Wieder in KA
September 19, 2006
Amahoro! (dt.: Hallo!)
Es ist gut, dass wir den Kurs in Köln noch “mitnehmen” konnten, bevor wir nach Burundi fliegen. Die angekündigten Experten (Kulturelle Kommunikation, etc.) haben gehalten, was wir uns von ihnen versprachen - auch wenn sie uns überraschten.
Der Kurs in Köln
Erwartung war ursprünglich, dass wir so etwas wie “Rezepte” bekommen, wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten sollen/müssen/können. Im Nachhinein gesehen, ist das natürlich Quatsch. Jede einzelne Situation in einer fremden Kultur birgt ihre speziellen Hürden, auf die individuell reagiert werden muss. Logisch. Was uns die Experten mit auf den Weg gaben: Rüstzeug, emotional und psychisch. Ein inneres Gerüst, das uns wappnet, mit jeder erdenklichen Situation, mit jeder Konfrontation umgehen zu können. Mit unserem jeweiligen Gegenüber, sowie mit uns selbst. Wobei zweiteres das Wichtigere ist.
Meine erste Befürchtung vor dem Kurs, wir würden uns alle an den Händen fassen und Lieder singen, hat sich schnell in Luft aufgelöst. Der Kurs ist die beste Vorbereitung, die wir erfahren konnten. Absolut zu empfehlen. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass jeder Mensch - ob er ins Ausland geht oder nicht - einen solchen Kurs absolvieren soll. Es ist eine menschliche Weiterbildung, eine Erweiterung des kulturellen Horizonts, die auch das Leben in Deutschland erleichtern kann. Es könnten sich auf diese Art sehr viele Probleme, Vorurteile und Konfrontationen aus dem Weg räumen lassen. Schulung des eigenen Denkens, könnte man es nennen.
Darüber hinaus war es für Lena und mich eine optimale Gelegenheit, Julia und Marie (die beiden Mädels, die mit nach Burundi kommen) besser kennen zu lernen. Zwei super Mädels, super nett, sodass sich jeder Zweifel erübrigt hat, ob wir das Jahr in Burundi miteinander klar kommen werden. Mit Sicherheit werden wir uns auch hin und wieder auf den Geist gehen - aber das Menschliche passt. Es wird ein geiles Jahr.
Die WG mit drei Frauen
Für mich wird es außerdem eine ganz besondere Erfahrung. Da ich Einzelkind bin und bislang meine Ruhe gewohnt war, wenn ich sie wollte und brauchte, begebe mich nun in eine Wohngemeinschaft. Noch dazu mit drei Frauen. *schmunzel* Aber wie gesagt, es wird ein super Jahr mit super Erfahrungen.
Zwei Wochen in Köln - die erste Generalprobe für mich und die Leute hier, wie es sein wird, sich nicht zu sehen. Momente des Nachdenkens stellen sich ein. Hin und wieder. Manchmal mehr und tiefsinniger, manchmal nur als flüchtiger Gedanke. Ich bin gespannt, wie ich mit meiner Sehnsucht umgehen werde. Gott sei Dank, es gibt das Internet für den Draht nach Hause.
Der Schlag - wieder zu Hause
Als ich vergangenen Samstag wieder nach Hause kam, traf mich beinahe der Schlag. Es waren Pakete da mit Spenden, Leute brachten Geld und erkundigten sich. Das Interesse, das mir entgegen gebracht wird, erstaunt mich und freut mich daher umso mehr. Personenbezogenes Spenden ist das Stichwort. Viele Menschen sind zurückhaltend, weil sie nicht wissen, wo geht die Spende hin, geht sie überhaupt irgendwo hin - verständlich. Leider geht in dieser Hinsicht viel zu viel schief. Jetzt, da sie wissen, es kommt an, sie können sich darauf verlassen, geben sie gerne. Und viel. Und das freut mich. Ich freue mich über jede einzelne Kleinigkeit, die gegeben wird, die Unterstützung, die uns zuteil wird. Ob das materielle Dinge sind, bloßes Interesse oder Ideen, was man alles anpacken könnte. Ich bin überwältigt. Und ich bin ehrgeiziger denn je, die Dinge anzupacken.
Abflugtermin ist nun definitiv der 20. Oktober. Im ersten Augenblick waren wir alle vier etwas niedergeschlagen, dass es nun weitere vier Wochen andauert. Aber nur im ersten. Grund sind einige vertragliche Dinge, u.a. eine “Bodenkriegsrisikoversicherung”, die wir unbedingt benötigen. Die Sache ist die, dass keine Auslandskrankenversicherung zahlt, wenn uns irgendetwas aufgrund innerer Unruhen (Aufstände, Rebellen, Anschläge, Kriegsausbruch, etc.) passiert. Jede Versicherung hat hierfür ihre Ausschlussklausel. Daher benötigen wir diese weitere, spezielle Versicherung. Mit Sicherheit kein Fehler. Außerdem können wir die vier Wochen dazu nutzen, weitere Spenden zu sammeln, unser Französisch zu verbessern und uns die Landessprache Kirundi auf den Kasten zu bringen. Ich bin überzeugt, dass diese Wochen sehr schnell vorbei sein werden. Das ist auch gut so, schließlich steigt der Tatendrang allmählich ins Unermessliche.
Ich bin zuversichtlich und freue mich.