen, wie zur Zeit, ist leider auch nicht gut. Wir erfuhren, dass es auf dem Land einigen Bauern schon die Ernte verschwemmt hat. Ein Desaster – belegt Burundi doch den traurigen letzten Platz auf dem „Welthunger-Index“.

 

Gestern, Dienstag, war ich mit Fulgence, Thierry, Ernest, Samuel und Emmanuel Basketball spielen. Einige Jungs – und ein Mädchen – aus dem umliegenden Viertel war auch wieder dabei. Wir spielen kaum zehn Minuten, da beginnt es zu regnen. Erst ganz leicht, nach ein, zwei Minuten aber ein richtiger Platzregen. Schwarze Wolken hängen über den zwei großen Hügeln, die man vom Basketballplatz aus perfekt sehen kann. Ein Panorama, das ist unglaublich. Ich muss das noch irgendwann mit der Kamera festhalten.

 

Wasserschlacht und „Omo“

 

Jedenfalls ließen wir uns vom Wasser nicht abhalten – immerhin waren wir mitten im Spiel. Sehr witzig, es machte riesigen Spaß. Zwar flutscht einem der Ball andauernd durch die Hände und man steht plötzlich bis zu den Knöcheln in einer Pfütze, aber was macht das schon? Der Ball läuft trotzdem und warm ist es ebenfalls. Danach sahen wir allesamt aus wie die Schweine. Der rotbraune Sand, der hier in jeder Ritze und Ecke zu finden ist, klebt an uns, an unseren T-Shirts und zusammen mit dem Wasser durchdrängt er unsere Schuhe samt Socken. Im Anschluss an das Spiel habe ich ernsthaft Probleme, den Dreck über dem Waschbecken wieder aus meinen Kleidern zu bekommen. Hartnäckig – aber ich habe gewonnen. Mit der Hand waschen ist recht anstrengend, allem voran das Ausringen nach dem Waschen. Heute, Mittwoch, habe ich gerade wieder „Omo“, Waschpulver, bei dem Jungen am Straßenrand gekauft. 100 Gramm für 350 FB. Wir müssen nur aufpassen und das Pulver gut im wasser auflösen, bevor wir unsere Wäsche dort hinein tun. Ansonsten sehen wir aus, wie die Schlümpfe.

 

Während ich mit den Jungs Basketball spielen war, strichen Julia, Lena und Marie weiter die Wände im Mütterheim im Stadtteil „Kamenge“. Wir wollen alles irgendwie freundlicher gestalten. Und da Julia eine super Zeichnerin ist, malt sie immer die Motive. So übrigens auch in unserer Küche hier. Unsere Wand ziert nun ein Obstkorb auf der einen Seite über dem Holztisch und einige Früchte auf der anderen Seite über dem Herd und der Spüle. Aber zurück nach „Kamenge“. Die Kinder, die dort in den Kindergarten gehen, kommen ja aus dem gesamten Viertel, also nicht nur die Kids der dort wohnenden jungen Frauen. Als die Zeit um war und die Mütter von außerhalb ihre Sprösslinge abholten, wollte eine unbedingt Lena haben, die ihren Bruder heiraten sollte. Erst bot sie fünf Kühe, nach weiterer Hartnäckigkeit 2.000 Rinder. Alles Spaß. Der Ring an Lenas Finger erwies sich hierbei aber als sehr hilfreich und hatte seine Wirkung. Sowieso hat man das Gefühl, dass der Respekt vor Verlobung und Heirat enorm ist. Die Menschen sind schließlich streng gläubig – die meisten Christen. Da kennt man andere Dinge aus Europa.

 

Blume

 

Noch eine Veränderung ergab sich in den vergangenen Tagen. Am Montag kam eine junge Frau zu uns, 22 Jahre alt. Sie ist schwanger, im siebten Monat, und sagt, sie sei vergewaltigt worden. Von drei Männern. Sie habe einige Zeit auf der Straße gelebt, sei kurz in einer Kirche untergekommen und suche nun eine Bleibe. Nach Konsultation mit Verena, wie wir weiter verfahren sollen, beschlossen wir, sie erst einmal bei uns zu lassen. Hatten ja ein Zimmer eingerichtet, wo einige Matratzen als eine Art Sofa mit Kissen liegen – und zusätzlich als Stauraum für unsere Sachspenden und Sportgeräte dient. Dort schläft sie sehr viel, Essen bekommt sie von den Kids. Wir machten ihr auch schon ein Brot. Doch bleiben kann sie hier nicht lange. Es ist ein Kinderheim, noch dazu ein überbelegtes Kinderheim – die Kids schlafen teilweise schon zu zweit auf einer Matratze. Eventuell können wir sie im Mütterheim in „Kamenge“ unterbringen – zumindest, bis sie ihr Kind hat und die erste Zeit danach. Ihr schöner Name ist übrigens Flora – was im Lateinischen soviel wie Blume bedeutet. Sie ist sehr nett und möchte ständig nach dem Essen unser Geschirr spülen, quasi als kleine Gegenleistung und Dankbarkeitsbeweis. Wir werden sehen, wie sich die Sache entwickelt. Darüber hinaus liegt das nicht in unserer Entscheidungsgewalt. Und ich persönlich bin auch froh darüber. Ich habe einen riesigen Respekt vor Verena, die mit solchen Dingen und Situationen beinahe täglich umgehen muss und kann.

 

Heute, Mittwoch, fertigten die Kinder drei Fußbälle, die ich ihnen am Wochenende in Auftrag gegeben hatte. Sie sind für Martina, die in Deutschland am 9. Dezember auf einen Weihnachtsmarkt gehen und dort Sachen aus Burundi verkaufen möchte. Es sind richtige Straßenkinderfußbälle, gefertigt aus Plastiktüten und Schnüren, Stofffetzen und allem, was man auf der Straße finden kann. Gegenwert: ein (nur noch wenige Minuten) strahlend weißer Handball aus unserer UNICEF-Kiste. Leistung und Entlohnung – ein Spiel (des Lebens), das die Kids nicht früh genug kennen lernen können.

 

Als ich gestern Abend von „Chez André“ nach Hause lief, kam es mir so ungewohnt hell vor. Straßenlaternen! Ich traute meinen Augen nicht und fragte mich, ob die schon die ganze Zeit funktionieren und es mir erst jetzt aufgefallen sei. Die Mädels bestätigten mir später aber, dass sie nur ganz selten funktionierten. Wenn es halt mal passt. Und dann auch nur in „Belle Aire“ (oder wie man das schreibt). Eine verrückte Stadt – aber wie so oft arrangiert man sich mit den Dingen, wie sie sind.

 

Ausgaben fürs Leben

 

Haben nach den ersten Wochen mal zusammengerechnet, wie viel Geld wir für Essen aufwenden müssen. Heraus kam 1.50 Euro pro Kopf und Tag. Nicht viel. Lässt sich aber noch reduzieren – und zwar beinahe um die Hälfte, wenn wir zum Markt einkaufen gehen. So soll es sein. Halten unsere Kosten so gering wie möglich, um keine Gelder von burundikids e.V. zu „verschwenden“. Natürlich nur soweit, wie möglich und nötig. Keiner hier geht auf den Zahnfleisch – und um die Gemüter zu beruhigen: Uns geht es gut. Wasser kochen wir täglich ab und füllen es in Fünf-Liter-Kanister.

 

An einem der vergangenen Tage hatte ich auf dem Heimweg einen Hauch von deutschen Straßen. Am Wegesrand lag eine leere, weg geworfene „Red Bull“-Dose. Ich musste lächeln, schüttelte aber zugleich den Kopf. Ich kaufte Erdnüsse, „ibiyoba“, von zwei kleinen Jungs, die mit ihren großen Tabletts auf den Schultern die Straße hoch und runter laufen, bis sie ihre Ware los sind. Kleine Päcken, etwa drei mal drei Zentimeter groß, für 50 FB das Stück. Und sie schmecken vorzüglich.

 

Fortschritte und ein Unfall

 

Unser Französisch mach derweil Fortschritte, ebenso – wenn auch langsamer – unser Kirundi und Kisuaheli. Aber auch die Kids lernen Deutsch und Englisch. Sie sind dabei mit einem derart großen Lerneifer und Wissbegierde, die einem nur lobenswert scheint. Wir hoffe, hiermit wirklich etwas erreichen zu können. Es sieht auch ganz danach aus.

 

Ach ja, einen Unfall haben wir übrigens auch gesehen. Die große Straßenkreuzung, die wir passieren müssen, um zu „Chez André“ zu gelangen, ist extrem gefährlich, weil die Autos aus zig verschiedenen Richtungen kommen. Jedenfalls bretterte ein Jeep (ausnahmsweise nicht die UN) an uns vorbei den Berg runter. Als wir noch etwa 200 oder 300 Meter von der Kreuzung entfernt waren, hörten wir es krachen. Wir kamen hin, eine Menschenmenge war versammelt, der Jeep hatte den Warnblinker eingeschaltet und ein Motorrad lag gut zerfleddert auf der Straße – ebenso ein junger Mann, der am Kopf blutete und gerade von zwei anderen auf den Rücksitz eines Taxis gehievt wurde. So läuft das hier. Krankenwagen haben allenfalls die UN, muss einer ins Krankenhaus, wird ein Taxi gerufen.

 

Chance auf ein Leben (?) – Wir wollen es versuchen

 

Noch zum Thema Krankenhaus. Schrieb bereits die Geschichte des kleinen Jimmy, der 13-Jährige mit dem Herzfehler, der unbedingt operiert werden muss, da er sonst keine 20 Jahre alt wird. Verena hat sämtliche Befunde und Infos über ihn zusammen gesucht, ich habe diese heute kopiert und wir werden sie in den kommenden Tagen an einen befreundeten Chirurgen nach Deutschland schicken. Er hat sich bereit erklärt, sofort und spontan, sich zu erkundigen, welche und ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt. Falls es eine Chance gibt, wollen wir unsere Idee und unser Vorhaben in die Tat umsetzen… Spenden sammeln, wo es geht und die OP in Deutschland für Jimmy ermöglichen. Falls das klappen würde, wäre es ein wahnsinnig großer Erfolg. Aber ich möchte mich, so sehr ich auch gern würde, nicht in eine Sache hinein steigern, die noch auf so wackligen Füßen steht und am Ende vielleicht keine Chance hat. Aber wir hoffen alle und wollen nichts unversucht lassen. Martina aus Köln gab ihr „Ok“, Verena ist sowieso dafür und wir anderen setzen alle Hebel in Bewegung, die wir haben. Bevor ich die Befunde allerdings nach Deutschland schicken kann, muss uns ein mit Verena befreundeter Arzt erst noch die Diagnose in leserliches Französisch schreiben. Auch die Ärzte hier haben eine Sauklaue, wie sich herausgestellt hat. Aber die Zeit drängt.

 

22.43 Uhr. Ich könnte noch einiges schreiben, doch mir fallen die Augen zu. Morgen ist auch noch ein Tag, ich krieche nun unter mein Moskitonetz. Um 6 Uhr ist schließlich wieder taghell und draußen halligalli, wenn die Kids in die Schule aufbrechen. Ijoro kiza (Gute Nacht).

 

 

Donnerstag, 23. November 2006. 9.06 Uhr burundische Zeit. Frühstück war ausgiebig mit „Graubrot“ – eine Art Vollkornbrot –, Erdbeer- und Brombeermarmelade vom burundischen Land, Honig (von echten burundischen Bienen J), Avocado, Zitrone und Obstsalat – bestehend aus Mango und Ananas. Gesund und sättigend. Jetzt wollte ich noch die Notizen, die ich mir gemacht hatte, ins Tagebuch übertragen. Ich entspreche hier in Burundi dem typischen Klischee des Journalisten: mit Kugelschreiber und kleinem Notizblock in der Hand. Aber anders kann ich die vielen Eindrücke und fremdsprachigen Ausdrücke, die wir beinahe täglich lernen, nicht behalten.

 

Noch ein Nachtrag zur Reise unserer Trommler nach Addis Abeba. Verena flog am Dienstag vergangener Woche nach Äthiopien und kehrte am Sonntag zusammen mit den Kids zurück – der Stolz war allen ins Gesicht geschrieben. Es waren zwei Veranstaltungen in den prunkvollen Gebäudekomplexen der UN. In Addis steht anscheinend auch das größte Zentralgebäude von ganz Afrika der Vereinten Nationen. Für die Jungs aus dem Straßenkinderheim war es die erste Reise überhaupt, das erste Mal, dass sie aus Burundi hinaus kommen – und zwar nicht als Flüchtling, Vertriebener, sondern einer offiziellen Einladung zu einer kulturellen Veranstaltung folgend. Auch das eine neue Erfahrung. Man wird herbei gewünscht. Bislang wurde man nur weggeschoben und beiseite gedrückt.

 

Einer der Trommler konnte aufgrund eines technischen Defekts im Passamt nicht mit. Seine Niedergeschlagenheit braucht nicht mehr vieler Worte. Die Jungs hatten vor der Reise allesamt einen Pass bekommen, den sie bislang noch nicht besaßen. Wofür auch?! Dafür mussten dann erst einmal Geburtsurkunden erstellt werden. Und laut Verena gibt es kein verhängnisvolleres Unterfangen als das genaue Geburtsdatum der Kinder herauszufinden! Jedenfalls streikte irgendwann die Computerapparatur, die die Pässe ausgibt – und einer der Jungs musste trotz aller Anstrengungen und Bemühungen hier in Bujumbura bleiben. Er wird eine Entschädigung bekommen. Vielleicht verreist er sogar mit uns vier, wenn wir mal eine Tour nach Tansania, Ruanda oder sonst wo hin machen. Mal sehen.

 

Jugend und Politik – und ein Festessen

 

Die erste Veranstaltung in Addis hatte den Titel „Speak Africa“. Hierfür erhielten wenige Jugendliche in jedem afrikanischen Land einen Schnellkurs zur Journalistenausbildung. Die besten eines jeden Landes durften mit nach Äthiopien und dort mit Politikern sprechen, sie interviewen und so fort. Es muss ein wahnsinniges Aufgebot gewesen sein, Jugendliche aus dem gesamten afrikanischen Kontinent, von Nord- bis Südafrika, von Westafrika bis Madagaskar waren anwesend. Und mitten drin unsere Jungs in ihren traditionellen grün-rot-weißen Gewändern und ihren großen Trommeln als kultureller Programmpunkt.

 

Zweite Veranstaltung war „Youth and leadership“, die zur Entwicklung des afrikanischen politischen Denkens beitragen soll. Eine offene Bühne für jugendliche Sprecher, die sich zu Wort melden können, dürfen und sollen und dabei direkten Kontakt mit den großen Politikern bekommen. Demokratisches Denken, politisches Verantwortungsbewusstsein, ein Klarwerden über die Rechte und Pflichten der Jugend, sowie die dazu gehörige Unterzeichnung der „Charta für die Jugend“ waren die Programmpunkte und Ziele dieses „African Development Forum“. Auch hier unsere Trommler neben Theaterstücken, Tänzen und anderen Darbietungen ein kulturelles Highlight. Einem der Trommler schüttelten sogar Kofi Annan, der Noch-UN-Generalsekretär, und Äthiopiens Präsident die Hand. Verena erzählte, sie wollte es gerade fotografieren, als sie buchstäblich von einer Meute Fotojournalisten über den Haufen gerannt wurde. Europäische Presse sei anscheinend nicht anwesend gewesen, meint Verena. „Ist ja nur Afrika.“ Falls in deutschen Zeitungen wider Erwarten dennoch ein Bild gesichtet werden sollte, bitte Bescheid geben – oder noch besser: Artikel aufheben!!! Die Kinder hier würden ein zweites Mal vor Stolz platzen, sich in einer Zeitung zu sehen.

 

Die Unterbringung in einem Hotel, das tägliche Festessen und ein Tagesgeld, das die UNICEF zahlte, waren, so denke ich, das Highlight für die Trommler in ihrem bisherigen Leben. Verena schmunzelt, als sie erzählt, dass die Jungs am letzten Abend noch mal extra viel Essen in sich hinein stopften und sogar sagten: „Das muss noch für die nächsten zwei Wochen reichen!“ Fleisch, was es hier vielleicht ein Mal im Jahr gibt, so viel Essen, wie man möchte, noch dazu von einem Büffet, pompöse Kuchen und Torten wie Schwarzwälder Kirsch und Konsorten – zum ersten Mal live gesehen und höchstwahrscheinlich auch für die nächste Zeit das letzte Mal. Ich kann mir nicht richtig vorstellen, was in diesen jungen Köpfen vor sich ging und nach wie vor vorgeht. Diese Dinge sind für uns Europäer so selbstverständlich geworden, dass wir sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Klar bemerkt man beispielsweise an einem Geburtstag: „Oh, das ist aber eine schöne Torte!“ Aber ich bin mir sicher, nicht jeder weiß zu schätzen, was er da vor sich hat und kann es wirklich, wirklich genießen. Das ist kein Vorwurf an unsere Gesellschaft – zu der ich mich selbstredend dazu zähle. Niemand kann etwas dafür, wo er geboren ist, welches Umfeld, welche Mittel man hat, welche Erziehung man genießt. Das ist das Leben, so ist die Welt. Aber wofür man etwas kann, ist, seinen eigenen Horizont zu erweitern, sein Denken vielleicht etwas feinsinniger zu gestalten. Daran denken, dass es auch anders aussehen könnte, dass es Flecken auf der Erde gibt – und zwar mehr als andere – wo Strom und Wasser nicht immer vorhanden sind, wenn man sie gerade benötigt. Vielerorts auch überhaupt nicht. Ein Gespür dafür zu entwickeln, dafür kann man etwas tun. Wo man geboren ist, liegt nicht in der eigenen Hand. Aber was man damit anstellt, das schon.

 

Was ich letzten Endes damit sagen möchte, ist, dass unsere Entscheidung, hier her nach Burundi zu gehen, die richtige war. Wir tun Gutes – und sensibilisieren damit uns selbst für diese oft triste Welt, eine afrikanische Welt, in der doch so viel Potenzial steckt. Man hat das Gefühl, es ist ein zu schwaches Küken, dem man helfen muss, die Schale aufzubrechen. Aber ist es erst einmal geschlüpft, wird es der stolzeste, kräftigste Hahn, dem es an nichts fehlt. Aber ich denke, genau hier liegt das Problem. Denn da sind ja schließlich schon die großen anderen Hähne Europa und USA…

 

Buch- und Filmtipp

 

Emmanuel, der Heimleiter der Jungs hier im „Centre Uranderera“ (unserem Kinderheim), schaute sich gestern mein Buch über die Geschichte Ruandas und Burundis an. Das bisschen, das er sich aus den Bildern und Jahreszahlen zusammenreimen konnte, reichte aus, um zu schlussfolgern: „Philipp, Afrique est malade.“ („Afrika ist krank.“). Wie recht er hat. Und die Medizin haben die anderen Hähne. Wer sich ein bisschen für Geschichte interessiert – noch dazu für die der ehemals deutschen Kolonien Ruanda und Burundi –, der sollte sich das Buch von Helmut Strizek: „Geschenkte Kolonien“ besorgen. Dort steht die Geschichte von der „Kongo-Konferenz“ unter Bismarck Ende des 19. Jahrhunderts bis zum aktuellen burundischen Präsidenten Nkurunziza beschrieben. Anfangs etwas harter Tobak mit der Geschichte und den vielen Namen, dann aber mehr und mehr interessant. Wenn ich schon bei den Medientipps bin…Ein Film, den sich aber nicht jeder anschauen sollte. „Hotel Ruanda“, die Geschichte des ruandischen Genozids von 1994 und das gesamte Desaster. Bereits als Videokassette oder DVD zu haben. Ein schrecklicher Film – und zwar aus dem Grund, dass alles wahr ist und gerade mal gut zehn Jahre her. Sehenswert, weil bewusstseinserweiternd. Aber bitte nur an Tagen mit starken Nerven. Das ist nicht nur so daher geredet.

Grüße an alle Leser

November 20, 2006

Ich wollte mich zwischendurch einmal für die ganzen lieben, vielen, vielen Reaktionen bedanken. Ich bekomme Mails - und lese die Kommentare auf dem Blog regelmäßig. Leider kann ich aber nicht immer auf die Beiträge antworten, da mir die Zeit und die technische Möglichkeit schlichtweg fehlen. Ich freue mich aber wirklich sehr über diese überwältigende Anteilnahme. Wir denken viel an daheim, an die Leute und was so alles “abgeht” in Deutschland.

Das Leben in Burundi ist schön. Wir gewöhnten uns schnell an alles hier, gehen schon alleine auf den Markt und solche Dinge. Zudem sind wir schon bekannt wie bunte Hunde *lach* Aber vor allem: Man lernt das Leben in Deutschland schätzen. Jedoch nicht alles, was ich anmerken muss. Vieles ist hier bei weitem lobenswerter als in Deutschland. Manche Dinge gehen vielleicht aus den Beiträgen im Tagebuch hervor. Andere erzählen wir, wenn wir wieder zu Hause sind.

Vor allem leben wir hier gesünder. Süßigkeiten gibt es kaum, d.h., es gibt sie schon, aber wir kaufen sie nicht. Zum einen wollen wir nicht, zum anderen kosten sie unheimlich viel, weil importiert. Hauptsächlich Gemüse und viel, viel Obst gibt es hier - auch für uns. Und das alles noch viel günstiger als in Deutschland. Logisch, wird ja hier angebaut. Eine Mango - um sich das mal klar zu machen - kostet hier 100 Burundi-Franc. Zur abermaligen Erinnerung: 1 € = 1.300 Burundi-Franc. Fünf Zitronen kosten 300 FB, fünf Tomaten ebenfalls, eine Hand voll Karotten 200 FB, drei Ananas sind für 900 FB, also nicht mal ein Euro, zu haben. Wir kaufen übrigens ab jetzt, wo wir es gewohnt sind, nur noch auf dem Markt. Hier ist alles um die Hälfte billiger als in den Geschäften.

Zum Abschluss noch ein “Programmhinweis”:

Jeden Sonntag gibt es auf www.ka-news.de einen Artikel der “Burundi-Serie” zu lesen - sofern ich mit dem Schreiben hinterher komme. Drei oder vier sind bereits erschienen, können aber immer noch nachgelesen werden. Besonders stolz macht mich, dass diese Artikel auch erscheinen, wenn man in “Google-News”, der Nachrichtensuchmaschine von “Google”, “Burundi” eingibt.

Wir freuen uns über jede Zeile und jeden Gruß aus der Heimat. Ganz liebe Grüße aus Bujumbura, einer ereignisreichen, lebvollen und unglaublichen Stadt.

Neuigkeiten aus Burundi (VII)

November 19, 2006

Samstag, 18. November 2006. 22.29 Uhr burundische Zeit. Lena und ich sind gerade ins Heim zurück gekommen, bzw. Benoit hat uns gefahren. Er hatte uns heute Abend zum Essen eingeladen, in das Bistro, in dem wir jetzt schon einige Mal waren. Mit dem von Bastzaun eingezäunten Garten. Haben heute Abend auch erstmals mit den Bedienungen richtig Bekanntschaft gemacht – Nadine und Dea sind ihre Namen. Nadine ist hier ein sehr häufiger Name und auch Dea passt in die burundische Namensgebung – in Dankbarkeit an Gott (Deo). Der Abend war wieder sehr witzig, wir haben mit Benoit allerhand gelacht.

 

Um 19 Uhr waren wir im „Chez André“ verabredet. Als wir ankamen, wartete Benoit bereits an der Bar auf uns. Er unterhielt sich gerade mit Dr. Minani, „einem sehr guten Freund“, wie er ihn uns vorstellt. Dr. Minani ist, wie Benoit selbst, Politiker, er war einst Chef derjenigen Partei, dessen Präsident 1993 ermordet wurde. Heute besitzt er ein Hotel in Bujumbura und ist mit einer Tunesierin, die ebenfalls an der Bar sitzt, verheiratet, die er während seines Studiums kennen gelernt hatte. Wir nehmen ein Stück weit entfernt an der Bar Platz, trinken etwas und warten auf Benoits Zeichen, dass wir abhauen können.

 

Lena und ich lassen uns einen „brouchette de boef“ schmecken – einen Rindfleischspieß, sie mit Pommes, ich mit gebackener Banane, dazu gemischter Salat und natürlich Pili Pili, die sehr scharfe Chilipaste. Plötzlich schnappen Julia und Marie nach Luft, sie haben aus Versehen ein bisschen von der Paste erwischt – und vertragen normalerweise nichts Scharfes. Wasser stillt den Brand J und Benoit lacht, ehe er sich besorgt um das Wohlergehen der beiden erkundigt. Als Appetitanreger wurden übrigens wieder „ibiyoba“, frisch geröstete Erdnüsse, serviert, wie sehr häufig üblich. Die kleinen Dinger machen süchtig.

 

Benoit – eine Type zum Gernhaben

 

Im Anschluss an das sehr leckere Essen fahren wir weiter in die Hotelbar, in der wir schon einmal gewesen sind – direkt am Tanganyikasee. Keine Sekunde vergeht ohne Gesprächstoff. Benoit ist wirklich ein sehr intelligenter, aufgeschlossener und ebenso humorvoller Mensch, der einen begeistern kann. Seine Denkweise und Art leuchten mir ein, ich kann sie gut nachvollziehen und er bringt einen beinahe automatisch zum Lachen. Ein herzensguter Mensch. Ich trinke ein kleines Amstel-Bier.

 

Im Anschluss fährt Benoit Lena und mich nach Hause, Lena ist ziemlich müde und erschöpft und ich will sie nicht alleine lassen. Marie und Julia fahren noch weiter, ins „Havanna“, den Club, in den wir vergangene Woche schon waren. Ich denke, das ist okay, sonst würde sich Benoit schon zu Wort melden. Soweit ich weiß, geht er sogar noch ein bisschen mit den beiden tanzen. Auch das hätte keiner von ihm erwartet. Während des Essens gab er zu, Verena zu vermissen, die erst morgen (Sonntag) wieder aus Addis Abeba zurückkehrt. Auch das eine Seite, die man von Benoit nicht erwartet hätte. Zumindest, dass er sie zeigt. Er sagt auch, dass er voraussichtlich Ende des Jahres nach Europa fliegen müsse. Zwei von uns sollten doch dann bitte in seinem Haus bei Verena schlafen, dass sie nicht allein sei. Wir finden seine Bitte rührend und werden ihr auch bei Zeit nachkommen.

 

Lena und ich kommen zurück ins Heim – und siehe da, es brennt noch Licht! Der Strom wurde heute nicht abgeschaltet. Warum, das steht in den Sternen. Wahrscheinlich, weil es heute Mittag so stark geregnet hat und die Staudämme wieder gut produzieren können. Ich bin mal gespannt auf die Trockenzeit, wenn es überhaupt nicht regnet…

 

Ein anstrengender Tag

 

Der Tag war recht anstrengend. Gegen 5.30 Uhr wurden Lena und ich von dem Gemecker eines Ziegenbabys, das anscheinend nach der Mutter rief, geweckt. Hart, nachdem wir am vergangenen Abend erst gegen 23 Uhr nach einer Runde „Skopa“, dem Kartenspiel der Mafiosi, ins Bett gefallen sind. Den Tag über machte ich endlich meine Jahresplanung, was alles an Artikeln möglich wäre und wann ich sie angehen kann, bzw. will. Julia machte sich daran, mit einem an die Wand gemalten Obstkorb die bislang trist wirkende Küche aufzupolieren, Marie gab einen Deutschkurs und Lena brachte die Jahresabrechnung der Fondation Stamm zum Abschluss – pünktlich, bevor die „Chefin“ am Sonntag aus Äthiopien zurück kommt.

 

Ich bin nachmittags mit Julia und Marie und außerdem Clothilde, der Betreuerin der Mädchen im Heim, zu einer Theaterprobe in die Stadt gelaufen. Clothilde ist Studentin der Pädagogik hier in Bujumbura, arbeitet nebenher im Heim und schreibt in ihrer Freizeit gerne Gedichte und Theaterstücke. Eines davon probt die 26-Jährige gerade mit einigen Mädchen aus dem Heim und wenigen Jungs aus dem Straßenkinderheim ein. Ein Krippenspiel für Weihnachten. Wir schauen etwa eine halbe Stunde zu, verstehen leider kein Wort, da das Stück in Landessprache gehalten ist, und verabschieden uns wieder, da noch ein bisschen Arbeit auf uns wartet.

 

Unglaubliche Preise und waschechter Geschmack

 

Ich mache mich gleich auf den Heimweg bergauf, Julia und Marie beschließen, noch auf dem Markt einige Dinge wie Obst und Gemüse einzukaufen. Ich entscheide mich, nicht mitzugehen, da ich meine Kamera bei mir trug – was mit Sicherheit nicht ohne Komplikationen abgelaufen wäre. Zumindest riet mir Verena, mit einem einheimischen Begleiter loszuziehen, wenn ich Fotos machen wolle. Ich halte mich daran und möchte nichts unnötig provozieren. Jedoch nicht mit einem unwohlen Gefühl, die beiden alleine auf den Markt los zu lassen. Als sie zurück ins Heim kommen, sagen sie aber, es sei ohne Probleme abgelaufen. Von den Preisen, die sie erzählen, wird man beinahe erschlagen – im positiven Sinne. Der Markt ist in allem mindestens die Hälfte günstiger als die Geschäfte, in die wir bislang einkaufen gingen. Ein paar Beispiele (zur Erinnerung: 1 € = 1.300 FB): Kaffee (500 Gram) kosten 1.500 FB. Im Geschäft etwa 3.000 FB. Fünf Mangos für 500 FB, eine Tüte voll Maracujas für 300 FB, eine Avocado für 100 FB und drei Ananas für 900 FB. Es treibt einem die Tränen in die Augen, wenn man daran denkt, was diese Dinge in Deutschland kosten. Und noch dazu der Geschmacksunterschied!!!

 

Gestern, Freitag, war ich wieder mit den größeren Jungs Basketball spielen. Fulgence, der am besten spielt, Thierry – ebenfalls sehr gut am Ball –, Elias und Ernest waren anfangs dabei, nach und nach kamen noch andere nach. Der Platz war dieses Mal ein anderer, nicht der „jardin publique“ hinter „Chez André“, sondern etwa 200 Meter in die andere Richtung hinter dem Heim. Der Platz ist besser, sogar die Spielfeldlinien sind eingezeichnet. Einziges Manko: Das Spielfeld liegt in der prallen Sonne. Ich mache zwei Spiele mit – jeweils bis 20 Punkte – und setze mich dann zu den nachgekommenen Kleinen in den Schatten. Kein Problem, denn seit wir mit dem Basketball aufgetaucht sind, wuchs die Zahl der Zuschauer und der spielwilligen Jugendlichen. Einige kennen „unsere“ Jungs, vielleicht Schulkameraden, andere wohnen einfach nur in diesem Viertel, in dem ich auch ganz einfach gehaltene Mehrfamilien ausmache. Ein Junge trägt ein T-Shirt der GTZ („Gesellschaft für technische Zusammenarbeit“), mit der burundischen und deutschen Flagge darauf. Ich denke aber nicht, dass er weiß, was auf seinem Shirt steht.

 

Besonders witzig fand ich die ersten Minuten auf dem Platz. Kaum wurden wir bemerkt, kam ein Mädchen auf uns zu, schnappte sich den Ball, drippelte ein wenig herum und führte die Jungs vor. Sie hatte eine kunstvolle Frisur und recht neue Sportkleidung von Nike – ein Kind reicher Eltern, nehme ich an. Aber genau so verhielt sie sich auch. Anscheinend gibt es dem Beruf „Tochter“ auch hier in Burundi. Nach einer Weile und zig versenkten Körben geht sie auf die andere Seite zum zweiten Korb und wartet auf ihre in nicht weniger teuren Sportklamotten steckenden Freundinnen. Sie spiele im Verein, ist das einzige, was ich mit ihr rede. Sie ist mir unsympathisch, den Jungs scheint es genauso zu gehen. Aber endlich ist sie weg und wir können unsere Spiele machen.

 

Nach kurzer Zeit stehen unzählige Jungs jeden Alters um uns herum. Kameradschaftlich wird ausgewechselt, jeder darf spielen. Fairness wird hier groß geschrieben – keiner darf zu kurz kommen. Ich steige nach zwei Spielen aus, flüchte in den Schatten und erteile zwei, drei Jungs einen spontanen Deutschkurs. Oder englisch, was sie gerade fragen wollen. Gegen 17 Uhr sind wir zurück, jetzt wird gekocht. Kartoffeln mit Gemüse stehen auf dem Plan. Zwiebeln, Karotten, Tomaten. Es schmeckt herrlich. Danach „Skopa“ und wir sind fix und fertig – wie beinahe an jedem Tag hier in Burundi.

Neuigkeiten aus Burundi (VI)

November 16, 2006

Immer noch 12. November 2006. Ich weiß zwar nicht, wie ich auf den Namen gekommen bin, aber ich war noch nie in einem Club namens „Amadeus“. *lach* Keine  Ahnung, was mich da geritten hat. Wir waren gestern jedenfalls im „Havanna“. In der Zeitung würde man so etwas „Berichtigung“ nennen. Na ja. Passiert.

 

Heute Abend war ich zusammen mit Lena unten bei Verena. Habe es endlich geschafft, wenigstens ein paar Bilder online zu stellen. Die Internetverbindung ist wirklich zum Haare raufen. Schwankt zwischen 33 kBit/s und in guten Zeiten 52 kBit/s. Diejenigen, die mit diesen Angaben etwas anzufangen wissen, können jetzt ruhig schmunzeln. Haha. Aber wie gesagt, man lernt, sich mit den Dingen zu arrangieren. In diesem Falle ist es aber wirklich eine harte Geduldsprobe, das gebe ich zu. Die meisten Bilder gibt es eben dann erst zu sehen, wenn Lena und ich wieder da sind. Bonne nuit!

 

Dienstag, 14. November 2006. 12.57 Uhr nach deutscher Zeit, kurz vor 14 Uhr in Burundi. Gerade wollte ich von Verenas Büro, wo Lena und ich ihr zur Hand gehen, hoch ins Kinderheim laufen. Doch ein kleiner Wolkenbruch kam mir dazwischen. Jetzt muss ich eine Weile warten, bis ich den Berg hoch kann, mich umziehen. Eigentlich steht heute Basketballtraining mit den größeren Jungs – allen voran Jimmy, Thierry, Fulgence – an. Am Eingang des Häuschens, in dem wir Freiwilligen wohnen, haben wir ein von Lena gebasteltes Schild aufgehängt. Darüber steht „Aujourd’hui:“ und darunter sind Kartonkärtchen zum Wechseln. Aufschriften sind: Choer, Guitare, Anglais, Allemand, Bricoler (Basteln) und Basketball. So haben die Kids fast die ganze Woche ein bestimmtes Angebot, das sie bei Interesse wahrnehmen können. Man könnte es fast Animation nennen. *lach* Die Kurse sind meistens abends – bis auf Basketball –, weil die Kinder tagsüber schichtweise zur Schule gehen. Die Größeren fangen morgens an und kommen gegen 14 Uhr zurück. Die Kleineren gehen dann nachmittags, nach dem Mittagessen. Das variiert zwischen Maisbrei (erinnert von der Konsistenz an Knödel) mit Bohnen und Weißkohl, Reis mit Bohnen oder Reis mit Gewürzen. Ich werde mir das Heim-Essen heute auch schmecken lassen, bevor ich Basketball spielen gehe. Ich hoffe, der Platz trocknet schnell. Normalerweise ist das aber der Fall.

 

Lena sitzt noch am Computer und kümmert sich um die Jahresabrechnung der Fondation. Klappt gut – so verbessern wir auch unser Französisch selbst auf der Verwaltungsebene. Verena ist heute gegen 13 Uhr zum Flughafen. Sie fliegt nach Addis Abeba, Äthiopien, bis Sonntag, um den Vorstellungen „unserer“ Trommler aus dem Straßenkinderheim beizuwohnen. Es ist ein großes Ereignis für unsere Jungs, das erste Mal in ihrem Leben, aus Burundi hinaus zu kommen. Noch dazu zu einem so großen Ereignis. Es ist ein Afrika-Festival, bei dem sich viele afrikanische Nationen in Addis Abeba treffen und eine Woche lang kulturelles Programm liefern. Die Trommler aus unserem Straßenkinderheim wurden von der UNICEF eingeladen und bekommen Flug und Hotel bezahlt. Anscheinend kommen dorthin auch allerhand afrikanische Politiker und Stars. Ich bin gespannt auf Verenas Erzählungen, wie viel Presse, Fernsehen und Co. vor Ort waren. Vielleicht eine Chance für den ein oder anderen Straßenjungen.

 

Gestern arbeiteten Lena und ich schon den ganzen Tag in Verenas Büro. Lena kümmerte sich, wie erwähnt, um die Jahresabrechnung; ich tippte die Neuaufnahmen des Waisenheims in den PC. Zur Aufnahme wird eine Art „Steckbrief“ erstellt, mit Alter, Herkunft und einigen anderen Daten der Kinder. Diese Daten fasste ich zusammen und fügte einen Fließtext hinzu, der jedes Kind beschreibt. Das ist für eventuelle Patenschaften, dass Interessenten sich einen Überblick verschaffen können, um dann ihr Patenkind aussuchen zu können. Die Formulare weisen aber noch allerhand Lücken auf, sodass ich mir einige Fragen überlegte, aufschrieb und in den kommenden Tagen an die Kinder stellen werde. Die Texte werde ich dann noch vervollständigen und Verena aushändigen. Zusammen mit einem entsprechenden Foto eines jeden Kindes.

 

Ein ähnliches Projekt schwebt mir vor. Und zwar möchte ich die Daten, Lebens- und Leidensgeschichten aller Kinder bei uns im Heim aufschreiben. Vielleicht gibt es dann irgendeine Möglichkeit, diese zu veröffentlichen – in welcher Art und in welchem Maßstab auch immer. Aber ich halte es für eine gute Idee und werde das auch angehen.

 

14.16 Uhr burundische Zeit. Eine Viertelstunde ist also vorbei. Der Regen hat aufgehört, ich mache mich nun auf den Weg ins Heim. Werde heute Abend weiter schreiben und hoffe, dass mir dann noch alle Gedanken präsent sind, die mir im Kopf schweben. A bientôt! Oder wie man auf Kirundi sagt: Ni agasaga! (Wiedersehen!)

 

Mittwoch, 15. November 2006. 16 Uhr, burundische Zeit. Habe nun endlich wieder Zeit gefunden, weiter zu schreiben. Wollte eigentlich gestern Abend schon, es gab dann aber zu viel zu tun. War erst mit den Jungs Basketball spielen, nachdem es aufgehört hatte zu regnen – das hatte ich ihnen versprochen. Danach musste ich noch Wäsche waschen, mit den anderen kochen etc.

 

Das Basketballspiel war richtig gut. Spielten drei gegen drei. Die Jungs sind richtig auf Trab. Der Beste ist Fulgence, auch Thierry ist nicht ohne. Ich habe noch den Vorteil, dass ich ein Stück größer bin als sie. Aber es hat richtig Spaß gemacht. Zuerst waren wir nur aus dem Heim, nach einer Weile hatten wir Zuschauer und zwei fremde Jungs fragten, ob sie mitspielen könnten. Das taten sie dann auch. Ich muss sagen, es ist hier, von der Mentalität, wie auf den deutschen Basketballplätzen. Man spielt mit- oder gegeneinander, ob man sich kennt oder nicht. Nach dem Spiel bedankt man sich, schlägt ein und verabschiedet sich wieder. Am Freitag werden wir wieder spielen. Die Sonne hielt sich gestern zum Glück etwas zurück, auch durch den vorherigen Regen hatte es etwas abgekühlt. Die Bedingungen waren also optimal – aber konditionell immer noch anstrengender als in Deutschland. Der Platz liegt auch im Schatten großer Bäume.

 

Der Platz liegt etwa zwei Kilometer vom Kinderheim entfernt. Man muss durch einen kaputten Stacheldraht schlüpfen, dann steht man in einer Art großem Park. Es sieht aus wie ein verwucherter Schlossgarten. Würde man hier mal mähen und alles etwas stutzen, würde das richtig klasse aussehen. Der betonierte Platz liegt dann mitten im Grünen. Viel Dreck ist drauf, man sieht danach dann etwas dunkler aus als vorher *lach*. Die Körbe sind aus Eisenstangen – die selben, die man von Baustellen kennt, die aus dem Beton herausragen. Die sind einfach rund gebogen und an einem Bretterverschlag befestigt. Es lässt sich aber gut spielen. Die Jungs hier spielen bis 20. Zwei Spiele haben wir gemacht, dann fing es wieder an zu regnen und wir machten uns auf den Heimweg. Unterwegs kamen wir noch bei „Chez André“ vorbei, wo Lena die Jahresabrechnung der Fondation fertig machte.

 

Bevor ich es vergesse, muss ich noch die Geschichte von Montag Abend erzählen. Weil Lena und ich den ganzen Tag Verena im Büro halfen, waren wir noch bis abends dort. Dann kam Verena herein und meinte, Benoit hätte sie angerufen, wir sollen doch in das Bistro kommen, wo wir schon ein paar Mal zusammen waren. Wir nahmen die Einladung an, unsere Mägen knurrten doch schon ein wenig. Wir fuhren als zusammen ein, zwei Viertel weiter und saßen unter dem grüngelben Pavillon mitten im Grünen. Eine richtig schöne Atmosphäre, ein Garten umgeben von einem Bastzaun.

 

Hochzeit in Burundi

 

Jedenfalls war die Stimmung total gut. Wir kamen – ich weiß nicht mehr, wie – auf das Thema Hochzeit in Burundi. Ich glaube, weil vergangenen Samstag gerade eine im „Chez André“ gefeiert wurde. Jedenfalls erzählte Verena, dass eine burundische Hochzeit drei Phasen habe. Die erste: Der Mann geht – ganz altmodisch – zur Familie der Braut und sagt, wie schön doch die Tochter sei, dass er total verliebt sei und sie gerne heiraten wolle. Wird dem zugestimmt, folgt Phase zwei: Beide Familien treffen sich zu einem gemeinsamen Essen oder Drink. Die eine Familie sitzt auf der einen, die andere auf der Seite gegenüber. Jedenfalls folgt dann reihum eine Diskussion, wie viel die Braut denn „wert“ sei. In Kühen oder aber in einem Gegenwert wie Geld. Eine Kuh ist umgerechnet etwa 300 Euro wert. Die Bräutigam-Familie sagt, dass der Mann doch so schön sei, um die Frau umsonst zu bekommen. Das passt den anderen natürlich überhaupt nicht und will einen Preis wissen – oder schlägt einen vor. So geht das eine Weile in groß geschwungenen Reden hin und her, bis man sich – in der Regel – auf drei Kühe oder den entsprechenden gegenwert einigt. Der Clou an dem ganzen Theater: Der „Preis“ steht schon vorher fest. Die Kuh steht bereits vor der Hütte oder der Gegenwert ist in einem Körbchen gerichtet. Alles nur zur Show. Aber verdammt wichtig! J Dann folgt schließlich Phase drei – die Hochzeit, in der die Braut „übergeben“ wird. Die Braut-Familie bekommt die Kühe oder Geld, weil ja schließlich die Frau für immer das Haus verlässt, ihre Familie also „Ersatz“ beanspruchen kann.

 

Früher war es anscheinend so, dass während Phase drei, der Feier, die Braut die gesamte Zeit über „versteckt“ bleibt, quasi nicht an der Feier teilnehmen darf – bis die Party aus ist und der Bräutigam mit ihr verschwinden will. Heutzutage sei das aber nicht mehr so, versichert Verena.

 

Auf jeden Fall, um auf unser Gelächter an diesem Abend zurück zu kommen, haben wir uns diese Art der Prozedur auch in Deutschland vorgestellt – dass ich Lenas Familie einige Kühe anschleifen muss. Es war Situationskomik, ich kann das nicht Wort für Wort wiedergeben. Fest steht nur, dass wir alle vier Tränen in den Augen hatten. Und mit den Kühen fing alles erst an.

 

Burundis Eigenarten – zum Heulen

 

Wir witzelten über allerhand Eigenarten der Burunder, die wir bislang erlebt haben. Beispiel eins: Handeln ist hier Pflicht. Auf dem Markt, in den (meisten) Geschäften, egal wo. Wenn man einen Preis hört, der im ersten Moment total überteuert erscheint, klopfen sich die Burunder mit der Handoberfläche auf den Mund und geben ein Geräusch von sich, das sich anhört wie indianisches Kriegsgeschrei. Übrigens auch im Restaurant, wenn der Kellner die Rechnung bringt. Dann wird diskutiert…man stelle sich das mal in Deutschland vor!?!! Man geht in einen Laden und: „Waas?! Fünf Euro?!?! Huhuhuhuhuuu!“ *lach* Beispiel zwei: Es gibt hier Motorrad-Taxis. Die Sache läuft ganz normal, wie bei einem Auto-Taxi auch. Nur hat hier der Fahrgast die Möglichkeit, zu sagen: „Du sitzt hinten, ich fahre selber!“ Der Grund ist simpel: Die Motorradfahrer fahren mit einem entsprechenden Verhalten, dass einem Angst und Bange – oder schlecht – wird. Um dem zu entgehen, fährt man einfach selbst und entsprechend vorsichtig, nach eigenem Ermessen. Klingt logisch. Jetzt stelle man sich aber vor, man steigt in ein deutsches Taxi und sagt: „Rutsch rüber, ich fahre!“ !!?!?!?

 

Beispiel drei – noch mal im Restaurant: Möchte man etwas bestellen, fragen oder hat sonstige Wünsche an den Kellner/die Kellnerin, wird nicht höflich gerufen, sondern sich mit einem energischen Zischlaut, ähnlich einer Klapperschlange, bemerkbar gemacht. Je länger der Kellner zum Tisch braucht, desto hektischer und lauter wird dieses Zischen. Macht das mal in einem deutschen Restaurant!!! J

 

Um dem ganzen die Krönung aufzusetzen und das letzte Wasser aus unseren Tränendrüsen zu drücken, erzählte Benoit noch eine Geschichte die er am Mittag gesehen hatte. Neben den normalen Taxis und den Motorrad-Taxis gibt es in Bujumbura auch Fahrrad-Taxis. Auf jeden Fall habe er einen Jungen mit seinem Fahrrad gesehen, der sehr schmächtig war – etwas 50 Kilo. Der Fahrgast: 100 Kilo – mindestens. Der Junge hatte anscheinend schon einen roten Kopf, schwitzte und strampelte, was das Zeug hielt. Und dann kam der Berg. Sie fuhren darauf zu – und wie zu erwarten, kippte das Fahrrad vorne hoch, der Junge flog in einem hohen Bogen über den Dicken hinter sich auf die Straße. Und schließlich wollte er noch Geld. Mit Sicherheit gab das die ein oder andere Schürfwunde, aber die Situation ist endkomisch. Vor allem, wenn einem der Bauch eh schon vor lauter Lachen weh tut.

 

Noch etwas zu unserer Arbeit: Haben am Dienstag endlich ein Geschäft gefunden, das Gitarren und Basketbälle in einigermaßen guter Qualität und zu einem annehmbaren Preis anbietet. Haben beides gleich gekauft. Auf meinem Ball steht der Name der renommierten Firma „Spalding“ – aber das hat hier nichts zu heißen. „Pirate“ nennt man hier solche Fälschungen. Auf gut deutsch: Verarsche. *lach* Das Prozedere mit dem Handrücken und den Indianergeräuschen habe ich mir allerdings gespart. Noch.

 

Der Markt – eine Welt für sich

 

Heute Mittag waren wir erstmals auf dem Markt in der Innenstadt. Wer jetzt allerdings an die deutsche Version denkt, liegt völlig daneben. Markt bedeutet hier in der krassesten Variante: Menschenpulk, „Gerüche“ jenseits aller (deutschen) Vorstellungskraft, Dreck, Müll – aber auch Farbenvielfalt, Qualität und günstige Preise. Jeder Schritt wird natürlich vom üblichen „Muzungu“-Gerufe begleitet. Teils lieb oder einfach so gemeint, teilweise merkt man jedoch schon einen abschätzigen Ton darin. In so einem Falle regiere ich mit einem Lächeln und sage: „Oya muzungu. Umudage!“ Was soviel heißt wie, dass ich kein „Muzungu“ bin, sondern aus Deutschland. Wie gesagt – in einem freundlichen Ton, keinesfalls überheblich oder böse. Die Reaktion ist meistens ein überraschtes Gesicht – weil ich das Bisschen Kirundi verstehe und sprechen kann – gefolgt von einem erfreuten Blick: „Oh, ah, yego, un Allemand!“ – „Oh, ah ja, ein Deutscher!“ Ich hatte es, glaube ich, schon erwähnt, dass Deutsche und Deutschland hier immer noch positiv im Volksgedächtnis sind. Zur Erinnerung: Die deutschen Kolonialherren wussten nicht so recht, was sie mit der plötzlich erworbenen Kolonie irgendwo in Afrika anfangen sollten – und blieben entweder weg oder handelten höchstens mit den Einheimischen. Später führten die Deutschen noch das Schulsystem hier ein, was bis heute unvergessen geblieben ist. Die Bösewichte unter den Kolonialherren in Burundi waren dann die Belgier ab 1916. Ich sage immer, zum Glück blieb Burundi nicht lange unter deutscher „Herrschaft“, sodass sie gar nicht lange Zeit hatten, irgendwie negativ aufzutreten. In der deutschen Geschichte kam das ja oft genug vor. Zurück zum Markt.

 

Wir gehen mit Clothilde – das ist die junge Burunderin, die für die Mädchen im Heim zuständig ist. Sie studiert hier in Bujumbura Pädagogik und arbeitet nebenher mit den Kindern. Sie bot uns an, mitzugehen, das erste Mal, weil wir ja noch nie dort waren und immer nur alles mögliche über den Markt gehört hatten. Zudem wollten wir beim Handeln auf dem Markt zusehen und uns erst einmal einen Überblick darüber verschaffen, was die Händler verlangen und was man sich letztendlich an den Preisen gefallen lassen muss.

 

Wir gehen also zu fünft den Berg runter, nach 500 Meter über eine große Kreuzung, vorbei an „Belladone“, dem kleinen Lädchen, wo wir bislang eingekauft hatten, immer entlang der Rue Rwagasore (Prince Louis Rwagasore, der ermordete Prinzensohn). Hin und wieder hupt ein ohnehin schon gnadenlos überfülltes Taxi, ob wir uns nicht auch noch reinquetschen wollen. Dankend winken wir ab. Anscheinend ist es hier absolut unüblich, dass Weiße einen Schritt zu Fuß tun – außer vom Haus ins Auto und umgekehrt. Wir laufen. Auch ein Grund, warum uns die ganzen Torwächter entlang dieser Straße schon kennen und uns immer ein freundlich strahlendes „Ca va?“ („Wie geht’s?“) entgegen rufen. Ähnlich verhält es sich mit den Polizisten an der großen Kreuzung. Ach ja, biegt man hier übrigens nach links ab, ist es nicht mehr weit zur amerikanischen Botschaft. Merkwürdigerweise ist die in Bujumbura aber nur spärlich bewacht. Die Botschafterin, eine ältere, dünne, grauhaarige Dame, komme ab und zu auch mal in Verenas „Chez André“ zum Essen, erzählte uns Verena. Vielleicht lernen wir die Botschafterin ja noch kennen…

 

Nach etwa noch mal 500 Metern kommen wir an „Chez André“ vorbei. Die Torwächter grüßen uns natürlich wie ihre Kumpels. Ein merkwürdiger burundischer Gruß ist es, nicht etwa die Hand zu heben, wie bei uns. Sondern man streckt hier beide Hände schräg nach oben und vorne, als wolle man eine Schale empfangen. Wir passieren einige kleine, zusammen gebretterte Stände, die Zigaretten, Coca Cola, Süßigkeiten und andere Kleinigkeiten anbieten (eine Cola kostet hier 250 FB – zur Erinnerung: 1 € = 1.300 FB). Wer sich ein solches Ständchen nicht leisten kann, hat nur eine aufklappbare Kiste, ähnlich einem Bauchladen und stellt sich so an den Straßenrand. Das sind meistens kleinere Jungs zwischen 13 und 17 Jahren. In beiden Fällen ist es aber einer, der verkauft und mindestens drei, die darum herum stehen, das Zeug essen, rauchen oder einfach nur da sitzen und die Zeit verstreichen lassen.

 

Das unvorstellbare Treiben in Bujumburas Mitte

 

Die meisten Burunder, die an uns vorbei laufen – ob mit oder ohne einer Last auf dem Kopf – wird von uns gegrüßt. „Jambo“ (Kisuaheli“, „Waramutse“ (Kirundi) und „Bonjour“ wechseln sich dabei beiderseits ab. Viele sind verdutzt, wenn wir in der Landes- bzw. Handelssprache grüßen. Noch etwa ein Kilometer bis zu unserem Ziel: Dem Schmelztiegel „Markt“ in Burundis Hauptstadt – ein Getümmel unvorstellbaren Ausmaßes.

 

Hier mischt sich alles: an für sich duftender Curry mit Früchten, dazu der weniger liebliche Geschmack von Diesel, anderem Ruß, Fisch, Fleisch und allen möglichen Arten von Dreck. Mein erster Eindruck – man verzeihe mir den Ausdruck: geil!!! Die Menschen tragen hier alles mögliche auf dem Kopf durch die Gegend. Von der meterlangen Eisenstange (oder mehrere), über Bananenstauten, Körbe voller Ananas, Mango, Avocado, halbe Kühe, tote Hühner, Mehl-, Mais- und Reissäcke und und und. Es ist ein Treiben, das man eigentlich live erlebt haben muss. „Muzungu!“ höre ich es hinter mir und drehe mich um. Sofort umringen uns einige Jungs, die uns ihre unterschiedlichen Waren unter die Nase reiben. „Oya“, ist die unsere meist gegebene Antwort. Schlichtweg „nein“. So etwas wie „nein, danke“ oder eine derartige Höflichkeit existiert im Kirundi nicht. Zumal wurde uns ans Herz gelegt, ein etwas härteres Verhalten auf dem Markt an den Tag zu legen, sonst komme man nie vorwärts – und schon gar nicht mehr raus. Es schein mir, als würde hier die afrikanische Gelassenheit am Eingang des Markts abgelegt und erst wieder für den Nachhauseweg aufgenommen. Hektik, Diskussionen, Geschrei. Dazu immer wieder die wechselnden Gerüche – ob gut oder zum Nase rümpfen, sei jetzt mal dahin gestellt.

 

Noch geht’s

 

Wir gehen vorbei am „Mehlviertel“. Hier gibt es alles nur in riesigen Säcken. Meistens sind es Frauen, die hier sitzen. Alle grüßen freundlich. Weiter geht es, vorbei an verschiedenen Gemüse (Lauch, Zwiebeln, Paprika, Salat, Gurken, Avocado, Knoblauch, Pili Pili – das superscharfe Zeug, das sie hier aufs Essen tröpfeln und streuen – vergleichbar mit dem roten Pulver beim Döner oder aber in Breiform wie beim Chinesen), Obst (Bananen, Ananas, Mango, Orangen, Zitronen, Papaya) und Gewürzsäcken. Kleine Jungs, Männer und Frauen sind gemischt an den Ständen. Draußen sitzen sie auf dem Boden im Freien – höchstens unter einem Sonnenschirm. Drinnen ist die erste „Schicht“ unter gespannten Zeltplanen, weiter innen ist eine große Halle.

 

Ein strenger Geruch

 

Hier wird nicht nur verkauft, diskutiert, geschrieen und gehandelt, sondern gelebt. Man sieht Leute schlafen – dann verkauft eben der von nebenan für einen mit –, Frauen stillen ihre Babys oder wickeln diese neben den Tomaten auf dem Tisch. Hygiene ist hier an den meisten Stellen ein Fremdwort. Das verrät auch der Geruch, dem wir uns nähern. Bingo – das „Fleischviertel“. Hier wird so ziemlich jedes denkbare Körperteil einer Kuh, einer Ziege, eines Schafs angeboten. Natürlich liegt alles auf Holztischen herum, heiß umschwärmt von Tausenden Fliegen. Die Metzger bearbeiten ihre Ware mit ziemlich großen Macheten/Buschmessern. Sieht brutal aus. Mir schießt kurzzeitig die grausame Geschichte dieses Landes durch den Kopf. „Monsieur!“ werde ich aus den Gedanken gerissen. Ein kleiner Junge in zerlumpten, braunen Klamotten bietet mir seine Paprika an. „Oya“, lehne ich etwas schweren Herzens ab. Ich habe fast den Rest meiner Kolonne verloren. Das geht hier ziemlich schnell. Ich schlängle mich an den Leuten vorbei, eine Hand immer in der Hosentasche – in der, in der ich meine Geldscheine habe.

 

Wir halten an einem Stand, wo es Tomaten- und Karottensamen gibt. Unser aktuelles Miniprojekt, das wir noch am gleichen Nachmittag umsetzen werden, ist ein kleiner Garten, den wir mit den Kindern betreiben wollen – mit Ernte für die Kinder. Abwechslung zu Bohnen, Kohl und Maisbrei. Die Preise steigen an jedem Stand sofort um ein x-faches – ist doch nett, extra für uns Weiße. Aber Clothilde lässt sich nicht beirren und zahlt den normalen, „einheimischen“ Preis. Wir nehmen noch Zwiebeln mit, unsere sind fast aus. Weiter geht’s ins Innere. Avocados und Zitronen nehmen wir noch in unsere Tüten. Sobald man sich übrigens an einen Stand stellt und Anstalten macht, etwas mitzunehmen, drängen sich kleine Jungs mit Plastiktüten an einem vorbei, packen die Ware ein, die man möchte und wollen sich so ihr Geld verdienen. Sie bekommen 50 FB – das reicht.

 

Grüßen wie „Dundee“

 

Weiter im Getümmel – „Hi, how are you?“ schlägt es mir einige Male entgegen. Wer das Glück hatte, Englisch zu lernen, der zeigt es auch. Ich grüße auf Englisch zurück und mache meinem Gegenüber eine sichtliche Freude – vor allem, wenn ich noch dazu die Hand reiche. Hin und wieder komme ich mir vor wie Mick Dundee im Film „Crocodile Dundee“ – wer ihn kennen sollte. In diesem Film ist ein australischer Provinzler, der aus der Wildnis des Outback kommt, plötzlich in New York. Auf einer der belebtesten Straßen grüßt er beinahe jeden, der an ihm vorbei geht und kommt kaum damit hinterher, seinen Hut zu lüpfen. Nur bin ich nicht „Crocodile Dundee“ und in Burundi. Die Situation ist jedoch dieselbe. Aber lustig und freundlich. Während Clothilde und die Mädels mit einem Händler diskutieren, stehe ich etwas dahinter und unterhalte mich mit fünf, sechs Jungs. Sie scheinen die „weißen Frauen“ hübsch zu finden und weisen mich mehrmals darauf hin. Ich lache. Wir verabschieden uns: „N’ agasaga!“

 

Der krönende Abschluss – eine tolle Brise

 

Der Geruch des „Fleischviertels“ ist schon verzogen, da kommt es noch viel besser. Was könnte noch „besser“ riechen? Richtig – Fisch. Tjaha, ich muss sagen, er sieht frischer aus als das Fleisch, die Fliegen sind weniger. Doch der Geruch sagt mir, dass ich mich hier nicht lange aufhalten müsse. Ich schätze, Lena, Marie und Julia geht es ähnlich, zumindest sind sie schon vor mir aus der Halle verschwunden. Draußen nehmen wir noch drei Ananas mit – für 1.000 FB und von einer jungen, freundlichen Frau, die gerade mit ihrem Baby spielt. Mich faszinieren die strahlend weißen Zähne. Und die lustige Zahnlücke zwischen ihren oberen Schneidezähnen.

 

Der Weg zurück steht bevor – mit zwei Tüten voller Samen, Avocado, Ananas, Zwiebeln und Zitronen. Wiegt schon ein bisschen was, vor allem in der Mittagssonne und bergauf. Die ersten hundert Meter begleitet uns ein kleiner Straßenjunge. Ich muss sagen, ganz schän penetrant für dieses Alter. Clothilde gibt ihm 100 FB. Er will mehr – sie schubst ihn beiseite und faselt etwas auf Kirundi. Ich verstehe es nicht, aber beim Kind scheint es zu wirken. Er hängt sich an den nächsten und bettelt.

 

Auf halber Strecke halten wir an einer der Holzbuden und gönnen uns eine Cola. Marie gibt einen aus – wie gut eine kühle Cola tun kann, war mir irgendwie aus dem Gedächtnis gekommen. Weiter Richtung Heimat. Der Schweiß läuft, wir grüßen einige Studenten, die von der Uni, oben auf dem Berg, in die Stadt laufen. Dann rauscht plötzlich ein riesiger Bus an uns vorbei, voll gepackt mit den gleichen weißblau gekleideten Studenten. Nur hängen einige außen dran. Vielleicht ist für sie innen kein Platz mehr – oder es ist ihnen schlichtweg zu heiß.

 

Zurück im Heim – das übrigens gegenüber des Viertels liegt, das „Bel Air“ genannt wird, weil dort die Reichen und Schönen wohnen –, beginnt es bald zu regnen. Wir essen zu Mittag. Rind, Kartoffeln und Erbsen, das uns Verena eingefroren gegeben hatte. Im Anschluss hacken wir die Erde und säen die gekauften Samen. Links Karotten, rechts Tomaten. Einige Heimarbeiter helfen uns und außerdem ein paar der Kinder. Richtig süß. Sobald man eine solche Arbeit anfängt, kommen sie, schauen und helfen mit. Das kommt uns sehr entgegen, dann brauchen wir sie schon nicht auffordern, bzw. dazu animieren. Das Gemüse, das später geerntet wird, ist ja schließlich für sie. Auch noch dann, wenn wir in einem Jahr nicht mehr da sein werden. Das müssen sie lernen. Ach ja, einen Kompost haben wir auch noch angelegt. Das wird auch noch ein Unternehmen, bis sie das lernen.

Jetzt gibt es Abendessen. 19.41 nach burundischer Zeit. Draußen ist es dunkel, ich habe soweit wieder genug geschrieben und mache Feierabend.

Bilder

November 12, 2006

Ich habe endlich ein wenig Zeit gefunden, die ersten, leider wenigen Bilder online zu stellen…

Zu sehen auf der Seite “Bilder”!

Neuigkeiten aus Burundi (V)

November 12, 2006

Sonntag, 12. November 2006. 13 Uhr am Mittag. Draußen regnet es – seit etwa einer halben Stunde. Tja, anscheinend gibt’s das auch hier. Nur, hier ist das Wasser auf den Wegen und Straßen innerhalb kurzer Zeit wieder verschwunden. Außer auf den Schotterstraßen mit den besonders großen Schlaglöchern – dort sammelt sich das Wasser und bietet wieder eine super Gelegenheit für die Malariamücken. Das ist der Kreislauf.

 

Heute Morgen bin ich den Berg runter zum nächsten kleinen Geschäft namens „Belladone“ und habe einige Sachen zum Frühstück eingekauft. Zwei Brote – eins auf Vorrat –, vier kleine Brötchen (weil heute Sonntag ist *grins*), vier Tomaten und zwei Zitronen für auf die Avocado, die wir noch zu Hause haben. Da wir einen Kühlschrank haben und seit geraumer Zeit (fast) regelmäßig Strom, können wir jetzt auch ein paar Dinge auf Vorrat kaufen. Welch ein Luxus! Aber eben nie zu viele, denn wir wissen ja nicht, wie lange das mit dem Strom hält. Dass zurzeit so viel Elektrizität vorhanden ist, liegt an der Regenzeit. Die Staudämme sind voll, die Turbinen können also viel umsetzen. Das wird sich bald wieder ändern, schätze ich. Mit dem Wasser ist es auch wieder okay. Hin und  wieder kommt keines, aber man lernt, damit umzugehen. Es steht beispielsweise immer ein voller Wassereimer neben der Toilette, die Notration, falls keine Spülung funktioniert.

 

Kleine Helferlein und eine abenteuerliche Dusche

 

Wie gesagt, man lernt, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. „Hilfe, der Lichtschalter funktioniert nicht, ich sehe rein gar nichts“, „meine Hände kleben, aber aus dem Wasserhahn kommt nur Luft“ oder „toll, ich war auf Toilette und kein Wasser spült nach“ kann uns mittlerweile nicht mehr passieren. Kerzen, Taschenlampen, Wassereimer sind die kleinen Helfer, die man erst zu schätzen weiß, wenn nicht alles so funktioniert, wie man es gewohnt ist. In jedem Zimmer steht außerdem ein großer Kanister Wasser – für den Notfall, dass mal einige Tage kein Wasser kommt.

 

Unsere Dusche ist in etwa so, wie man es aus manchen Dschungelfilmen kennt. Ein nacktes Wasserrohr mit einer metallenen Brause am Ende. Der Hahn zum Auf- und Zudrehen ähnelt dem, was in Deutschland an Gartenhäuschen montiert ist. Tja, und was rauskommt, ist kalt. Wie gesagt – wenn was rauskommt. Aber das ist mittlerweile schon der Fall. Die Klinke an der Tür zur Dusche ist auch hinüber. Man kann die Tür schon zudrücken – nur bekommt man sie dann nicht mehr auf. Für diesen Fall liegt in der Dusche ein kleines Messer, mit dem man im Schloss herumpulen kann und so wieder an die Freiheit gelangt. Platz für mehr als Shampoo und Duschzeug ist keiner. Man begibt sich also nur mit Handtuch bekleidet in diese gekachelte, dunkle Kabine. Ach ja, falls kein Strom da ist, ist es selbst tagsüber stockdunkel in der Dusche. Ein wahres Abenteuer – und ohne Badelatschen betritt keiner von uns diese Kammer. Das kalte Wasser ist bei diesen Temperaturen aber mehr als angenehm. Haben uns angewöhnt, nachmittags zu duschen. Morgens ist das kalte Wasser nur schwer erträglich, außerdem schwitzt man den Tag über viel und geht somit lieber sauber ins Bett.

 

Das erste Mal in Bujumburas Nachtleben

 

Gestern Abend waren wir zum ersten Mal in einem Club. Ja, auch so etwas gibt es hier. „Amadeus“ lautet der Schuppen. Von außen eher weniger reizvoll – eine zerbröckelte Betonfassade, mit einem kleinen Eisentor in der Mitte als Eingang. Die Jungs an der Kasse und am Eingang sind dafür umso schicker und auch sichtlich stolz auf ihren Job. Mit Sicherheit verdienen sie auch nicht wenig. Eintritt: 2.000 FB. Zur Erinnerung: 1 € sind 1.300 FB. Drinnen sieht es richtig gut aus. Es ist eine riesige Terrasse mit Stehtischen, Sitzecken, Bar, sogar Billardtische lassen sich ausmachen. Und der Laden ist voll. Es gibt anscheinend auch genug Burunder, die Geld haben. Vor allem in unserer Generation. Beinahe zur Hälfte aber ist der Club mit Ausländern besiedelt. Man sieht viele Inder, Pakistani, Japaner oder Chinesen und dann noch welche mit südamerikanischem Aussehen. Mit Sicherheit einige UN-Leute, die sich hier die Zeit vertreiben. Allerdings sind, finde ich, schon einige merkwürdige Gestalten unterwegs.

 

Ich möchte niemandem Unrecht tun. Aber gerade der wohl genährte Südamerikaner, der ein, zwei Meter neben mir stand, sah nicht gerade wie ein Soldat aus. „In Form“ ist etwas anderes. Zumal sah er richtig schleimig aus, fuchtelte andauernd mit Geldscheinen um sich und hat alle fünf Minuten ein anderes einheimisches Mädchen im Arm. Wie gesagt, ich möchte niemandem mit Vorurteilen Unrecht tun, aber mit Sicherheit liege ich nicht falsch, dass sich hier einiges Ungeziefer tummelt, das nichts Gescheites im Schilde führt. Die kleinen Inder und Pakistani kommen anscheinend viel nach Burundi – sie eröffnen Läden, handeln, machen Geschäfte. Das ist ja in Ordnung. Aber viele andere, die hierher kommen…ich möchte nicht wissen, womit die handeln. Anscheinend gibt es auch viele Russen in Burundi. Viele als Militärausbilder, manche aber auch nur „einfach so“. Der Absatzmarkt für Kalashnikov ist eben unerschöpflich in Afrika. Nach wie vor.

 

Der Abend war aber sehr witzig. Verena und Benoit waren anfangs mit, verabschiedeten sich jedoch nach etwa zwei Stunden, als sie merkten, sie konnten uns hier alleine lassen. Es war entspannt. Keine kritische Situation, kein gar nichts. Auf der Tanzfläche wurden die Mädels zwar angegraben – aber in welchem Land ist das bitte anders? Gaben sie demjenigen zu verstehen, dass sie nicht wollen, war die Sache auch wieder erledigt. Kein Drängen – sehr positiv. Ich hielt mich zurück, blieb bei unserem kleinen Stehtisch mit der roten, wachsvertropften Tischdecke und süffelte mein Primus. Primus ist das einheimische Bier, das in Burundi, Ruanda und dem Kongo gebraut wird. Schmeckt ganz gut – nur sind die Flaschen so riesig (0,65 Liter). Eins ist etwas zu wenig, zwei sind beinahe schon zuviel, wenn man sich nicht grade die Kante geben möchte. Die meisten um mich herum trinken das aus den Niederlanden importierte Amstel oder Heineken. Wer hier her kommt, zeigt, dass er Geld hat. Oder tut zumindest so.

 

Ich muss sagen, die Einheimischen, die hier her kommen, sind allesamt schick angezogen. Hin und wieder hat einer modisch etwas daneben gegriffen. Aber das auch nur, weil er unbedingt seine neuen, weißen Sportschuhe ausführen und zeigen möchte – egal, ob sie jetzt zur Nadelstreifenhose passen oder nicht. Prestige ist hier unheimlich viel wert. Aber alle sind freundlich. Es geht keiner oder keine an einem vorbei, ohne zu grinsen, zu zwinkern oder ohne Gruß.

 

Die erste Taxifahrt

 

Etwa um halb eins verabschieden Lena und ich uns von Marie und Julia. Die beiden waren noch tanzwütig, wir beide aber ziemlich müde. Ich schlafe zurzeit noch extrem viel und morgens waren wir ja recht früh aufgestanden. Die Situation im Club war so entspannt, dass das klar ging. Kaum waren wir vor der Tür des „Amadeus“, sprach uns schon einer an: „Madame, Taxi?!“ – „Oui, merci.“ Lena bekam höflichst die Tür aufgehalten, während ich erst einmal auf die falsche Seite lief. Das Lenkrad war bei dieser Taxi-Ausgabe rechts. Wieder zurück auf meine Seite und eingestiegen, wollte ich mich anschnallen. War nichts. Das blauweiße Auto krächzte über jedem Schlagloch und ich glaube, alles, was an einem Auto eiern kann, eierte. Egal, besser als Laufen und wir kamen heil und entspannt – und nicht verschwitzt – nach etwa fünf Minuten Fahrt an unser Ziel: „Chausee Rwagasore, s’ il vous plaît.“

 

Zum Glück hatte sich Lena vorher bei Verena erkundigt, was denn die normalen Preise für eine Taxifahrt seien. „Höchstens 2.000 FB“, sagte sie. Für die kurze Strecke normalerweise nur 1.500. Unser Fahrer beantwortete meine Frage nach dem Preis mit: „3.000“. Lena und ich lachten kurz – er musste mit uns schmunzeln. „Non, non“, grinste Lena und gab ihm 2.000 in die Hand. Wir waren uns alle einig. Am nächsten Morgen sollten uns Julia und Marie noch erzählen, dass ihr Fahrer sogar 5.000 FB haben wollte – was ebenfalls in Gelächter auf beiden Seiten endete. Und in 2.000 FB. Ein schöner Abend. Und problemlos.

 

Das Essen

 

Tagsüber hatte ich Wäsche gewaschen – im Waschbecken mit Pulver und per Hand. Waschmaschine ist nicht. Nicht hier im Kinderheim. Aber es geht. Dazu habe ich noch auf unserem Gasherd Wasser abgekocht und in unsere Trinkkanister gefüllt. Das Leitungswasser zu trinken, traue ich mir noch nicht zu. Möchte meinem Körper nicht gleich den nächsten Schock zumuten. Vielleicht in ein paar Wochen mit langsamer Angewöhnung. Tja, ein Leben in vereinfachten Zuständen. So haben wir es erwartet, so ist es gekommen. Aber ich muss sagen, wir kommen zurecht und es geht uns gut. Unser Frühstück besteht meist aus halbdunklem Brot, Butter, Avocado, Zitronen (Avocado und Zitronen, evtl. Salz, kommen aufs Brot), Mini-Bananen (sehr süß), manchmal Ananas oder Papaya, Honig, Kekse, selten burundische Erdnussbutter oder Marmelade, Kaffee und dazu Milchpulver. Es geht uns gut. J Mittags essen wir entweder mit den Kindern (Maisbreis und rote Bohnen) oder wir kochen selbst. Nudeln, Kartoffeln, was auch immer.

 

Bei der Inventur in Verenas Keller haben wir eine große Metallkiste von UNICEF gefunden. Darin befinden sich Kegel, kleine Kugeln, zwei Handbälle (was ich etwas unnütz finde), ein Volleyball und ein Volleyballnetz. Das Netz wurde hier im Heim gleich über die Wiese gespannt. Volleyball ist die neueste Attraktion. Ich werde morgen/Montag mal Richtung Markt laufen und einem der Straßenverkäufer, die mit allem möglichen Ramsch auf den Armen durch die Gegend laufen und ihre Sachen anpreisen, einen Basketball abkaufen. Vorausgesetzt, der Preis hält sich mit der Qualität die Waage. Ansonsten muss ich ein Geschäft suchen, das Basketbälle verkauft.