Das PTA-Projekt

Mai 15, 2008

Glaubt man einem aktuellen Artikel, wird das Projekt der Fondation Stamm (Labor, Ausbildung zum Pharmazeutisch-technischen Assistenten) umso wichtiger…

Details (in englscher Sprache) zum Projekt und dem “Projektvater” Dr. Peter Häufel gibt es hier! und hier!

Der Optimismus…

Mai 11, 2008

10. Mai. Es gibt sehr erfreuliche Momente. So wie mit den Bauern aus Musigati, einem kleinen Örtchen in der Provinz Bubanza. Wir hatten ihnen vor einiger Zeit einen Mikrokredit ermöglichen können aufgrund privater Spenden aus Deutschland. Als wir begannen, uns nach einiger Zeit zu fragen, was mit dem Projekt passiert ist, weil wir bis dato nichts gehört hatten, kam prompt die Antwort. Man schickte uns zwei Stücke der selbst produzierten Seife, die erste Rate der Rückzahlung und dazu noch zwei Fotos (zu sehen auf der Seite „Bilder“), um das Geschehen vor Ort zu dokumentieren. Der Verbund von Frauen und Männern, die nun mit ihrer kleinen Seifenfabrik ihren Lebensunterhalt wieder selbst bestreiten können, ist für uns Motivation. Besser geht es fast nicht. Und wir freuen uns über das gelungene Projekt.

Auch in Muyinga, wo ich mich in diesem Moment aufhalte, geht es voran. Das Landwirtschaftsprojekt warf die erste Ernte ab – drei Tonnen Kartoffeln. Auch haben wir mit unseren Kühen das erste Kälbchen bekommen. Weitere Kühe sind schwanger. Wenn alles gut läuft, so wie bislang, dann können wir eventuell das Landwirtschaftsprojekt ausweiten. Drei weitere Hektar Land können wir wahrscheinlich kostenlos bekommen. Und Landwirtschaft ist genau das, worauf wir in Burundi setzen sollten und müssen. Und es verstärkt auch tun. Verbunden mit Viehzucht – um gleich den notwendigen Dünger zur Verfügung zu haben.

In der Nähe unseres Projekts ist ein Transitlager für Flüchtlinge, die aus Tansania zurück kehren. Teilweise Flüchtlinge aus dem Jahr 1972. Man will Land für sie suchen, wo sie ansiedeln und das sie kultivieren können. Keine leichte Aufgabe für das UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen. Zumal kommende Woche wieder die Preise steigen werden. Und ernten können die Flüchtlinge noch lange nichts. Man hat ja noch nicht einmal begonnen, zu kultivieren. Hinzu kommt noch die Aussage unseres Mitarbeiters in Muyinga: „Ende Juni oder Anfang Juli“ wird es die nächste Hungersnot geben.“ Grund: Der Regen setzte zu früh aus, bereits Ende April. Doch für eine gute Ernte bräuchte es noch Regen bis Ende Mai.

Neben den großen Problemen gibt es noch die „kleinen“. Die Moral der Menschen leidet unter der Lebenssituation. Stellenweise verständlich, doch die Ausmaße sind weitaus mehr als nur zu bedauern.

Im Heim lebt ein Mädchen namens Nadia. Ich kenne ihr Alter nicht genau, ich schätze es auf 15 oder 16 Jahr. Sie hat keine näheren Verwandten mehr, nur noch eine Schwester, die in einem sehr armen Viertel bei einer entfernten Verwandten – sie nennen sie Tante – wohnte. Die Schwester wurde krank und musste ins Krankenhaus. Als ihr bewusst war, dass sie sterben wird, bat sie die Tante, Nadia zu rufen, dass sie sie noch einmal sehen könne. Doch die Tante rief nicht an. Am Tag darauf war die Schwester tot. Nadia fand eine kleine Nachricht vor, dass ihr die Schwester etwas hinterlassen habe. Also ging sie in das Zimmer der Schwester im Haus der Tante und fand einen Umschlag mit fast 400.000 FBu. Als die Tante das Geld sah, riss sie es Nadia aus der Hand. Wir müssen uns in den kommenden Tagen darum bemühen, gegen diese Sache vorzugehen. Denn schließlich kann es die Existenzgrundlage und Zukunft für Nadia bedeuten.

Wechsel ins Viertel Buterere. Eines der ärmsten der Stadt, vielleicht auch das ärmste. Ein kleines Mädchen von dort ist in unserem Straßenmädchenheim „Duhinduke“. Die Mutter Alkoholikerin, der Mann, der mit im Haus lebt, nicht der Vater der Kleinen. Darüber hinaus gewalttätig, auch gegen das Mädchen. Am Wochenende hat man die Mutter im Busch gefunden. Wahrscheinlich erdrosselt. Vom Mann keine Spur.

„Burundi wird sich bessern“, sagte mir heute Abend ein optimistischer Freund. Ich dachte schon, diese Meinung existiert nicht mehr – außer in mir. Und das denke ich auch weiterhin. Es ist im Moment vielleicht ein leichtes Stocken, wieder einmal viele Probleme, die zusammen treffen. Doch trotz allem wird es aufwärts gehen. Mit kleinen Schritten. An denen wir mitarbeiten.

Ein fleißiges Helferlein aus Deutschland hat sich die Mühe gemacht und eine kleine Diashow zu Burundi bei Youtube online gestellt. Ansehen!

6. Mai. Die Situation in Burundi spitzt sich zu. Das globale Problem der steigenden Preise trifft auch Burundi mehr als hart. Auch unsere Arbeit. Die Mieten steigen, Nahrungsmittel werden für die Menschen teilweise unbezahlbar. Hungeraufstände wie in anderen afrikanischen Ländern gibt es – bislang – noch keine. Es liegt nicht in der Mentalität der Burunder. Was jedoch nicht bedeutet, dass alles bis ins Unermessliche ertragen wird. Im Gegenteil. Folge ist nur ein Anstieg der Unzufriedenheit, Verdruss, mehr Kriminalität und Handlungen, zu denen Menschen unter „normalen“ Umständen nicht fähig sein können. Man wird sich gegenseitig töten, um Essen zu können. Die Geschichten nehmen zu, in denen Mütter ihre Babys im Busch verhungern lassen, weil sie sie nicht ernähren können.

Seit einigen Tagen bin ich beinahe schlaflos, wenn ich zu viel nachdenke. Im Moment bahnt sich etwas an, das wir um jeden Preis vermeiden wollten und eigentlich auch immer noch wollen. Das Waisenheim „Centre Uranderera“ steht kurz vor seiner Schließung. Erste Besprechungen hierzu haben wir bereits hinter uns und seitdem fällt es mir mehr als nur schwer, entspannt zu bleiben. Die Miete wurde vor einiger Zeit um 50 Prozent erhöht, nun wird die Verpflegung der 75 Kinder teurer und teurer und schließlich so unerschwinglich, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als zu handeln, zu verändern.

Wir suchen ein anderes Gelände, ein anderes Haus, wohin wir Kinder bringen können. In erster Linie diejenigen, die keine Verwandten mehr haben, die Kranken und hauptsächlich Mädchen, die in ihren ursprünglichen Verwandtschaftskreisen unmöglich unterkommen können – aus den unterschiedlichsten Gründen. Einige der Jungen können ins Straßenkinderheim umziehen. In das Haus, in das wir umziehen werden, sollten wir eines finden, können wir jedoch nur 30 der Kinder mitnehmen. Für den Rest versuchen wir im Moment, individuelle Lösungen zu finden. Zurück zu Tanten, Onkeln, Großmüttern? Nicht immer möglich. Doch ein Muss. Andere werden wir ins Landesinnere bringen, wo sie geboren sind, und wir noch ein Heim haben – beispielsweise Gitega. Einige, die nicht so stark im Lernen sind, werden nach diesem Schuljahr die Schule abschließen oder abbrechen müssen und einen Beruf erlernen. Für wiederum andere suchen wir Internatsplätze, wo sie unterkommen können. Wir versuchen, alle Kinder und Jugendlichen zu begleiten. Doch schmerzhaft ist es.

Nach einer langen Besprechung mit Verena war ich im Heim und besprach die Situation auch gleich mit den Heimleitern Pelline und Alberic. Betroffenheit. Währenddessen saß die kleine Kiki auf meinem Schoß und kicherte vor sich hin. Sie war Ende vergangenen Jahres aus dem Heim zurück zu ihrer Mutter gegangen. Ein Erfolg, dachten wir. Doch die Situation verschlechterte sich wieder, nun ist sie zurück. Sie lacht, klatscht mit den Händen, freut sich, die altbekannten Gesichter im Heim wieder zu sehen. Sie versteht nicht, was gerade über ihrem kleinen Köpfchen besprochen wird.

Wir brauchen mehr Unterstützung. Punktum. Es lag bislang nicht in unserer Philosophie, „Bettelbriefe“ zu verfassen und an die Masse zu verteilen. Wer helfen möchte, der kann. Doch wir pressen nicht. Aber die derzeitige Situation und die sich anbahnende, weitere Verschlechterung in Burundi macht uns zu schaffen und gibt uns mehr als zu denken. Und das alles für ein paar Kilo Bohnen und Reis pro Woche.

In den kommenden Wochen soll das Benzin noch einmal teurer werden. Von 1.860 FBu auf 2.000 FBu. Das Bild von vor wenigen Wochen wird sich wiederholen. Vollgestopfte Tankstellen, sich weigernde Tankstellenbesitzer. Stillstand.

Die Rebellen FNL sind nach wie vor im Hinterland aktiv und liefern sich Auseinandersetzungen mit der Armee. Ein kurzer Abriss dazu wird kommenden Sonntag auf www.ka-news.de/burundi erscheinen. Die Machthabenden weigern sich, in Verhandlungen zu treten. Man will nicht teilen. Patriotismus: Fehlanzeige. Wer darunter leidet, sind die kleinen Fahrradtaxifahrer, oftmals ehemalige Straßenjungen, die sich so ein klein wenig über Wasser halten können. Gestern hat man sie daran gehindert, in die Innenstadt zu fahren und ihren Fahrdiensten nachzugehen. Befehl von oben, aus Angst, die FNL könnten sich so fortbewegen.

Doch kann man die FNL keinesfalls grundsätzlich auf die Seite der Bösen stellen. Sie sind teilweise in der Bevölkerung akzeptiert – weil diese unter den Rebellen nicht unbedingt mehr leidet, als unter der Situation, die die derzeitigen Machthaber verursachen. Stets im Hinblick auf die Wahlen in 2010 – sollten sie denn stattfinden.

Ich verabscheue die Liste auf meinem Schreibtisch. Die Liste mit den Namen der Kinder aus dem Heim. Mit Notizen, Gekritzel, welche Lösung man für sie finden könnte. Die wir finden müssen. Es sei denn…

An Absurdität beinahe nicht zu übertreffen: Ich finde es bezeichnend, was in dem Artikel über steigende Preise auf tagesschau.de als erstes wichtiges Thema in Deutschland angesprochen wird. Mir fehlen die Worte.

Aus aktuellem Anlass, einem sehr schwierigen Thema und als Reaktion auf eine aktuelle Kritik an meinem Eintrag „Nadine und Kenny“ möchte ich einen Auszug aus meiner Antwort per Mail öffentlich machen und für jedermann/-frau zugänglich, da mir diese Information sehr wichtig scheint…

“Hallo …

ich danke dir für deine Mail und deinen Rat/deine Kritik, der ich natürlich offen gegenüber stehe. Nur so lerne ich dazu und die Meinung der Leser ist mir immer sehr wichtig. Deshalb danke ich dir.

Die Todesstrafe ist eine heikle Sache, eines der meist diskutierten Themen der Welt. Die Meinungen gehen mehr als nur auseinander. So, wie auch an dieser Stelle. An meiner Meinung kann man - selbst ich nicht - nichts ändern. In anderen Fällen lehne ich sie ebenfalls ab, jedoch nicht in diesem Punkt, wenn es Kinder betrifft. Noch dazu, wenn es ohnehin schon benachteiligte Kinder sind, die darunter leiden, in diesem Land unter diesen Umständen geboren zu sein und deren Situation auf diese Weise noch ausgenutzt wird.

Ich möchte dich jedoch bitten, zwei Dinge zu differenzieren.

Der Internetauftritt von burundikids e.V. und mein Tagebuch “Aus dem Herzen Afrikas” sind zweierlei unterschiedliche und unabhängige Dinge. Der Auftritt von burundikids (www.burundikids.org) ist der offizielle der Organisation, es finden sich dort nur sachliche Infos, Fortschritte der Projekte, aktuelle Infos und Geschehen während unserer Arbeit. Arbeit der ORGANISATION. Objektiv.

Das Tagebuch hingegen ist rein privat, persönlich und - hier ganz deutlich - subjektiv. Hinter jedem Satz, ganz klar, steht eine persönliche Note, eine menschliche, individuelle Meinung. Diese Meinung spiegelt in keinem Fall unbedingt die Meinung oder Philosophie der Organisation wider. In diesem konkreten Fall ohnehin nicht.

In diesem Fall hat das Geschriebene auch nichts mit Journalismus zu tun, sondern - wie der Titel der Internetseite schon aussagt (”Tagebuch”) - mit persönlichen Erlebnissen, persönlichen Gedanken und persönlichen Äußerungen. Die durchaus angreifbar sind, jedoch den Autor, also mich betreffen – nichts mehr und nichts weniger.

Diesen Unterschied gilt es zu beachten. Das Tagebuch ist keine offizielle Seite von burundikids e.V., sondern geführt von einem unabhängigen Individuum - mir.

Ich habe mit Kritik an dieser Äußerung gerechnet und bin auch froh, dass sie letztendlich kam. Deshalb danke ich dafür.

Ich grüße dich ganz herzlich und danke dir auch für das große Lob, das in deiner Nachricht steckt. Danke für die Treue.

Ein ganz lieber Gruß aus Buja.

Phil”

Der Hunger

April 29, 2008

Artikeltipp

April 29, 2008

Artikeltipp

April 28, 2008

Die Scheinheiligkeit unserer Welt:

Zum Artikel!

Nadine

April 28, 2008

28. April. Die Polizei hat den Nachtwächter, der Nadine vergewaltigt hatte, gefasst. Er ist schon so gut wie im Gefängnis. Dort wird er 25 Jahre bleiben. So sieht es zumindest das Gesetz vor. Wir werden die Sache weiter verfolgen und alles dafür tun, dass er dort auch wirklich hin kommt und auch bleiben wird. Seine Familie hat schon Heimleiterin Pelline Geld angeboten, wenn sie die Anzeige fallen lassen würde. Als sie sich weigerte, drohte man ihr. Telefonterror. Doch Pelline lässt sich nicht abbringen.

Während des Verhörs wagte es der Typ doch tatsächlich zu behaupten, die Blutspuren, die man festgestellt hatte, seien von ihm selbst. Dem Bericht von Ärzte ohne Grenzen (MSF, Médicins Sans Frontiers), wonach Nadine sehr übel zugerichtet worden sein muss, glaubt er nicht. Die Ärztin bei den MSF habe bei der Untersuchung nur den Kopf geschüttelt.

Nadine geht es derweil besser. Sie lacht wieder, spielt mit den anderen. Doch auch das müssen wir beobachten und weiterhin mit ihr Gespräche führen. Es wird sich auf jeden Fall um sie gekümmert. Ich gehe nun zu ihr ins Heim und sehe nach, wie es ihr geht.

Nadine und Kenny

April 27, 2008

27. April. Ein schwarzer Tag. Unsere Heimleiterin Pelline hat erfahren, dass ein Mädchen aus unserem Heim (Nadine, zwölf Jahre) vergewaltigt worden ist. Nadine hatte es nicht sofort gesagt, sondern erst heute davon erzählt. Anscheinend ist es schon Donnerstag oder Freitag passiert. Ich fühle mich hilflos, schockiert, bin unheimlich wütend – was bis hin zu Mordgedanken führt. In der Tat, man kann in Burundi jemanden für gerade mal 10.000 FBu (6 Euro) töten lassen. Sind das elterliche Gefühle?

Zurück auf den Boden der Tatsachen. Nadine war an diesen Mann anscheinend „gewöhnt“. Sie geht in eine staatliche Schule, einige Viertel weiter vom Heim entfernt. Begonnen hatte es mit einfachem Grüßen. Irgendwann kam das Anlocken dazu, wohl mit Geld und anderen Dingen. So, wie diese Geschichten für gewöhnlich ablaufen. Diese Woche war es dann soweit. Er hatte Nadine in ein Haus gebracht – und dort vergwaltigt. Zwölf Jahre. Ein kleines Mädchen. Nadine war heute nur ein Mal kurz zu sehen. Sie sprach nicht, verzog keine Miene. Nadine, die sonst lacht und offenherzig grüßt.

Der sofortige Gang zu „Ärzte ohne Grenzen“ bestätigte: Spuren von Misshandlung und Vergewaltigung. Nadine bekam ein Notfallset zur Vorbeugung von Aids. Auf den Aidstest, ob es Erfolg hatte, müssen wir nun drei Monate warten. Vorher ist nichts feststellbar. Wir können nur hoffen.

Am Abend war Heimleiterin Pelline mit Nadine im Viertel Nyakabiga, wo die Vergewaltigung stattgefunden hat. Nur Nadine kannte bislang das Haus. Man holte die Polizei zur Hilfe. Die wollte jedoch bei Dunkelheit nicht nach dem Mann suchen. Man wird morgen früh um 5 Uhr beginnen. Jedoch handelt es sich bei dem Mann anscheinend um einen Nachtwächter, der nur unter der Woche arbeitet. Ob sie ihn morgen antreffen, ist fraglich. Ob sie ihn überhaupt antreffen. Anscheinend ist es der Nachtwächter eines Weißen, der gerade in Urlaub ist. Ich habe großen Drang danach, diesen Menschen zu sehen. Wie ich in diesem Moment reagieren würde, kann ich jedoch nicht sagen.

Vergewaltigung. Noch dazu an Kindern. Für mich ein Fall für die sofortige Todesstrafe. Zwar mag man mich nun vielleicht aufgrund meiner extremen Ansichten kritisieren, daran kann ich nichts ändern. Aber in so einem Fall kenne ich kein Pardon, keine „Dialoge“ oder „friedliche“ Lösung. Es ist das Unmenschlichste, das existiert. Und hier endet meine gemäßigte, liberale, schlichtende Einstellung.

Pelline rief heute Abend alle Mädchen zu einer Versammlung zusammen. Wir wollen den Kindern, insbesondere den Mädchen einbläuen, um welche Gefahren es sich handelt. Dass man – und das ist das uralte Spiel – nichts von Fremden annehmen soll und schon gar nicht mit ihnen mitgehen. Wir müssen das noch mehr als bisher – insbesondere den Kleinen – einschärfen, in die Köpfe hämmern. Nur so können wir sie schützen. Nicht jeden Vergewaltiger können wir mit der Polizei fassen. Dafür nimmt die Anzahl in Burundi derzeit leider zu stark zu. Die Menschen sind durch den Krieg und die Zeit danach oftmals verdorben, gleichgültig, …

Ich glaube, ich besuche diesen Mann, falls sie ihn ins Gefängnis stecken sollten. Es raubt mir an diesem Abend den letzten Nerv. Heute Nachmittag hatte ich Nadine gesehen. Es geht mir nicht aus dem Kopf. Und man stellt sich immer wieder dieselbe, bescheuerte Frage nach dem warum. Aber zu sagen: „das passiert – leider!“ ist mir zu wenig und zu stupide.

Ich sprach am Abend mit Barbara von UNICEF. Sie hatten ohnehin schon eine Kampagne geplant, die genau gegen dieses Thema vorgeht und aufklärt. Mit Broschüren, im Radio, was auch immer. Möglichst viele sollen erreicht werden – insbesondere Eltern, die ihren Kindern das Gesagte einschärfen sollen. Wir hätten das im Fall Nadine früher leisten sollen.

Für mich persönlich nach den Beerdigungen von Jimmy im Februar und Chantal im Dezember vergangenen Jahres die dritte, sehr tiefe Kerbe, die sich ins Bewusstsein einbrennt.

Apropos Chantal. Ihr kleiner Sohn, Kenny, den sie zurück ließ, ist zurzeit im Kinderheim „Uranderera“. Die jüngere Schwester Chantals, Olga, lebt dort, deshalb ist Kenny einige Tage da. Ob er dort bleiben wird oder zurück zu den Frauen nach Kamenge gehen wird, müssen wir noch sehen. Er begrüßte mich mit strahlenden Augen und kam mit offenen Armen auf mich zugerannt. Er kennt mich noch. Er ist fröhlich und guter Dinge. Die anderen Kinder kümmern sich um ihn wie um ein kleines Geschwisterchen. Er fühlt sich sichtbar wohl.