Der aktuelle „Welthunger-Index“ (WHI), der den Hunger der Menschen in der Welt beschreibt, ist erschienen. Hier geht es zu einem entsprechenden Artikel!

War auf der Karte des WHI von 2008 Burundi noch mit der „sehr ernsten“ – aber nicht „gravierenden“ – Farbe Orange versehen, so ist es abgerutscht ins tiefe Rot („gravierend“)… Und liegt damit auf dem vorletzten Platz vor der benachbarten Demokratischen Republik Kongo.

In meinem Tagebuch ist es seit geraumer Zeit sehr still geworden. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass es nichts mehr zu schreiben gibt, geschweige denn, nichts mehr zu erleben. Im Gegenteil!

Am besten mal auf die Seiten der burundikids schauen. Dort gibt es einige aktuelle Einträge, die einen kleinen Teil beschreiben, was in den letzten Wochen und Monaten geschaffen und erreicht wurde. Natürlich ist mir weiterhin sehr wichtig, hier einen kleinen direkten Einblick in das Alltagsleben in Burundi und in unsere Arbeit zu geben. Jedoch kommt es immer öfter vor, dass die Arbeit sehr viel wird und wir von morgens bis abends mit den Projekten beschäftigt sind. Zeit zum Schreiben wird dabei – leider – immer knapper.

Jedoch stehen einige Änderungen an, zumindest schon als Pläne im Kopf. Wenn es soweit ist, mehr an dieser Stelle. Bis dahin möge man es mir verzeihen, wenn die Einträge unregelmäßig in meinem Blog erscheinen.

Ich gebe mir Mühe…

Online Video-Report

Mai 28, 2009

Report online über „The Lost Kids of Burundi“. Hier klicken!

Ein kleiner Vergleich

Mai 15, 2009

In einigen Bundesländern Deutschlands werden die Kindertagesstätten bestreikt (zum Artikel!). Sicherlich stellt dies für viele Eltern ein kleines, mittleres oder vielleicht sogar größeres Problem dar.Mit den Streiks wolle man auf „krank machender Arbeitsbedingungen“ aufmerksam machen und diese zu ändern versuchen.

Verständlich – für deutsche Verhältnisse.

Um auf die unterschiedlichen Niveaus hinzuweisen, möchte ich jedoch einen kleinen Vergleich anführen.

In Burundi streiken seit einiger Zeit schon die Mitarbeiter in den staatlichen medizinischen Einrichtungen. Ein minimaler Betrieb war nur in den Notaufnahmen auszumachen, das Notwendigste eben. Das Personal klagt über die niedrigen Gehälter (etwa 50 Dollar/Monat für eine Krankenschwester, zwischen 100 und 300 Dollar für einen Arzt).

Seit geraumer Zeit aber wurde nun auch diese Versorgung eingestellt. Es geht nichts mehr – die Krankenhäuser stehen still, die Menschen sterben.

„Krank machende Arbeitsbedingungen“…

Es regnet seit zwei Tagen und ist kalt. Für die Verhältnisse in nördlichen Kreisen ist es wohl immer noch warm, doch für uns hier ist es kalt – ich trage ein langärmliges Hemd und eine Weste. Morgens möchte man nicht aufstehen, sondern sich unter der Decke verkriechen.

Die Schlaglöcher haben sich bis oben hin mit Wasser gefüllt. Rollt ein Auto an, springen die Leute am Wegrand zur Seite, um nichts von der Dreckbrühe abzubekommen. Manchem Autofahrer ist das herzlich egal und brettert trotzdem über die Straßen. Glück hat, wer ein Auto hat. Der Rest muss laufen. Zur Schule, zur Arbeit oder sonst wo hin. Egal, wie stark es regnet. Wobei es schon einmal sein kann, dass wenn der Regen zu stark ist, die Büros nur mit den Menschen gefüllt sind, die eben ein Auto haben. Oder in der Schule fällt der Unterricht aus.

Die Straßen werden an manchen Stellen unbefahrbar. Die Schlaglöcher machen selbst Landcruisern und Landrovern Probleme. Die Polizei steht daneben, lacht, scherzt, kümmert sich recht wenig. Ab und an wird ein Autofahrer an den Rand gezogen und überprüft. Ist der Fahrer noch weiß dazu, kommt es schon einmal vor, dass man nach einem Amstel gefragt wird – auch wenn die Papiere in Ordnung sind.

Es gibt Momente, in denen wird einem mit einem Schlag vor Augen geführt, wo man eigentlich ist: mein Ausflug nach Maramvya.

Unser neues Programm sieht Aufklärung vor in ländlichen Gebieten. Themen sind Malaria, HIV und Aids, Hygiene und Durchfallerkrankungen. Die größten Probleme und Todesfälle. Das Programm ist auf Bujumbura Rural angelegt, die Peripherie der Hauptstadt.

Als wir von der geteerten und mit Schlaglöchern übersäten Straße hinter dem Flughafen rechts ins Feld abbiegen, offenbart sich schon das, was uns erwarten wird. Nicht, dass der Anblick etwa neu für mich wäre. Doch ein Abhärten, wie es manch einer beschreibt, kann ich nicht ausmachen. Die Piste vor uns erinnert mich an die Strecke zwischen der burundischen Grenze und dem Kongo: Schlaglöcher, dass man Angst hat, das Auto kippt, rechts und links … nichts. Entlang der Straße mühen sich Menschen ab, Waren zu transportieren, auf dem Kopf oder Fahrrad. Frauen, Männer, Kinder. Vor den einfachen Lehm- und Strohhütten sitzen junge Männer, kauen gelangweilt auf Strohhalmen herum. Manche blicken finster, andere winken grüßend zu. Ehemalige Kindersoldaten? Rebellen? Wer weiß. Vielleicht beides. Oder keines von beiden.

Kinder, oft nur mit einem viel zu großen T-Shirt bekleidet, schauen uns mit aufgerissenen Augen hinterher. „Muzungu!!!“ Mädchen kichern, verstecken sich. Andere lachen uns offen an. Links von uns stehen graue Häuser. Akkurat angelegt, alle sehen gleich aus. Ein Flüchtlingslager. Menschen, keine Ahnung wie viele, die aus Tansania zurück in ihr Heimatland gekehrt sind. Zusammengepfercht. Mit welchen Aussichten? Wenigstens gehört diese Gruppe hier zu denen, die bleiben dürfen, wo sie sind.

Die Fahrt scheint kein Ende zu nehmen. Der Pfad wird immer enger, links und rechts nur Wald, Feld, Wiese. Wir fahren durch riesige Wasserpfützen, von denen wir nicht wissen, wie tief sie sind. Wir hoffen nur jedes Mal, dass der alte Landcruiser es noch schafft. Kostenlose Safari, könnten Zyniker sagen. Nur sehen wir keine ästhetischen wilden Tiere. Sondern Kinder, deren Bäuche vor Hunger aufgebläht sind und ihre Haare weiß, vor Mangelerscheinungen.

Wir kommen an. Melchiade, der Fahrer, hält direkt vor einer kleinen Kapelle. „Karibu!“, willkommen, sagt mein Kollege, grinst, und weist auf den Eingang in die halbfertigen Gemäuer. „Das Geld hat noch nicht gereicht, um fertig zu bauen“, meint er. Hauptsache, ein Dach über dem Kopf. Das kommt uns gelegen, denn es regnet ununterbrochen.

„Vorhin waren hier sehr viele Menschen“, sagt uns einer. Sie hätten auf uns gewartet, dann wäre der starke Regen gekommen. „Sie sind alle nach Hause gegangen.“ Doch schon leuchten aus allen Richtungen die bunten Gewänder der Bäuerinnen. Sie kommen zurück. Sie hatten den Motor des Geländewagens gehört und sind wieder zur halbfertigen Kapelle geeilt. Nach und nach treffen sie ein – hauptsächlich Frauen mit ihren Babys auf dem Rücken und alte Männer. Auch ein paar jüngere. Und natürlich: Kinder. Als meine Kollegen beginnen, haben sich rund 100 Menschen versammelt. Sie sitzen im Staub innen, manche bleiben draußen, lehnen sich durch die Aussparungen für die späteren Fenster. Drei Mädchen kichern, weil der Muzungu einem alten Mann die Hand schüttelt.

Um die kleine Kapelle herum stehen einfach gebaute Häuser aus Lehmsteinen. Die Wege verwandeln sich im Regen in halbfeuchte Flussbetten. Wenn man nicht aufpasst, sackt man ein. Ich bemühe mich, mich nicht zum Affen zu machen. Ein alter Mann quält sich in die Kapelle, stützt sich auf seinen dünnen Bambusstab, der ihn halbwegs aufrecht stehen lässt. Gehen bereitet ihm sichtlich große Mühe. Doch an dem Ereignis möchte er teilhaben. Ich schiebe ihm einen Stuhl hin, dass er sich nicht in den Sand setzen muss.

Ein Kind streunt um mich herum. Interessiert, doch sehr ängstlich. Immer wieder schaut es sich nach seiner Mutter um, die mit dem kleineren Geschwisterchen beschäftigt ist. Als ich ihm die Hand zum Gruß hinstrecke, rennt es weg. Eine Frau lacht, die die Situation beobachtet hatte. „Ararwaye“, lacht sie und tippt sich mit der Hand an den Kopf. Das Kind ist krank. Traumatisiert.

Hier, im ländlichen Raum um Bujumbura, ist der Krieg noch präsent in den Köpfen. Wenige Monate ist es erst her. Doch können sie endlich in Frieden leben? Die Rebellen gibt es offiziell nicht mehr. Die sind jetzt einfache Banditen. Genügend Waffen sind noch im Umlauf. Ich möchte nicht wissen, was diese Menschen erlebt, gesehen haben. Doch ich kann es mir – leider – vorstellen. Ein betrunkener Mann schreit von draußen. Mein Kollege spricht ruhig mit ihm, lädt ihn ein, sich zu uns zu setzen. Mit den anderen. Er akzeptiert. Auch er – wohl gezeichnet vom Krieg.

Das Programm beginnt. Celestine, unsere Krankenschwester, wird heute zusammen mit ihren Kollegen über Malaria, die Todesursache Nummer eins in Burundi, sprechen. Die Leute hören aufmerksam zu. Im Anschluss daran können sie Fragen stellen. Zwei Männer ergreifen das Wort. Nachdem sie sich bedankt und wieder gesetzt haben, frage ich Celestine nach der Übersetzung. Sie meint, die Männer hätten vom Krieg erzählt. Was sie erlebt haben. Was sie sehen mussten. Sie wollen über ihre Erlebnisse sprechen – und haben endlich eine Plattform dafür. Jemand, der ihnen zuhört. Auch wenn wir eigentlich für etwas anderes gekommen waren.

Eine ältere Frau erhebt sich. Sie spricht über Malaria. Celestine und ihre Kollegen schreiben mit. Notieren Fragen. Sie brauchen Moskitonetze und Medikamente. Aufklärung ist wichtig, keine Frage. Doch allein nützt sie den Menschen nichts. Um sich zu schützen, brauchen sie die Netze. Zumindest für ihre Kinder. Und Medizin.

Fürs Mitschreiben verteilt Celestine Hefte und Kugelschreiber. Später, bevor wir abfahren, kommen noch ein paar Frauen zu uns und Fragen nach Heften, weil sie keine bekommen hatten. Sie beginnen, sich untereinander zu streiten und werden handgreiflich – wegen ein paar Heften. Denn sie haben nichts. Eine sehr alte Frau lächelt mich an. Ihr faltiges Gesicht wirkt so sehr sympathisch. Sie hat keine Zähne mehr. „Murakoze“, sagt sie. Danke. Dann geht sie weg, einen kleinen Pfad entlang, barfuß, nach Hause.

Die Kinder tragen nur ein T-Shirt, das oft bis zum Boden reicht. Es ist braun, grau. Manche bibbern wegen des kalten Regens. Und sie lachen, winken. Bevor sie nach Hause gehen. In eine einfache Hütte, mit etwas Glück mit einer Schlafmatte auf dem Boden. Und mit noch mehr Glück, ein Topf Maisbrei mit Bohnen am Abend.

Und das nicht etwa in einem hinteren Winkel im Land. Maramvya liegt etwa 20 Kilometer von hier, der Innenstadt. Da, wo ich nun sitze, mit meinem Laptop und einem Joghurt zum Frühstück…

Krankenschwester Celestine mit der Bevölkerung von Maramvya

Krankenschwester Celestine mit der Bevölkerung von Maramvya

Neues von Rose

Mai 11, 2009

Die ersten Schritte der Behandlung hat Rose hinter sich – es wurde mit der Chemotherapie begonnen. Im Moment sind einige Tage Pause, um die Reaktionen ihres Körpers abzuwarten.

Zwischenzeitlich ergab sich noch ein weiteres Problem: Rose hat sehr hohen Blutdruck. Der Grund dafür wurde schon ausfindig gemacht: Eine Verengung einer Ader. Der operative Eingriff, um diese Ader zu weiten, wurde jedoch abgebrochen. Sie liegt anscheinend direkt an der Aorta. Wie dieses Problem gelöst werden soll, entscheiden die Spezialisten noch.

Rose ist derweil jedoch bester Dinge, anscheinend sehr fröhlich und zuversichtlich. Sie habe „großes Vertrauen in das Ärzteteam“. Dass es ihr – den Umständen entsprechend – gut geht, zeigen auch die folgenden Fotos (aufgenommen von Beate Diezemann)…

Rose im Krankenbett

Rose im Krankenbett

Rose tanzt vor Freude am Morgen

Rose tanzt vor Freude am Morgen

Artikel zum Hunger

Mai 11, 2009

Vielleicht sind manche Schlussfolgerungen etwas sehr weit her geholt, jedoch gibt der Artikel einen ganz guten Überblick über die Situation, wie sie ist. Zum Artikel!

Beispielhaft…

Mai 8, 2009